„Völlig aus der Zeit gefallen“

„Germany‘s next Topmodel“-Finale: Protest vor ProSieben-Zentrale - Sender versteht Kritik nicht

Von Laura Felbinger

Scharfe Kritik an der Show von Heidi Klum: Aktivistinnen fordern, dass die ProSieben-Modellsuche abgesetzt wird.

Aktivistinnen protestieren vor dem Finale von „Germany‘s Topmodel“. ProSieben soll die Show absetzen, fordern sie. Der Sender kontert.

München - Alex Mariah Peter (23) wurde als Mann geboren, Romina Palm (21) ist nur 1,68 Meter groß, Dascha Carriero (21) ist kurvig und Soulin Omar (20) ist aus Syrien geflohen: Noch nie waren die Finalistinnen der Casting-Show Germany’s Next Topmodel (GNTM) so unterschiedlich. Die jüngste Staffel des ProSieben-Formats, die am Donnerstagabend endete (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe), hat sich das Motto Diversität auf die Fahnen geschrieben. Aber reicht das – und ist die Model-Show noch zeitgemäß? Eine Gruppe Aktivistinnen bezweifelt das. Am Donnerstag haben rund 15 Frauen vor der ProSieben-Zentrale in Unterföhring (Kreis München*) demonstriert.

Protest gegen „Germany‘s next Topmodel“: ProSieben soll Show absetzen - „Völlig aus der Zeit gefallen

„Wir ziehen uns aus, um weibliche Körper zu zeigen, die nicht vorgegebenen Maßen entsprechen“, sagt Eva Brunner (24). Die Rebellinnen fordern den Sender auf, die Heidi-Klum-Show abzusetzen. Denn: „Eine Castingshow, die Frauen ausschließlich nach äußeren Merkmalen bewertet, reproduziert einen gesellschaftlichen Blick auf Frauen, der völlig aus der Zeit gefallen ist“, moniert Brunner. Daran ändere auch die Diversität nichts, auf die sich ProSieben beruft.

Ex-GNTM-Kandidatin versteht Kritik nicht: „Viele verschiedene Charaktere vertreten“

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Eine, die selbst Teilnehmerin bei GNTM war, ist Nadine Wimmer (22). Die Kritik der Aktivistinnen kann sie nicht nachvollziehen. „Die Zeit bei GNTM war eine der schönsten Zeiten meines Lebens“, sagt sie zu unserer Zeitung. Bei der Show gehe es nicht nur ums Aussehen: „In dieser Staffel sowie in meiner 2020 sieht man sehr gut, wie viele verschiedene Charaktere vertreten sind.“

ProSieben reagiert gereizt auf Anti-GNTM-Demo vor Finale: „In keiner Weise mit der Show auseinandergesetzt“

Und was sagt der Sender selbst zur Demo? „Wie es scheint, haben sich die Aktivistinnen in keiner Weise mit der Show auseinandergesetzt. Wenn sie das getan hätten, hätten sie gesehen, dass wir in diesem Jahr so divers wie noch nie sind. Im Finale standen vier junge Frauen mit ganz unterschiedlichen Kleider- und Körpergrößen“, so GNTM-Sprecherin Tina Land.

Gabriele Nuß von der städtischen Gleichstellungsstelle für Frauen sieht das anders. Sie sagt: „Die Medienlandschaft unterstützt Geschlechtergleichstellung mit intelligenten, nicht stereotypen Formaten effizienter und zukunftsorientierter als mit regelmäßiger Wiederholung alter Zuschreibungen, die Frauen eingrenzen.“ (Laura Felbinger) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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