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Nadelöhr Föhringr Ring.

20.000 Mitarbeiter

Unternehmen fordern vierspurigen Ausbau des Föhringer Rings

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Führende Wirtschaftsunternehmen in Unterföhring haben sich zusammengeschlossen und machen Druck: Der Föhringer Ring soll endlich vierspurig ausgebaut werden. Über 20 000 Beschäftigte arbeiten im Gewerbepark Unterföhring – zu viele für die vorhandene Verkehrsinfrastruktur.

Unterföhring – Termine um neun Uhr morgens oder 18 Uhr am Abend? – In vielen Konzernetagen lässt man das inzwischen lieber sein – es ist zu unsicher. Die Verkehrswege in der prosperierenden Region sind überlastet, die Straßen im Berufsverkehr dicht. „Allzu viele Hindernisse liegen auf dem Weg ins Büro. Egal, ob die Mitarbeiter mit dem Auto oder mit dem öffentlichen Nahverkehr kommen – es gibt immer Hürden“, sagt Simon Wimmer, Pressesprecher von Sky Deutschland: „Es ist nicht mehr sicher, dass jeder pünktlich um neun Uhr zur Arbeit kommt.“ Wie sehr Verspätungen die Mitarbeiter stressen, weiß Ingo Schulz, Standortverantwortlicher der Allianz Deutschland, denn ab neun Uhr rufen die Kunden im Büro an. Der Mitarbeiter und seine Motivation aber seien – auch volkswirtschaftlich messbar – „ein kostbares Gut.“ Schulz fragt: „Wie soll das mit dem Nahverkehr in den nächsten Jahren weitergehen?“

Zwei Dax-Konzerne machen Druck

Es geht aber nicht nur um die Laune der Mitarbeiter, die jeden Tag mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit fahren müssen, sondern auch um die Wettbewerbsfähigkeit und die Anziehungskraft des Wirtschaftsstandorts. „Die Unternehmen eint alle die Verkehrssituation“, sagt Annette Kümmel, Mediensprecherin von ProSiebenSat1. Deswegen haben sich mehrere große Firmen mit Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer zu der Initiative „MEA-Future“ zusammengeschlossen und fordern, dass der Ausbau der Verkehrswege endlich vorankommt. Vertreten sind die beiden Dax-Konzerne Allianz Deutschland (über 8000 Mitarbeiter), und ProSiebenSat1 (2800 Mitarbeiter) sowie Sky Deutschland, Vodafone, HD Plus, MX1 und Astra.

Bürgermeister Kemmelmeyer ärgert Trödelei

„Wir sind stolz, dass wir solche Wirtschaftsunternehmen am Ort haben, aber wir machen auch was“, sagt Rathauschef Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählergemeinschaft Unterföhring, PWU). Er sieht sich als Bürgermeister nicht nur für die 11 500 Einwohner verantwortlich, „sondern auch für über 20 000 Beschäftigte, die in Unterföhring arbeiten“.

Die Gemeinde errichtet zwei Parkhäuser im Gewerbegebiet, sie baut die gemeindeeigenen Verkehrswege in den Gewerbepark aus und plant ein öffentliches Hallenbad. „Deswegen ärgert es mich umso mehr, wenn andere Dinge Jahrzehnte lang hängen“, so Kemmelmeyer. Das drängendste Verkehrsproblem sieht die Initiative im Münchner Norden am Föhringer Ring, der für die Autofahrer morgens und abends zum Nadelöhr wird: Die Initiative fordert den vierspurigen Ausbau der gut zwei Kilometer langen Trasse. Seit 2004 liege, so Kemmelmeyer, ein Planfeststellungsbeschluss vor, wurde vom Münchner Stadtrat aber immer wieder aufgeschoben. Jetzt aber könnte Bewegung in die Sache kommen, denn die marode Herzog-Heinrich-Brücke muss saniert werden.

Münchner Stadtrat befasst sich wieder mit dem Thema

In Kürze – vielleicht schon am kommenden Mittwoch – soll sich der Planungsausschuss der Stadt München mit dem Ausbau des Föhringer Rings befassen. „Falls der

ein oder andere Stadtrat nicht weiß, wie er abstimmen soll, können wir ihn unterstützen“, scherzt Bürgermeister Kemmelmeyer: „Wir brauchen den vierspurigen Ausbau genauso wie die Stadt selbst.“ Für ein gemeinsames Finanzierungsmodell müssten sich die Spitzen von Innenministerium, Landeshauptstadt und Gemeinde zusammensetzen, sagt Kemmelmeyer. 

Auch S-Bahn muss mehr leisten

Die Inititiative „MEA-Futuer“ fordert zudem auch, dass der öffentliche Nahverkehr an das hohe Personenaufkommen angepasst wird: Ein S-Bahnringschluss sei notwendig und eine Taktverdichtung auf der Flughafen-S-Bahnlinie S8. „Langfristig hilft der Ausbau der Stammstrecke. Kurzfristig aber wird es dadurch noch schwieriger“, sagt Annette Kümmel von ProSiebenSat1. Ihr Appell: „Zwischenzeitlich würde der Einsatz von Vollzügen schon helfen.“ Den Unternehmen ist klar, dass das Verkehrsproblem überörtlich gelöst werden muss. „Es ist ein großes Thema, das wir aus dem Kleinen heraus anspielen“, sagt Sky-Sprecher Simon Wimmer. Und schiebt nach: „Aber am Ende sind all dieses Menschen, die im Stau stehen, auch Wähler.“


Die Initiative MEA-Future:

Seit seinem Amtsantritt 2014 ist Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer an einer aktiven Wirtschaftspolitik gelegen. Seither arbeiten die Unternehmen mit der Gemeinde und untereinander zusammen, was anfangs „nicht selbstverständlich“ war, sagt Frank Lilie, Pressesprecher von HD Plus, MX1 und Astra: „Es geht da aber wirklich was zusammen.“ Benannt hat sich die Initiative „MEA-Future“ nach der Medienallee, einer zentralen Straße im Unterföhringer Gewerbepark.

Benannt hat sich die Initiative „MEA-Future“ nach der Medienallee, einer zentralen Straße im Unterföhringer Gewerbepark. „Uns treiben dieselben Themen um“, sagt Annette Kümmel von ProSiebenSat1. „Es gibt am Standort ein enormes Potenzial. Wir können es aber nicht voll entfalten, weil die Infrastruktur das nicht hergibt“, stellt Inga Moser von Filseck von Vodafone fest.

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