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Große Auswahl: Manchmal kauft Manuela Bix (57) im Hachinger Bioladen nur einen Apfel.

Wie eine "kleine Familie"

Das macht die Unterhachinger Ortsmitte lebenswert

Unterhaching - Manuela Bix hat Multiple Sklerose. Aufgrund der Nervenkrankheit ist sie nur wenig mobil. Doch in der Hachinger Ortsmitte bekommt die Rentnerin alles, was sie braucht und pflegt dort auch soziale Kontakte.

Wenn Manuela Bix mit ihrem Rollator durch die Fußgängerzone bummelt, ist das meistens amüsant für die 57-Jährige, immer aber unterhaltsam. Sie trifft Bekannte, fängt hier ein „Hallo“ auf, bleibt dort für einen Ratsch stehen, steuert Läden und Restaurants an. „Meine Fixpunkte“, sagt sie und kreuzt von ihrer Wohnung in der Münchner Straße über den Bahnhofsweg zum Rathausplatz. Manuela Bix kennt viele Nachbarn, ist mit den Ladenbesitzern per Du – liebt die Kontakte in ihrem direkten Umfeld und pflegt sie täglich. Vor allem seit sie Rentnerin ist. „Ich habe nicht mehr diese Mobilität, die ich mal hatte.“ Manuela Bix hat Multiple Sklerose. 

Sie war Dolmetscherin, spricht Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch, arbeitete in einem Verlag und später bei der Schweizer Rückversicherung Swiss Re in Unterföhring. „Ich war auch einmal sportlich und bin mit dem Auto in die Firma gerast. Jetzt habe ich nicht mehr das Bedürfnis, nach München zu fahren. Ich habe hier alles.“ Manuela Bix sagt das nicht wehmütig, sondern richtig begeistert. „Ich hänge an Unterhaching!“ Sie lächelt strahlend durch ihre rote Brille aus sprühenden braunen Augen, „es ist so menschlich hier“. 

Da gibt es den Bioladen von Robert und Christine Schleißner, „da ist so eine heitere Stimmung“. Sie schätzt die Qualität, die der kleine Laden auf wenigen Quadratmetern mit unzähligen Produkten bietet. „Die Schleißners sind unglaublich kompetent“, täglich kauft Manuela Bix im Bioladen ein, „manchmal nur einen Apfel, das geht dort auch“, sagt sie. „Herr Schleißner kann mir von jedem Produkt die Inhaltsstoffe erklären, seine Frau gibt mir Tipps, wie ich etwas zubereite.“ Neulich war es das Rezept für einen Zwiebelkuchen aus Quark-Öl-Teig. Unterhaching? Von der Gemeinde hatte Manuela Bix nie gehört, bevor sie 1988 in der Münchner Straße eine Wohnung bezog. „Damals war die S-Bahn noch eingleisig und die neue Ortsmitte im Bau.“ 

Dass das „so überschaubar“ ist, gefällt der gebürtigen Baden-Württembergerin, die in der Kleinstadt Messkirch aufgewachsen ist. Da gibt es das Althaching – „eine Institution“, „meine Friseurfreundin“, den neuen Imbiss „Trees“ mit köstlichen Smoothies und das italienische Restaurant „Barissimo“. „Es ist irgendwie eine kleine Familie.“ Und wenn die Kundin einmal ihr Geld vergessen hat, kein Problem: „Manuela!“, ruft Carmelo vom „Barissiomo“ charmant: „Fa niente!“ Das ist ihr Alltag im Unterhachinger Hier und Jetzt, bevor sie in ihre Wohnung im vierten Stock zurückkehrt.

Charlotte Borst

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