Engagiert für den Ort und seine Vereine: Kurt Losert (83) und Bürgermeister Franz Schwarz. Foto: Michalek

Unterföhringer Bürgermedaille für Kurt Losert

Unterföhring - Nach Vertreibung und Kriegsgefangenschaft kam Kurt Losert als Heimatloser und Fremder nach Unterföhring.

Hier war der Ort wo er ganz neu anfing, arbeitete, lebte und seine Familie gründete. Er schloss sich mehreren Vereinen an, baute in nachbarschaftlicher Arbeit ein Haus und setzte sich über Jahrzehnte ehrenamtich ein. Für seinen Beitrag zum Unterföhringer Gemeinschaftsleben hat Bürgermeister Franz Schwarz dem 83-Jährigen am Donnerstag unter dem großen Applaus der Bürgerversammlung die Bürgermedaille verliehen.

Gerührt und ein bisschen aufgeregt trat Losert ans Rednerpult. Unter den buschigen Brauen blitzten seine Augen als er mit einem Scherz antwortete „Ich bin über 57 Jahre verheiratet, aber so ein Lob wie heute habe ich noch nie bekommen.“

Krieg und Vertreibung prägten seine Jugend und so waren es die Sudentendeutsche Landsmanschaft und der Krieger- und Soldatenverein, für die sich Losert an erster Stelle engagierte. 1927 wurde er in Tschirm, Kreis Troppau in Sudetenschlesien geboren, dem heutigen Tschechien. Mit 17 Jahren kam er zum Militärdienst und geriet in russische Gefangenschaft, aus der er 1948 entlassen wurde. „Danach hatte er keine richtige Heimat mehr“, berichtete Bürgermeister Schwarz in seiner Laudatio. Über verschiedene Stationen kam Kurt Losert dann nach Unterföhring, wo er bei der Bayernwerk AG Arbeit fand.

Bei der Landsmannschaft wurde Losert 1982 Mitglied, arbeitete im Vorstand mit und bestimmte die Ausrichtung des Vereins mit. In dieser Funktion setzte er sich 2009 dafür ein, dass bei der Pfarrvilla ein Gedenkstein aufgestellt wurde als Dank für die gute Aufnahme der Vertriebenen durch die Unterföhringer Bürger. „Dass dieser Gedenkstein in so prominenter Lage aufgestellt werden konnte“, sagte Losert gerührt“, „das ist eine hohe Auszeichnung der Gemeinde“.

Dem Krieger- und Soldatenverein trat Losert 1983 bei, ab 2000 war er neun Jahre Vorsitzender. Anschließend setzte er sich als Ehrenvorsitzender unter anderem dafür ein, dass das Kriegerdenkmal vom Pfarrfriedhof an seinen ursprünglichen Platz an der Pfarrvilla zurückkam.

Kommunalpolitisch interessiert saß Losert auch als Zuhörer in vielen Gemeinderatssitzungen. Doch vor allem sei er ein Familienmensch, wie der Bürgermeister hervorhob: „Seine Frau, seine beiden Kinder und seine Enkel bedeuten ihm sehr viel.“

Bekannt ist Kurt Losert auch für seine Kalligraphie: Karten, Plakate und Urkunden gestaltet er kunstvoll, ein Talent, das viele Vereine gerne in Anspruch nahmen. Beliebt ist er aber für seine Scherze. „Seine ernsten und auch die vielen humorvollen Beiträge bei Vereinsversammlungen haben viele von uns sehr genossen“, sagte Schwarz. Eine Kostprobe gab Losert nach der Ehrung: Urkunde, Medaille und Informationsbroschüren stopfte er in zwei Einkaufsbeutel, hielt sie hoch und sagte strahlend: „So reich beschenkt gehe ich heute nach Hause.“ Die Beutel trugen übrigens den Aufdruck „Unterföhring“ - Kurt Loserts zweite Heimat. Charlotte Borst

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