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Liebesgrüße aus England: Thomas Jaeger, Vorsitzender des Städtepartnerschaftskreises Unterhaching, mit Whisky aus der englischen Partnerstadt Witney; 1992 signiert vom damaligen Außenminister Douglas Hurd.

Zum Brexit

"Eine schlimme Niederlage"

Unterhaching: Bye-bye Europa: Großbritannien verabschiedet sich aus der EU. Was denken die Menschen hierzulande über den Brexit? Wir haben Thomas Jaeger aus Unterhaching gefragt.

Bis heute hat Thomas Jaeger die Whiskyflasche nicht angerührt. Der edle Tropfen, damals schon zwölf Jahre gereift, ist dem Vorsitzenden des Städtepartnerschaftskreises Unterhaching 1992 in der englischen Partnerkommune Witney überreicht worden – vom damaligen Außenminister Douglas Hurd. „Wenn die Briten wieder in die EU eintreten, öffne ich die Flasche“, schmunzelt der 71-Jährige. Aber Spaß beiseite: „Für Europa ist das eine schlimme Niederlage. Wir wollten Europa aufbauen, gemeinsam Probleme lösen, uns gegen Wirtschaftsmächte wie die USA und Asien behaupten – und jetzt bricht einer der Großen weg.“ 

Apropos groß: „Es kann sein, dass aus ,Great Britain‘ jetzt nur noch ,Britain‘ wird“, glaubt der Unterhachinger. „Diejenigen, die jetzt jubeln, sind die eigentlichen Verlierer. Und ich bin überzeugt, dass all jene, die mit ihrer Stimme der EU einen Denkzettel verpassen wollten, das bitter bereuen werden.“ Seine europafreundliche Haltung tat der Unterhachinger Ehrenbürger sogar in den britischen Medien kund: Zwei Reporter der Tageszeitung „Sun“ aus London hatten Jaeger vor dem Referendum für ein Interview besucht. Und gehörig gestaunt, als der 71-Jährige den englischen Journalisten unter anderen die Traglufthalle und den hiesigen Umgang mit Flüchtlingen zeigte. 

Die Angst der Briten vor zu viel Zuwanderung kann Jaeger nicht recht nachvollziehen. Er verweist auf den Nutzen in der Praxis: Schon jetzt würden landwirtschaftliche Tätigkeiten im Vereinten Königreich überwiegend von Polen übernommen. „Es ist so traurig“, sagt Jaeger, „man kann wirklich keine Schadenfreude empfinden.“ Denn anders als Nicht-EU-Nationen wie Norwegen oder die Schweiz stünde Großbritannien wirtschaftlich wesentlich schlechter da. Mit der Partnerkommune Witney, aus der übrigens ebenso wie Douglas Hurd auch der nun scheidende Premierminister David Cameron stammt („Ich habe ihm schon die Hand geschüttelt“), werde Unterhaching weiterhin in engem Kontakt bleiben, so Jaeger: „Dort schauen sie über den Tellerrand hinaus, das ist wichtig. Falls wir für Besuche nun ein Visum brauchen, wäre das auch nicht tragisch.“ 

An eine Kettenreaktion glaubt der 71-Jährige übrigens nicht: „Nachahmer wird es nicht geben. Allerdings darf die EU keine Nachlässe gewähren, sondern muss hart bleiben, sonst wird das Austreten Mode.“Martin Becker

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