Unterföhringer erobern ihr Bürgerhaus

Unterföhring - Auf charmante Weise nimmt Unterföhring sein neues Bürgerhaus in Besitz. Das Hauseröffnungsspektakel feierte am Donnerstag Premiere und die Unterföhringer waren nicht nur Zuschauer, sondern auch selbst Akteure.

Witzig, ideensprühend und kompakt ist diese Unterföhringer Eigenproduktion mit Texten von Karl Valentin, die das Publikum mit Lachsalven und großem Applaus quittiert. Das Stationen-Theater ist eine dramaturgische Herausforderung an Regisseur Wolfgang Ramadan: In zwei Gruppen besichtigten die Besucher das fast fertige Bürgerhaus, eine Tour führte Wolfgang Ramadan an, die andere Claudia Fiedler von der Laienspielgruppe Unterföhring. Von der Tiefgarage bis zum Dach ziehen die Zuschauer durchs Haus. Baumaterial steht herum, von der Decke hängen Kabel. Doch für die edle Ausstattung können sich die Bürger trotz Baustellenflairs schon erwärmen. Und bis zur offiziellen Eröffnung am 23. September ist ja noch Zeit.

Sämtliche Räume werden besichtigt, und immer wieder treffen sich beide Gruppen punktgenau. Mal schlängeln sie sich - die eine treppauf, die andere treppab - auf der Wendeltreppe der neuen Bibliothek aneinander vorbei. Mal zieht mit musikalischem Trara die Blasmusik durch das Foyer zwischen beiden Gruppen hindurch. Johanna Schweikl marschiert, energisch die Trommel schlagend, vorneweg. Höhepunkt und Abschluss beider Touren ist der große Saal mit der beeindruckenden zehn Meter tiefen und fast ebenso hohen Hauptbühne. Hier finden sich die verdutzten Zuschauer auf der Bühne wieder und werden von den Darstellern, die im Zuschauerraum sitzen, begeistert beklatscht.

Orchesterprobe im neuen Bürgerhaus

Ähnliche Überraschungen passieren unentwegt: In einem Raum der Musikschule öffnet Ramadan die Einbauschränke. Darin stehen, sitzen oder kauern Akteure, die unverständlich murmelnd Texte einstudieren. Über die Kegelbahnen geistert ein Gespenst, dargestellt von Tänzerin Urte Gudian. Auf der Loggia schlägt den Besuchern der Geruch von Räucherstäbchen entgegen: Monika Manz trägt urkomisch den Valentin-Text „Manschi Pantschi“ vor, eine chinesisch klingende Wortspielerei, durchsetzt mit bayerischen Wortfetzen. Mit dem „Aquarium“ - ohne Löcher im Gegensatz zum Vogelkäfig „mit Löchern“, einem anderen Valentin-Text, erntet im Mietpartyraum Sigi Weingärtner von der Laienspielgruppe den nächsten Lacherfolg. Souverän und glänzend bringt er das absurde Stück auf den Punkt. Als „die totale Entdeckung“ bezeichnet ihn Ramadan. Die Begeisterung ist den Laien ebenso anzumerken wie dem Profi-Ensemble „Selberfremd“ um Gerd Lohmeyer. Sechs Monate haben die Akteure geprobt, viele Details eingebaut. Regieassistent Matthias Praxenthaler hielt die Fäden in der Hand, koordinierte die 100 Laien und Profis.

Das Stück war aber nicht nur eine dramaturgische Herausforderung für Wolfgang Ramadan, der bis März noch Kulturamtsleiter in Unterföhring war, sondern auch eine menschliche. Trotz seiner Enttäuschung über die gescheiterte Anstellung bei der Gemeinde lieferte er gemeinsam mit Bürgern, Vereinen und Profis eine bravouröse Leistung ab. „Die Leute sind so gut drauf“, schwärmt der Theatermacher: „Wir sind ein tolles Team und haben hier viel Spaß.“ Ein paar Worte zwischen den Zeilen erlaube er sich dennoch im letzten Satz des Stückes: „Der Mohr kann gehen. Der Humor bleibt bestehen.“

Überzeugt hat er bei der Premiere wohl alle: Die Unterföhringer Eigenproduktion setzt Valentin neu und zeitgemäß in Szene - und das vor der Kulisse eines modernen Bürgerhauses, das übrigens nur 100 Meter von der barocken Pfarrkirche St. Valentin entfernt liegt.

Weitere Termine:

Vorführungen am 24., 25., 29., 30, 31. Juli, 17.,18.,19. September, jeweils um 19 Uhr. Kartenbestellung: Tel. 950 81-264.

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