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Selten ein Umtausch: Irene Köhler berät in ihrer Unterhachinger Boutique „Akwa“ die Kunden lieber gründlich.

Nach Weihnachten

Gutscheine machen Umtausch überflüssig

Unterhaching - Trendwende im Einzelhandel: Nach Weihnachten wird in den Geschäften mehr gekauft als zurückgegeben

Es ist hektisch im „expert-Technomarkt“ in Unterhaching. Auf dem Parkplatz suchen die Autofahrer freie Stellplätze, im Laden drängen sich die Kunden durch die Gänge. Links und rechts stapeln sich CDs, DVDs und die neuesten Videospiele in den Regalen. In der Schlange an der Kasse warten Eltern mit ihren quengelnden Kindern an der Hand darauf, ihren Einkauf zu bezahlen. Entspanntes Bummeln zwischen den Jahren sieht anders aus. Der Ansturm auf die Geschäfte ist groß – auch in der Nach-Weihnachtszeit. Laut Alfred Schuler (52), Leiter des Elektro-Marktes, ändert sich das so schnell auch nicht: „Bis Heiligdreikönig geht das so weiter. Viele lösen jetzt ihre Geldgeschenke oder Geschenkkarten ein.“

Immer mehr Deutsche greifen zum Gutschein als Präsent unter dem Weihnachtsbaum. Denn so lassen sich unliebsame Überraschungen beim Beschenkten vermeiden und auch das große Umtauschen nach der Bescherung. Mit ihrem Weihnachtsgeschenk seien die meisten Menschen zufrieden. Höchstens fünf Prozent der Geschenke würden umgetauscht, sagte Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern der Deutschen Presse-Agentur in München, und begründet das unter anderem mit der wachsenden Zahl an Geschenkgutscheinen. 

Doch die Meinungen über diese gehen durchaus auseinander: „Ich halte überhaupt nichts von Gutscheinen – das ist einfallslos“, findet etwa Tobias Vogel (44) aus Oberhaching. „Man verschenkt doch etwas, um jemanden eine Freude zu bereiten und nicht um einen bestimmten Wert auszudrücken.“ Kleinere, persönliche Geschenke seien ihm lieber als eine Geschenkkarte. Dazu müsste man sich jedoch Gedanken über das passende Geschenk machen und dazu seien viele Leute nicht mehr bereit. Anders sieht das Merouane Chachoua (40) aus Unterhaching. Für ihn bedeuten Gutscheine ein „Stück Freiheit und Flexibilität“. Der Beschenkte könne sich etwas aussuchen, was er wirklich braucht, und vor allem, was ihm wirklich gefällt. Allerdings eigne sich das dann doch eher für Leute, die man nicht so gut kennt, und „vielleicht nicht gerade für die Partnerin oder die Mutter“. Und man vermeidet auf diese Weise natürlich Fehlgriffe und die damit verbundene Enttäuschung an Heiligabend. Ein Risiko, dem Robert Gruber aus Fahrenzhausen (Landkreis Freising) so gut wie nie ausgesetzt ist, wie er stolz erzählt. Seinen Neffen schenke er durchaus einmal einen Gutschein, „die finden selbst etwas, wofür sie es ausgeben können“. Bei seiner Frau Angelika liege er aber meistens richtig mit einem Geschenk. Die bestätigt das mit einem zustimmenden Nicken. „In der Regel tausche ich nichts um und ich kann mich auch nicht erinnern, wann wir das letzte Mal etwas zurückgegeben haben.“ Eine Entwicklung, die Alfred Schuler vom „Technomarkt“ bestätigt. Einen Anstieg der Rückgaben nach Weihnachten verzeichnet er nicht. Der Mythos vom Umtausch-Ansturm nach Weihnachten hat sich wohl überlebt.

 Als eine Ursache dafür sieht Hartmut Stimm (60), Verkäufer bei „Sport Sperk“ in Ottobrunn, unter anderem im veränderten Kaufverhalten der Kunden, die sich vorab intensiver über das Produkt informieren und beraten ließen. Nach wie vor tauschen die Kunden gerade kurz nach Weihnachten zwar einiges um, das Umtauschverhalten sei allerdings nicht mehr so extrem wie früher. Mittlerweile sei viel häufiger die falsche Größe oder Farbe der Grund als das grundsätzliche Nichtgefallen, pflichtet ihm seine Kollegin Katrin Henkel (57) bei. Auch Irene Köhler (57) verzeichnet in ihrer Boutique „Akwa“ in Unterhaching selten Umtäusche der Kategorie „voll daneben“, wie sie es nennt. Wenn etwas nicht passt oder nicht gefällt, tausche sie es gerne um, allerdings nur gegen einen Gutschein oder Ware. Denn: „Ich bin nicht verpflichtet, die Ware zurückzunehmen. Das ist reine Kulanz.“

Florian Prommer

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