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Im Innenministerium haben gestern (v.l.) Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer, Oberbürgermeister Die ter Reiter und Innenminister Joachim Herrmann die Finanzierungsvereinbarung unterschrieben.

Vierspuriger Ausbau des Föhringer Rings besiegelt

Zu dritt gegen den Stau

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Es hat lange gedauert, aber jetzt ist es fix. Der „Föhringer Ring“ wird vierspurig ausgebaut. Die Finanzierung steht. Unterföhrings Bürgermeister unterzeichnete gestern gemeinsam mit Innenminister Herrmann und Oberbürgermeister Reiter die Finanzierungsvereinbarung.

Unterföhring– Der Termin im Sitzungssaal des Innenministeriums ist der Startschuss für ein Projekt, das den Verkehr im Münchner Norden stark entlasten wird. Die Tinte ist getrocknet. Drei Unterschriften stehen unter der Finanzierungsvereinbarung: Seit gestern ist der vierspurige Ausbau des Föhringer Rings besiegelt.

Bis zur Fertigstellung im Jahr 2025 werden zwar noch acht Jahre verstreichen, „aber der erste Schritt ist getan“, erklärt Bayerns Innen- und Verkehrsminister JoachimHerrmann (CSU). Er dankt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU): „Die Gemeinde Unterföhring hat schon seit langem auf den Ausbau des Föhringer Rings gedrängt. Und mit dem Signal, sich finanziell beteiligen zu wollen, kam ein entscheidender Impuls für die Verhandlungen.“

Pendler kämpfen sich durch die hoch belastete Strecke über die Isar

Es geht um die Lösung des Dauerstaus. Auf dem Föhringer Ring, der auf 1,9 Kilometern von der Stadt München über die Isar und den Isarkanal in den Landkreis führt, sind an Werktagen bis zu 50 000 Fahrzeuge unterwegs. Das verwandelt die zweispurige Straße in ein Nadelöhr. Die Pendler kämpfen sich durch die belastete Strecke. Die Autos stehen durch ganz Unterföhring Stoßstange an Stoßstange.

Seit 13 Jahren steht der Straßenausbau an 

Die Pläne haben bereits 2004 das aufwendige Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Aber es hakte an der Finanzierung des 52-Millionen-Projekts. Jetzt sei es gelungen, „ein vernünftiges Ergebnis zu finden“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter. Den Löwenanteil von 42 Millionen zahlt der Freistaat. Fünf Millionen schießt Unterföhring zu und ebenfalls fünf Millionen die Landeshauptstadt. Sicherlich ist es ungewöhnlich, dass sich zwei Kommunen an den Hausaufgaben des Freistaats beteiligen. Aber nur so kam das Projekt voran, das durch den maroden Zustand der Herzog-Heinrich-Brücke zusätzliche Brisanz bekommen hat. Ohne die Beteiligung der Kommunen und den Druck der Unterföhringer Unternehmen, wäre der vierspurige Ausbau noch länger verschoben worden. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) erklärt daher: „Es ist ein Kuhhandel, aber er ist gerechtfertigt.“ Das sieht auch die Mehrheit des Gemeinderats so, die den „Interessensbeitrag“ von fünf Millionen genehmigte.

2018 werden die Baumaßnahmen nun vorbereitet und zwischen 2019 und 2025 wird südlich der bestehenden Herzog-Heinrich-Brücke ein Brückenneubau errichtet, über den dann zunächst zweispurig der Verkehr geleitet wird. Anschließend wird die Herzog-Heinrich-Brücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, sodass 2025 zwei neue Brücken bereitstehen: Auf der südlichen Brücke verläuft der Verkehr auf zwei Spuren in die Stadt hinein, auf der nördlichen geht es zweispurig in Richtung Unterföhring.

Leider kein Platz für Busspuren

Die schlechte Nachricht: Es ist nicht möglich, auch Busspuren unterzubringen, was die SPD gefordert hatte. „Dafür ist kein Platz“, erklärte Stefan Meier vom Staatlichen Bauamt Freising, der die Planung vorstellte. Zusätzliche Verkehrsbeeinträchtigungen sind 2020 bis 2022 zu erwarten, wenn die Staatsstraße 2053 von der Isar zur Kreisstraße M3 unter Verkehr vierspurig ausgebaut wird. Auch die Auffahrt zur Autobahn A9 soll vierspurig werden. „Sonst hätte man nur eine Stauverlegung“, warnt Kemmelmeyer.

Druck der Unternehmen war ein wichtiger Faktor

Ein wichtiger Schachzug für den Durchbruch war, dass der Bürgermeister sich gemeinsam mit den großen Unternehmen vor Ort zu der Initiative „Mea Future“ zusammengeschlossen hatte. Er sei als Bürgermeister nicht nur für die 11500 Einwohner verantwortlich, sagte Kemmelmeyer, sondern auch für die 20 000 Beschäftigten, die in Unterföhring arbeiten. „Dass die Unternehmen Druck gemacht haben, war ein sehr wichtiger Faktor.“ Nach einer Pressekonferenz im Rathaus kam Bewegung in die Sache. Teilgenommen hatten Vertreter von ProSiebenSat1, der Allianz AG, Sky, Vodafone und HD Plus. Kurz darauf bekam Kemmelmeyer den Termin im Innenministerium und anschließend bei Oberbürgermeister Reiter.

Verbesserung bei der S-Bahn: Mehr Langzüge ab 2018

Auch bei der S-Bahn sei eine Verbesserung in Sicht, versprach Herrmann gestern. Der Freistaat habe Triebwagen gekauft. Ab 2018 werden die Züge der häufig überfüllten S8 als Langzüge geführt, und zwar werktags zwischen sechs und 21 Uhr.

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