Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching
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Am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching mussten 111 Schüler in Quarantäne, weil eine Lehrerin sich mit dem Coronavirus infiziert hatte.

„Zwei Wochen Freiheitsentzug für gesunde Kinder“

Eltern entrüstet: 111 Schüler wegen Corona-infizierter Lehrerin in Quarantäne - Kollegium unterrichtet weiter

  • Martin Becker
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Nach der Corona-Infektion einer Lehrerin mussten sich am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching 111 Schüler für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Für das Kollegium galt das nicht.

  • Am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching mussten wegen einer Corona-Infektion einer Lehrerin 111 Schüler zwei Wochen in Quarantäne.
  • Das Kollegium hat unterdessen weitgehend weiter unterrichtet.
  • Eltern sind entrüstet und vermuten, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Unterhaching – Nein, betont Michaela Trinder, „das war keine Willkür“. Sinngemäß diesem Vorwurf sah sich die Direktorin des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching nach behördlich angeordneter Corona-Quarantäne für 111 Schüler ausgesetzt. Sie widerspricht auf Nachfrage des Münchner Merkur der Kritik einiger Eltern.

Der Corona-Fall, über den Michaela Trinder per Elternbrief informierte, hatte sich Ende September zugetragen. Eine Lehrerin wies typische Corona-Symptome auf, wurde fünf Tage später positiv getestet. Im Rahmen der Kontaktpersonenermittlung stufte das Gesundheitsamt des Landkreises 111 Schüler aus unterschiedlichen Klassen und Jahrgangsstufen als Kontaktpersonen der Kategorie eins ein: Das bedeutet automatisch 14 Tage Quarantäne.

Vater fragt wegen Corona-Quarantäne für Schüler: „Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?“

Was die Eltern nun wundert und wurmt: Lehrerkollegen, die mit der positiv Getesteten in engerem Kontakt gestanden hätten als die Schüler, hätten nach einem negativen Corona-Test „munter weiter unterrichten“ dürfen. „Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?“, fragt ein Vater in einem Brief an den Münchner Merkur. „Zwei Wochen Freiheitsentzug für diese gesunden Kinder stehen im krassen Gegensatz zu einem negativen Test bei den Lehrern, deren Risiko keineswegs geringer war.“

Die Direktorin schildert den Fall ein bisschen anders. Das Gesundheitsamt habe „einen minutiösen Bericht“ der infizierten Lehrerin angefordert über ihr Kontaktverhalten, beruflich und privat. „Es wurden viele Details berücksichtigt“, sagt Michaela Trinder und nennt Beispiele: „Wie eng war der Kontakt im Unterricht? Wurden Masken getragen beim Verteilen eines Arbeitsblattes? Wie war die Lüftungssituation?“ Dieser Prozess sei „nicht schnell und schon gar nicht vorschnell“ abgelaufen, und nicht das Gymnasium habe die Quarantäne verhängt („Wir sind ja nur Informationslieferant“), sondern die Behörde.

Lehrerin mit Coronavirus infiziert: Ein Lehrer muss nicht in Quarantäne - weil er in einem anderen Landkreis lebt

Was die Lehrer angeht: Zwei, die mit der Kollegin für längere Zeit im Aufenthaltsraum gesessen hatten, mussten in Quarantäne. Die wurde in einem Fall vorzeitig aufgehoben – weil der Lehrer in einem anderen Landkreis wohnt und dort andere Regeln gelten. Im Landkreis München mehr, woanders weniger streng? „Ganz schlüssig“, gibt Michaela Trinder zu, „ist das nicht.“

Michaela Trinder, Direktorin des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching.

Ein weiterer Kritikpunkt seitens einiger Eltern ist, dass gleich am ersten Tag nach der Quarantäne für alle zehnten Klassen ein schulinterner Jahrgangstest in Englisch geschrieben wurde. „Und das, obwohl zwei der Klassen in Quarantäne waren, während die beiden anderen Klassen Präsenz- statt Distanzunterricht genießen durften – wo bleiben da die vergleichbaren Voraussetzungen?“, fragen sich manche Eltern.

Der Online-Distanzunterricht, „der übrigens gut funktioniert“, sei in diesem Fall „kein Nachteil“ gewesen, erwidert Trinder: „Für diesen Test gab es keine gezielte kurzfristige Vorbereitung. Es ging vielmehr um die Abfrage von Grundkompetenz, die bis Ende der neunten Klasse vermittelt wurde.“

Kein Folgefall nach Corona-Infektion der Lehrerin in Unterhaching

Bleibt die Frage, wie sehr Corona den Schulalltag beeinträchtigt, wenn es für behördliche Quarantäne genügt, mit einer positiv getesteten Person für eine Schul- oder Kursstunde im gleichen Raum gewesen zu sein. „Das passiert ständig, sowohl auf Schüler- als auch auf Lehrerseite“, sagt die Direktorin. Sie findet aber: „14 Tage sind mit Distanzunterricht gut überbrückbar.“ Nach dem jüngsten Fall gab es übrigens keinen Folgefall. „Das spricht für unser Hygienekonzept“, sagt Michael Trinder. „Aber richtige Normalität an der Schule sieht anders aus.“

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