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Den Zentimeterstab hat Walter Riess dabei. Hier misst er den Durchmesser eines wegen Biberschadens gefällten Baumes.

Bäume am Wegesrand umgenagt

Unterföhringer besorgt: Biber ist eine Gefahr für Spaziergänger am Feringasee

  • Marc Schreib
    VonMarc Schreib
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Walter Riess aus Unterföhring hält den Verbiss am Feringasee für katastrophal .Landratsamt und Gemeinde allerdings beschwichtigen.

Unterföhring – Nach den Wintermonaten sieht man besonders gut, welches Werk der Biber verrichtet hat. Die Bäume tragen noch kein Laub, die Schäden an ihnen sind umso sichtbarer. Vor allem in der kalten Jahreszeit benagt der Biber die Gehölze. Ab sofort wird es weniger. Jetzt ist die Zeit in der die jungen Biber auf die Welt kommen.

Am Feringasee lebt eine Biberfamilie, zwei Alt-Tiere, ein bis zwei Tiere des Vorjahres, ein Wurf wird in diesem Frühling hinzukommen. Man bekommt sie kaum zu Gesicht, ihre handwerklichen Arbeiten aber schon. Walter Riess (78)aus Unterföhrung mag Tiere grundsätzlich sehr gerne. Das will er vorausschicken. Aber: „Wir haben ein unglaubliches Bibergeschehen am Feringasee.“

Walter Riess ist deshalb in der Gemeinde vorstellig geworden. Dort hat man ihn an das Landratsamt München verwiesen. Er führte daraufhin ein Gespräch mit einem Biber-Experten. Für ihn unbefriedigend: „Was hier an Auskunft stattfand, genügt mir als Bürger eigentlich nicht.“

Unterföhringer sieht Gefahr für Fußgänger

Der Unterföhringer ist häufig als Spaziergänger am Feringasee unterwegs. Im Sommer geht er hier baden. Auch der Badebereich sei inzwischen betroffen. Bäume werden seinen Worten zufolge so angeknabbert, dass sie umzustürzen drohen. Für ist ein kritisches Maß erreicht: „Es müsste eine Aktion stattfinden, dass die Gefährlichkeit reduziert wird.“

Der Unterföhringer unterhält sich mit Spaziergängern am See, die den Kopf schütteln. „Es ist schlichtweg eine Katastrophe“, finden sie. Dem Naturliebhaber geht es weniger um den Wert der Bäume als um die Gefahr, die für die Fußgänger besteht an der Wegstrecke nahe der Autobahn besteht. Das Landratsamt habe zwar versichert, dasses die Situation vor Ort im Blick habe. „Aber ich weiß, dass vor wenigen Wochen schon zwei Bäume umgefallen sind. Sie krachten auf das Gebietsgitter und beschädigten es.“ Da ist für Walter Riess ein Punkt erreicht, wo er sagen muss: „So könnt ihr mit dem Ganzen nicht umgehen.“ Er hat sich mit einem Bekannten aus Unterföhring getroffen, der körperbehindert ist. Ein fallender Baum soll ihn beinahe erwischt haben. „Ich habe ihm empfohlen zur Gemeinde zu gehen und das Erlebnis zu schildern, damit man sich dort Gedanken macht.“

Vorerst allerdings, das hat Walter Riess in Erfahrung gebracht, will man am Feringasee verhindern, dass der Biber abgeschossen wird. „Ich meine, wenn es eine Möglichkeit gibt, den Biber lebend zu entfernen, hätte ich nichts dagegen.“ In der Nachbargemeinde Ismaning hätten die Biber ebenfalls für Verdruss gesorgt. Dort habe man zum äußersten Mittel griff und einige abgeschossen. Walter Riess: „Sie gruben einen Tunnel unter die Straße, die Bauern konnten mit dem Bulldog die Straße nicht mehr benutzen.“ In Unterföhring hätten die Biber am Auslauf des Feringasees den Wasserkanal, der unter der Autobahn hindurch führt, buchstäblich verstopft. Und nun?

