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Das Siedlerhäuschen an der Johanneskirchner Straße wird abgerissen. Es soll einem vierstöckigen Wohngebäude weichen. Das Landratsamt hat zugestimmt. Doch die Unterföhringer Lokalpolitiker wehren sich weiter gegen die massive Bebauung.

An der Johanneskirchner Straße

Zu hoch, zu massiv, potthässlich: Widerstand gegen wuchtigen Wohnklotz in Unterföhring

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Ein Investoren-Projekt ist für den Unterföhringer Bauausschuss ein Ärgernis – schon lange. Das Bauvorhaben an der Johanneskirchner Straße 8 haben die Lokalpolitiker mit harschen Urteilen bedacht, obwohl das Landratsamt nach langem Hin und Her sein Einvernehmen gegeben hat. 

Unterföhring – Auch wenn die baurechtliche Handhabe nicht aussichtsreich ist, lehnte der Ausschuss das Projekt mit 0:9 ab. Den Unterföhringern ist das geplante Wohngebäude mit 20 Metern Länge, 16,74 Metern Breite und einer Firsthöhe von 12,2 Metern zu wuchtig, verglichen mit den zweistöckigen Häusern ringsum. Bisher steht dort ein sehr kleines Siedlerhäuschen im Garten. Das will die Ismaninger MW Eigenheimbau GmbH abreißen und ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus mit neun Eigentumswohnungen und Tiefgarage errichten.

Landratsamt: Bau fügt sich in die Umgebung ein

Die Südansicht des neu geplanten Wohngebäudes. 

Seit über drei Jahren ist das Grundstück im Fokus der Lokalpolitiker und hat schon dreimal den Eigentümer gewechselt. Im April 2016 plante Wolfgang Nöth ein Haus mit vier Wohnungen, dem der Bauausschuss zustimmte. Dann verkaufte Nöth. Der folgende Eigentümer plante größer und erntete eine Absage. Im Juli 2017 reichten die Ismaninger Investoren ihre Pläne erstmals ein: Auch deren Mehrfamilienhaus war den Unterföhringern zu massiv. Außerdem rügten sie die fehlerhaften Pläne, die das Gelände falsch darstellten. Das korrigierte der Investor und schickte einen neuen Bauantrag. Im August prüfte das Landratsamt das Vorhaben mit dem Ergebnis, dass sich der Baukörper in die Umgebung einfügen würde. Daher bat die Aufsichtsbehörde die Gemeinde, ebenfalls zuzustimmen, andernfalls werde sie ersetzt.

Genau darauf lassen es die Unterföhringer jetzt ankommen. Gleichzeitig hoffen sie, dass sich die Verantwortlichen im Landratsamt die Johanneskirchner Straße einmal genauer anschauen.

Massiver Bau, der neue Maßstäbe setzen wird 

Da es in der Ortsmitte keinen Bebauungsplan gibt, gilt die umliegende Bebauung als Beurteilungsrahmen. Doch es gibt große Unterschiede in der Einschätzung. „In dieser Umgebung gibt es keinen Grund, diese Höhe und die Vierstöckigkeit abzuleiten“, kritisierte SPD-Gemeinderat Thomas Weingärtner. Udo Guist (PWU) zweifelt, dass Vertreter der Behörde vor Ort waren. Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel (CSU) berichtete, dass sie die Straße mehrmals abgefahren sei, weil die Zustimmung des Landratsamtes sie sehr verwundert habe. Sie warnte: „Es wird ein massiver Bau, der in diesem Gebiet neue Maßstäbe setzen wird.“ Sie könne, entgegen ihrer sonstigen Linie, der Bitte des Landratsamts ausnahmsweise nicht nachkommen.

SPD-Chef Philipp Schwarz monierte, das Gebäude sei „potthässlich“ – „als sei es „mehrmals umgebaut worden“. Gertrud Mörike (PWU) konnte nicht nachvollziehen, „dass man den Nachbarn das antut, in der Höhe.“

Ähnlich massiv wird an der Birkenstraße/ Ecke Münchner Straße nachverdichtet. Hier will ein Investor 22 Luxuswohnungen errichten. Auch hier stellte sich die Gemeinde gegen das Landratsamt.

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