Lange Schlangen am Impfbus in Unterföhring.
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Lange Schlangen am Impfbus in Unterföhring.

Landrat bestürzt

Belastungsprobe Impfen: Fehlendes Personal und zunehmend aggressive Bürger - „Nerven liegen blank“

  • Doris Richter
    VonDoris Richter
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Der Landkreis München will sein Impfangebot massiv ausbauen. Das Problem: Es fehlt Personal. Was den Landrat zusätzlich beunruhigt: zunehmende Aggressivität in der Bevölkerung. 

Landkreis – Bis 17.30 Uhr war die Aktion mit dem Impfbus in Unterföhring angesetzt. Bis 21 Uhr ackerten schließlich die zwei Ärzte und ihr Team, um möglichst wenig Menschen abweisen zu müssen. 254 wurden geimpft. Der Andrang – wie bei jedem Stopp des Impfbusses – riesig. „Wir tun, was wir können, um die Impfkapazitäten weiter auszubauen“, versprach Landrat Christoph Göbel (CSU) bei einem Pressegespräch.

Corona-Impfung in Bayern: Impfzentren öffnen wieder - Doch überall fehlt Personal

Zum ersten Dezember öffnen die Impfzentren in Oberhaching und Unterschleißheim wieder. Für einen Termin muss man sich hier anmelden. Zudem gibt es an der Jochen-Schweizer-Arena in Taufkirchen montags und dienstags wieder einen Impf-Drive-in, wo man sich ohne Termin impfen lassen kann.

Das Problem: Überall fehlt Personal. „Wir suchen dringend Menschen, die bei den Impfaktionen unterstützen“, sagt Göbel. Vor allem wegen des hohen bürokratischen Aufwands. „Wir brauchen allein im Impfzentrum Haar zwölf Mitarbeiter, die mit der Registrierung beschäftigt sind“, sagt Göbel und kritisiert, dass man früher über das Impfportal BayIMCO vorab vieles ausfüllen konnte – was jetzt nicht mehr möglich sei.

Personalnot in Corona-Impfzentren: Wohlfahrtsverbände springen ein

Zu Hilfe eilen vermehrt die Wohlfahrtsverbände: Zwei zusätzliche Teams der Johanniter unterstützen jetzt bei den Impfaktionen, ebenso das Rote Kreuz. In Haar halfen in dieser Woche 20 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks mit, sodass eine zweite Impfstraße im Obergeschoss eröffnet werden konnte.

In den einzelnen Gemeinden soll es weitere, regelmäßige Impfaktionen geben. Die sollen angesichts des bevorstehenden Winters in Gebäuden stattfinden, die die Gemeinden zur Verfügung stellen. „Wir werden auch versuchen, noch besser zu steuern“, sagt Göbel. So könnte es sein, dass man sich zu einigen Impfaktionen in der Gemeinde dann dort vorher anmelden muss.

Impfzentren im Landkreis München: Landrat bestürzt über aggressiven Umgang

Was Göbel bestürzt, ist „der oft aggressive Umgang“ mit den Einsatzkräften bei den Impfaktionen. Auch die Aggressionen, denen er und viele Mitarbeiter im Landratsamt derzeit ausgesetzt seien, habe er so noch nie erlebt. „Die Nerven bei den Leuten liegen blank“, so Göbel. Es sei schon klar, dass jeder möglichst schnell geimpft werden möchte. Doch bei dem derzeitigen Ansturm sei klar, dass sich oft lange Schlangen bildeten.

Corona-Situation in Münchner Klinik besorgt

Auch wenn in den letzten sieben Tagen nur acht Landkreisbürger im Krankenhaus wegen einer Covid-Erkrankung behandelt wurden, bereitet Göbel die Situation in den Münchner Kliniken Sorge, weil immer weniger Betten zur Verfügung stehen und auch der allgemeine Klinikalltag darunter leide.

In Schulen und Kitas gibt es derzeit mehr als 600 Infektionen. Zwei Kita-Einrichtungen mussten bereits vorübergehend schließen. Eine vollständige Kontaktnachverfolgung sei längst nicht mehr möglich. „Da priorisieren wir vor allem mit Blick aufs Alter“, so Göbel. Auch rund 40 Bewohner in zehn Altenhilfe-Einrichtungen wurden positiv auf Corona getestet. Zudem sind 35 Mitarbeiter in 17 Einrichtungen infiziert.

Corona im Landkreis München: Kapazitäten in kommunalen Testzentren ausreichend

Seit vielerorts 2G plus gilt, sind auch die Testmöglichkeiten wieder stärker gefragt. Laut Göbel seien die Kapazitäten in den kommunalen Testzentren noch absolut ausreichend. Er hofft zudem, dass verstärkt auch wieder mehr private Anbieter Testmöglichkeiten schaffen.

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