Der Biberbeauftragte im Landratsamt München, Michael Wagner, wirbt für Verständnis und ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Tier. Er hat heuer schon einen Biber gesehen: „Es ist Glückssache. Das Tierchen ist nachtaktiv.“ In den frühen Morgenstunden oder am Abend kann man ihn unter Umständen auf einem Kontrollgang sehen. Einmal die Woche sind die Mitarbeiter draußen. „Es wird engmaschig kontrolliert.“ Das Landratsamt München trägt Sorge dafür, dass am Feringasee niemand zu Schaden kommt. Die angestammte Biberfamilie hält ihr Revier an diesem Gewässer seit 2013 und verteidigt es gegen Eindringlinge.

Experte: „Der Biber ist ein Stück Natur“

Und ja, natürlich sind hier Bäume betroffen. Ausgehend vom Zentrum der Benagung sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, den Schutz sukzessive nach außen auszuweiten. Die Biberaktivität ist weitgehend auf den nicht zugänglichen Biotopbereich beschränkt, aber natürlich nutzt der Biber den ganzen See. 2017 wurden im Landkreis 29 Biber entnommen – vor allem nördlich des Ismaninger Speichersees. Hier auf dem Gemeindegebiet von Ismaning und Aschheim ist der Schwerpunkt der Entnahmen. Mit einer Entnahme ist im Regelfall das Fangen in der Falle mit anschließendem Abschuss gemeint. Früher konnte man die Tiere exportieren, zum Beispiel nach Slowenien, aber das ist nicht mehr möglich. Im Jahr 2018, so die aktuelle Zahl, mussten neun Biber entnommen werden.

„Wir müssen uns darum kümmern, dass benagte Bäume kein Sicherheitsproblem darstellen. Und wir müssen wertvolle Gehölze schon im Vorfeld schützen.“ Michael Wagner hat Verständnis für Menschen, die das Werk des Bibers emotional bewegt. „Da der Biber 100 Jahre ausgerottet war, sind wir das nicht mehr gewohnt. Jetzt kommt ein Tier daher, das sich die Bach- und Flussläufe zurückerobert.“ Seine Fähigkeit, die Landschaft komplett umzugestalten, stoße nicht überall auf Gegenliebe. „Viele sagen, dass sei Naturzerstörung und übersehen dabei, dass der Biber ein Stück Natur ist. Ein fester Bestandteil.“ 

Gemeinde will Bürger besser aufklären

Auch die Gemeinde Unterföhring ist sich der Problematik von Biber und Erholungssuchenden im Gemeindegebiet bewusst. Die Situation werde sich voraussichtlich in den Frühjahr- und Sommermonaten verschärfen, wenn mehr Sommerfrischler vor Ort sind. Vorstellbar wären aus Sicht von Unterföhrings Klimaschutzmanagerin Andrea Rinke Hinweisschilder. „Leider erfahren wir immer wieder von Handlungen der Bevölkerung, die sich langfristig negativ auf die Verkehrssicherung des Baumbestands auswirken.“ Demnach werden eigenmächtig Drahthosen von bereits angenagten Bäumen demontiert, die den Baum vor weiterem Verbiss schützen und zur Wahrung der Verkehrssicherheit beitragen sollte. „Solche eigenmächtigen Handlungen sind jedoch kontraproduktiv, da dadurch der Biber weiterhin frei Fahrt hat und den Baumbestand gefährdet.“ Dadurch entstehe ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für die Erholungssuchenden. Die Gemeinde will direkt auf die Bevölkerung zugehen, in dem die Lebensweise des Bibers, der naturschutzfachliche Wert der heimischen Wildart näher gebracht wird. Daher sei eine robuste Maßnahme, wie sie der Unterföhringer Bürger fordert, keineswegs erfolgsversprechend.

Der Biber ist nach den Worten von Andrea Rinke am See beheimatet und wird sein Habitat nicht so schnell verlassen. Und wenn doch, seien bereits die nächsten Biber vor Ort. „Nutzbarer Lebensraum ist auch bei Bibern knapp. Wir streben ein besseres Verständnis an und damit ein besseres Miteinander von Mensch und Biber.“

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