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Den Unterföhringer Mohr übergibt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer an Jonas Well.

Auszeichnung mit Kulturpreis

Unterföhringer Mohr für die Wellbappn

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Die Wellbappn schauen jedem auf den Mund - dafür liebt das Publikum sie. Vor allem die Unterföhringer, die der Kabarett-Kombo den Publikumspreis bescherten. 

Unterföhring – „Ob die Gemeinde Unterföhring so viel Geld hat?“ Die erste Frage der bayerischen Kabarettlegende Hans Well (64), über 35 Jahre Mitglied der legendären Biermösl Blosn mit Gerhard Polt, ging gleich ins Detail. Mit seinen Kindern Sarah (26), Tabea (24) und Jonas (21) bildet er das muntere Quartett Wellbappn, das die eigene Bappn (bayerisch für Mund) eigentlich nie hält. 2015 begeisterte die Gruppe das Publikum im Bürgerhaus Unterföhring derart, dass die Unterföhringer die Wellbappn zum Preisträger für den Unterföhringer Mohr, den Kulturpreis der Gemeinde, wählte. Der Publikumspreis wurde am Dienstagabend an die Wellbappn vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert.

„Unser Mohr macht sich nett im Regal, und Künstler können das Geld in der Regel gut brauchen“, witzelte Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer. 46 Veranstaltungen bewertete das Publikum im Jahr 2015, für die Wellbappn gab es 255 mal ein „sehr gut“. „Ihr nutzt Bayern als Euren eigenen Fundus mit einem Familienunternehmen, in dem keiner die Bappn hält“, sagte Kulturreferentin Barbara Schulte-Rief in ihrer Laudatio.

Bei Preisverteilung verdienten sich die Wellbappn mit ihrem neuen Programm und einer bunten Show gleich wieder reihenweise die Note eins mit Sternchen. Die Wellbappn haben ein hohes musikalisches Niveau sowie eine Vielfalt, sodass die pompöse Unterföhringer Bühne angesichts der vielen Musikinstrumente diesmal selbst für vier Personen zu klein wurde. Besungen wurden die kleinen Dinge des Alltags wie der als Lehrer arbeitende Kinderhasser oder die deutsche Brüderschaft am Einheitstag. Die Kombo spottete über Ministerpräsidenten Seehofer und dessen Möchtegern-Nachfolgers Markus Söder. „Der Seehofer sagt über einen Abgeordneten aus Franken, man muss Gott nicht für alles danken.“ Diie Kabarettisten zogen die Eltern durch den Kakao, für die es keine Verkehrsregeln mehr gibt, wenn die Kinder zum Kindergarten gebracht werden müssen.

Zur populären Art der Wellbappn gehört auch, dass das Familienquartett nicht nur das Programm abspult, sondern auch lokale Themen einbaut. „Hier in Unterföhring kriegen die jungen Madl einen Häuserblock statt Bettwäsche und Radl“, witzelte Hans Well über den Reichtum der Gemeinde im Münchner Norden. Seitenhiebe auf den noch nicht fertigen Feststadl und die sieglosen Regionalliga-Fußballer – „Ganz Bayern freut sich auf die Punkte aus Unterföhring“ – wurden in den unterhaltsamen Abend eingebaut.

Die Wellbappn sind deshalb so erfolgreich, weil sie ihrem Publikum ganz genau auf den Mund schauen und die Themen aufnehmen, die die Orte und den Freistaat insgesamt bewegen.

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