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Richard Deutschmann poliert die  „Vogeltränke“.

Der Unterföhringer Richard Deutschmann zeigt Wurzelskulpturen im Bürgerhaus

Anfassen erlaubt

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Berühren, das ist der erste Impuls. Die matt glänzende Oberfläche ist ja auch zu verlockend. „Ja, bitte!“, sagt der Künstler erfreut. „Anfassen ist erlaubt.“ Einige seiner Objekte zeigt der Unterföhringer Richard Deutschmann in einer Skulpturenausstellung im Bürgerhaus. Das Kulturamt eröffnet sie morgen.

UnterföhringRichard Deutschmann (66) wohnt in einer Art Siedlerhäuschen, drum herum Schuppen, Garten, Werkstatt, Teich. Er geht voraus durch Flur, Wohnküche, Wintergarten, Schuppen. Die Räume sind eng. Das Anwesen ist ein Panoptikum: Hier ein Frauenakt, dort eine Marienfigur. Hier ein Feenhaus aus Rinde, dort eine Maske, ein Regal, ein Rahmen ... gestaltet von heutigen oder einstigen Bewohnern des Hauses.

Stämme und Wurzeln lagern hinter seinem Haus, wenn der Künstler arbeitet, fliegen die Späne. Zeitlos schöne Objekte schnitzt er aus dem uralten Wurzelholz heraus, nicht immer mit dem Messerchen, manchmal auch gleich mit der Motorsäge.

Bei einer Reise durch das irische Hochmoor war Deutschmann zum ersten Mal fasziniert von den Wurzeln, die am Wegesrand zu sehen waren. Erst nach dieser Erfahrung fielen ihm auch in seiner Heimat Wurzeln auf, die er am Feringasee entdeckte, nach Hause schaffte, trocknete und behandelte. Seine Fundstücke aus über 25 Jahren sind Fragmente der Natur, die durch Moorsäure hart geworden sind, „fast versteinert“.

Arbeiten an der „Schweinsbratenkruste“

Auf der Suche nach der Skulptur bringt der Bildhauer mit seinen Werkzeugen zum Vorschein, was hinter der „Schweinsbratenkruste“ liegt. So nennt Deutschmann die oberste Schicht, wenn sie noch unbearbeitet, höckerig und rissig ist. Denn genau hinsehen, das ist dem Autodidakten wichtig. „Du kannst nicht im Voraus sagen, was aus der Wurzel herauskommt.“

Als Junge lernte er das Schnitzen von Vater Hans Deutschmann, der – ebenso wie der Großvater – Bildhauer war. Zeitweise beschäftigte „der Vati“ drei Mitarbeiter in seiner Werkstatt hinterm Haus, hauptsächlich mit Aufträgen für sakrale Kunst. Seine Mutter, Fassmalerin Ottilie Deutschmann, bearbeitete die Kunstobjekte mit Farben und Blattgold weiter.

Eine solche Kooperation der Eltern hängt auch von der Decke der Küche im Wohnhaus: ein Lüsterweiberl, eine weibliche Halbfigur, die in ein Geweih übergeht, und aus fünf Glühbirnen leuchtet.

„Mein Vati verbot mir, Bildhauer zu werden“, erzählt Deutschmann, „er sagte: Du lernst erst was Gescheites.“ Er wurde Elektroniker, war weltweit im Service tätig und oft im Flugzeug unterwegs. „Aus Frust“ hängte er nach 25 Jahren den Beruf an den Nagel und arbeitete als „Mann für alle Fälle“ endlich handwerklich. Nun hatte er auch Zeit für seine Skulpturen aus Föhringer Wurzeln. Es sind mehr als 25 im Laufe der Jahre entstanden.

Mit ein paar Metern Abstand überrascht der lebendige Ausdruck seiner Figuren: Wie die Skulptur heißt? – Deutschmann fragt zurück: „Was sehen Sie?“ und beflügelt so die Fantasie. – Einen Indianerkopf, einen Hirsch, einen Fisch. Seine Bearbeitung und Interpretation fördern den Zufall zutage, der größer sein kann als ein Plan.

Florian Nagel, Mitarbeiter im Unterföhringer Kulturamt, ermutigte Deutschmann, seine Objekte öffentlich zu präsentieren. Morgen Abend eröffnet der 66-Jährige nun seine erste Ausstellung, die überhaupt die erste Skulpturenausstellung im Bürgerhaus sein wird.

Vernissage:

Zur Eröffnung morgen um 19 Uhr laden die Gemeinde Unterföhring und Richard Deutschmann  ins Bürgerhaus ein. Die Ausstellung ist bis zum 1. Juli zu sehen.

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