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Wo ist der Barcode an der Packung? Wolfgang Panzer gibt sein Bestes unter den Augen von Filialleiterin Petra Vollath.

Zugunsten der Feuerwehr

Bürgermeister Panzer spielt Kassierer im Supermarkt

Unterhaching - Hoch konzentriert und sichtlich überfordert sucht Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) die himmelblaue Monatspackung Windeln ab. Unermüdlich läuft das Kassenband weiter, da findet der Rathauschef den Barcode endlich und zieht das Plastikpaket über den Scanner. „Ping“, geschafft. „Sieht einfacher aus, als es ist“, stöhnt Panzer, während er die EC-Karte einer Kundin in den Schlitz des Lesegerätes fummelt.

Hinter der Frau wächst die Schlange im Drogeriemarkt DM im Kirchlandweg – zumindest an Kasse eins. Dort schiebt der Rathauschef Dienst, wenn auch nur eine Stunde lang: Alle Einnahmen, die Panzer zwischen 16 und 17 Uhr kassiert, fließen direkt an die Bürgerstiftung „Lebenswertes Unterhaching“. Die investiert das Geld in den Kauf von zwei neuen First-Responder-Fahrzeugen für die Freiwillige Feuerwehr.

„Nach über 2000 Einsätzen sind die langsam durch“, sagt der neue Kommandant Christian Albrecht. „Wir hoffen, dass wir das Geld bis August zusammen haben.“ Zwischen 80 000 und 90 000 Euro kosten die aufwendig ausgestatteten Autos zusammen, etwa die Hälfte hat die Stiftung bereits gesammelt.

Her mit den nächsten Puzzleteilen: Die Hälfte der Summe für die beiden Fahrzeuge, rund 45 000 Euro, ist zusammen.

Eine kuriose Aktion, „aber eine gute“, goutiert CSU-Fraktionschef Florian Riegel Panzers selbstlosen Einsatz für die gute Sache. Häme? Fehlanzeige. Warum auch: „Ums Geld wird es unserem Bürgermeister dabei nicht gehen“, sagt Riegel. „Sonst wäre er an der Kasse von Dallmayer oder Käfer besser aufgehoben.“ Das sieht Bernard Maidment eigentlich genauso. Einen kleinen Seitenhieb kann sich der Liberale aber nicht verkneifen: „Wenn uns nur ein Gewerbetreibender wegbricht, kann sich der Bürgermeister jeden Tag an die Kasse setzen.“

Spenden sammeln für die Feuerwehr? Das sei nicht unüblich, versichert Unterhachings langjähriger Kommandant Josef Gmeinwieser dem Münchner Merkur. Träger der Feuerwehren sind zwar die Kommunen, eine zusätzliche Finanzierung durch Beiträge von Fördervereinen, Spenden bei Sammelaktionen oder Einnahmen aus Veranstaltungen, sind jedoch. Bereits 2008 hatten Gmeinwieser und seine Kollegen die First-Responder mit Spendengeldern bezahlt.

Vom klammen Haushalt will auch Panzer nichts wissen. Der Kassierer der Stunde betont, dass sein Einsatz nichts mit seiner Arbeit in der Gemeinde zu tun hat. „Ich mache das als Vorsitzender der Bürgerstiftung.“ An der Feuerwehr zu sparen, kann man der Gemeinde tatsächlich nicht vorwerfen: Allein 800 000 Euro fließen in diesem Jahr in die Anschaffung einer neuen Drehleiter.

Ob es am Bürgermeister liegt oder an den Rabatten von DM: der Parkplatz des Drogerie-Riesens platzt an Panzers Einsatz-Tag aus allen Nähten. Ewald Troll (78) zum Beispiel hat seinen Wocheneinkauf extra verschoben: „Ich bin seit 55 Jahren bei der Feuerwehr“, erklärt der Unterhachinger, der mit 36 Klopapierrollen und einer prall gefüllten Tüte im Einkaufswagen den Laden verlässt. „Das muss man unterstützen.“

Viele Unterhachinger sind freiwillig länger gestanden, haben gewartet ohne zu meckern. Mit einem Scheck über 4000 Euro und einem breiten Grinsen im Gesicht verlässt Panzer um 17 Uhr die Filiale. Ein Naturtalent vielleicht? Nicht wirklich: Rund 2500 Euro hat DM dazugegeben. std

Spendenkonto:

Wer die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching mit einer Spende für die First-Responder unterstützen möchte, überweist an folgende Bankverbindung: Bürgerstiftung Lebenswertes Unterhaching, Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg, Kontonummer: 22 12 06 38, BLZ: 70250150, Verwendungszweck: Feuerwehr. Die First Responder helfen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und Notarztes. Ziel ist die schnelle Erstversorgung.

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