MVG-Mieträder an der Leinthaler Brücke in Unterföhring.
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Im Landkreis dürfen die Räder nur an den Stationen zurückgegeben werden.

Bilanz nach mehr als einem Jahr

MVG-Mietradsystem im Landkreis – Was gut läuft und wo es noch holpert

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Seit mehr als einem Jahr gibt es die Mieträder der Münchner Verkehrs-Gesellschaft (MVG) auch im Landkreis, knapp 75 000 Mal wurden sie in den ersten zwölf Monaten bereits ausgeliehen. Über die Statistiken hinaus haben wir uns das MVG-Mietradsystem in mehreren Selbstversuchen genauer angeschaut. Was läuft gut, was nicht so sehr, wo lauern Tücken im Detail? Ein kleiner Überblick.

Gibt es das MVG-Mietrad überall im Landkreis München?

Nein. Von den 29 Landkreis-Kommunen haben sich 21 dem Mietradsystem angeschlossen, acht Gemeinden machen nicht mit: Baierbrunn, Grasbrunn, Hohenbrunn, Ottobrunn, Putzbrunn, Sauerlach, Schäftlarn und Straßlach-Dingharting. Rund 4000 der silber-blauen Fahrräder stehen insgesamt in Stadt und Landkreis zur Verfügung, davon etwa 1200 an den über 160 MVG-Stationen im Landkreis – das Netz wird sukzessive erweitert.

Was kostet es, ein MVG-Rad zu mieten?

Die MVG hat ihre Preisstruktur inzwischen überarbeitet und bietet jetzt drei Modelle an: die Einzelnutzung, ein Prepaid-Angebot oder Monatspakete. Die Fahrzeit wird jeweils minutengenau erfasst und abgerechnet. Bei der Einzelnutzung werden pro Minute acht Cent fällig (Ermäßigung für IsarCard-Inhaber und Studenten: fünf Cent). Der maximale Tagespreis beträgt, ebenso wie beim Prepaid-Verfahren, zwölf Euro. Im Prepaid-Angebot gibt es 500 Minuten für 25 und 1000 Minuten für 35 Euro (ermäßigt: 20 und 30 Euro). Die dritte Variante sind Monats-Pakete. Sie kosten acht Euro (ein Monat), 16 Euro (zwei Monate), 24 Euro (sechs Monate) oder 36 Euro (zwölf Monate). Pro Tag sind 30 Freiminuten inkludiert, danach werden fünf Cent pro Minute berechnet; maximaler Tagespreis: 10,50 Euro.

Wie erfolgen Ausleihe und Bezahlung?

Zuerst muss die App „MVG More“ aufs Smartphone geladen werden. Eine einmalige Registrierung ist nötig – hier wird auch das Zahlungsmittel (beispielsweise Kreditkarte) gespeichert. In der App zeigt eine Karte an, wo sich die nächsten MVG-Räder befinden. Hat man ein Fahrrad ausgewählt, wird über die App ein mehrstelliger PIN-Code übermittelt, der am Bordcomputer (über dem Hinterrad) eingetippt wird – dadurch lässt sich das Radl entsperren, die Fahrt kann beginnen.

Wie wird die Fahrt beendet?

Am einfachsten ist es, das Mietrad an einer offiziellen MVG-Station abzustellen: Vorderrad einrasten, am Bordcomputer „Fahrt beenden“ drücken, fertig. Wird das Fahrrad jenseits einer MVG-Station abgestellt, zum Beispiel auf der Straße oder vor dem Supermarkt: mit dem schwarzen Schlauch am Vorderrad abschließen und ebenfalls über den Bordcomputer die Fahrt beenden. In der App werden nun Fahrtdauer und Kosten angezeigt.

Wofür gibt es Freiminuten?

Belohnt wird, wer das Fahrrad nicht irgendwo in der Gegend, sondern an einer MVG-Mietradstation abstellt. Dafür werden bis zu zehn Freiminuten als Bonus für die aktuelle Nutzung gutgeschrieben. Diese Regelung gilt allerdings nur im Stadtgebiet München, nicht aber im Landkreis. Wer also von Unter- nach Oberföhring radelt, kann sich einen Bonus sichern – umgekehrt funktioniert das nicht.

Ist das freie Abstellen, das sogenannte „Free-Float-System“, überall erlaubt?

Nein, und dies ist ein ganz entscheidender Punkt für die MVG-Rad-Nutzung im Landkreis! Als „Rückgabegebiet“, in dem ein freies Abstellen zulässig ist (quasi überall, sofern gut sichtbar), hat die MVG ziemlich genau das Stadtgebiet München definiert. Für den Landkreis München indes gilt gemäß AGB und Preistabelle: Der Nutzer ist „verpflichtet, das MVG-Rad an einer MVG Radstation zurückzugeben“ (ist die voll belegt, darf das Rad „in unmittelbarer Nähe“ der Station zurückgegeben werden).

Was passiert, wenn man das Rad „falsch zurückgibt“?

Das freie Abstellen im Landkreis wird vielfach praktiziert, ist aber eigentlich verboten. Und das kann teuer werden: Für falsch geparkte Mieträder berechnet die MVG nämlich eine Aufwandsentschädigung gemäß aktueller Preistabelle. In der Einführungsphase lag diese bei zehn Euro plus ein Euro pro Kilometer zur nächsten MVG-Station; mittlerweile erhebt die MVG für derlei „Rückführungen“ eine Pauschale von 20 Euro. „Es ist einfach unsolidarisch gegenüber der Masse der Nutzer, wenn jemand das Radl bei einem Ausflug fernab in der grünen Wiese abstellt“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte zu dieser Sanktion.

Wie streng wird das „falsche Abstellen“ sanktioniert?

„Wir gehen mit Augenmaß vor“, sagt Korte. Wer beispielsweise von Unterhaching nach Ottobrunn radelt, dort das MVG-Bike für einen Veranstaltungsbesuch im Wolf-Ferrari-Haus abstellt und nach zwei Stunden weiterradelt zum S-Bahnhof Neubiberg, verstößt streng genommen gegen die Vorschriften: Ottobrunn gehört gar nicht zum MVG-Radlgebiet. Hier wird aber eher ein Auge zugedrückt als bei den MVG-Rädern, die Feierlustige nach einer Outdoor-Party an der Isar oder im Wald stehenlassen.

Was ist die reguläre Alternative?

Wer das MVG-Rad zum Beispiel an einer der 17 Stationen in Garching ausleiht, damit zur Isar fährt, sich dort zwei Stunden in die Sonne legt und wieder zurück radelt, der darf das Radl für diese Pause offiziell nicht „abstellen“ im Sinne einer (irregulären) Rückgabe, sondern müsste es im „Park-Modus“ belassen – die Kosten laufen in diesem Zeitraum aber weiter, 120 Minuten mal acht Cent wären dann 9,60 Euro für die Isar-Pause; im Stadtgebiet München indes ginge das gratis (allerdings könnte einem auch jeder andere zahlende Kunde das Radl wegschnappen).

Ist angedacht, das „freie Abstellen“ vom Stadtgebiet auf den Landkreis zu erweitern?

Mit Ausnahme des Campus Garching betreibt die MVG ihr Mietradsystem im Landkreis ausschließlich stationsbasiert und will daran auch festhalten. Denn die Rückführung wild abgestellter Räder sei jenseits der dicht besiedelten Landeshauptstadt „hinsichtlich Zeit, Personal und damit Betriebskosten wesentlich aufwändiger“, erläutert der MVG-Sprecher: „Eine Ausweitung des Rückgabegebiets auf den Landkreis München ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich.“ Genau für diese Ausweitung macht sich jetzt aber eine Allianz der Bürgermeister im nördlichen Landkreis stark.

Gibt es Ausschlusskriterien für die Nutzung?

Aus Haftungs- und Sicherheitsgründen sind in den AGB „personenbezogene Voraussetzungen“ geregelt. Die Körpergröße darf demnach nicht unter 1,50 und nicht über zwei Metern liegen, das Körpergewicht muss unter 125 Kilo liegen. Verboten sind ferner entgeltliche Weitervermietung, das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, die Radl-Nutzung bei starkem Wind oder Unwetter gemäß Warnungen des Deutschen Wetterdienstes oder die Teilnahme an Fahrradrennen.

Kann eine Person mehrere Räder mieten, zum Beispiel für die Familie?

Nein, pro Account kann über die App nur ein Rad gemietet werden – unpraktisch für Familien mit Kindern (sofern über 1,50 Meter groß), da sich jeder einzeln registrieren müsste. In London beispielsweise funktioniert es anders: Ein Nutzer kann dort bis zu vier Räder gleichzeitig mieten. Seitens der MVG heißt es, solch eine Mehrfachnutzung sei „in Prüfung“.

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