Die Flüchtlingsunterkunft wird erweitert.
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Die Flüchtlingsunterkunft wird erweitert.

Erweiterung der Unterkunft an der Hachinger Haid

Trotz Bedenken: Gemeinderat beschließt 116 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Die Flüchtlingsunterkunft an der Hachinger Haid in Unterhaching wird, trotz diverser Bedenken, nun definitiv um 116 Plätze erweitert. Dies hat jetzt der Gemeinderat beschlossen.

Unterhaching - Sabine Kohler, im Landratsamt Leiterin des Fachbereichs Flüchtlingsunterbringung, verwies darauf, dass der Landkreis mit derzeit 76 Prozent seine Quote gegenüber der Regierung von Oberbayern nicht erfülle. Rein rechnerisch gebe es zwar genug Platz, aber anerkannte Flüchtlinge fallen nach drei Jahren aus der Statistik heraus. Da sie sich oft auf dem freien Markt keine Wohnung leisten können, bleiben sie als sogenannte Fehlbeleger in den Asylbewerberunterkünften. Diesen Engpass soll in Unterhaching nun ein Erweiterungsbau ein wenig auflösen. „Wir wollen günstigen Wohnraum anbieten und Kinder so aus prekären Verhältnissen herausholen“, sagte die Vertreterin des Landratsamts. Ziel sei es, in einem Neubau südlich des alten Gebäudekomplexes vor allem Familien unterzubringen. Dabei gelte es, sagte Sabine Kohler, „Schwachstellen aus der bestehenden Unterkunft zu berücksichtigen“. Diese, 2015 in Betrieb genommen, sei mittlerweile „schwer renovierungsbedürftig“.

Ein Aspekt, der Julia Mittermeier (FWU) stutzen ließ: „Nach nur sechs Jahren schwer renovierungsbedürftig – uiii, was passiert denn da?“ Die Expertin aus dem Landratsamt erläuterte, dass „Containerduschen nicht auf einen so langen Nutzungszeitraum ausgelegt“ seien. Aber damals, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsströme, „haben wir jeden Strohhalm ergriffen, um die umfunktionierten Sporthallen wieder freizubekommen“. Mit einer derart langen Verweildauer habe man „nicht gerechnet“.

„Es gibt nicht mal ausreichend warmes Wasser für alle, weil die Leitungen so verkalkt sind.“ 

Claudia Köhler

Über die aktuellen Zustände berichtete Claudia Köhler (Grüne): „Es gibt nicht mal ausreichend warmes Wasser für alle, weil die Leitungen so verkalkt sind.“ Dass die neue Flüchtlingsunterkunft unmittelbar am Hachinger Bach und in einem potenziellen Überschwemmungsgebiet liegt, war schon in den Ausschüssen moniert worden. Sebastian Gier, für den Hochbau im Landratsamt zuständig, präsentierte im Gemeinderat aber eine Risikoprognose und erachtete das Vorhaben als in puncto Hochwasser vertretbar. Daran, dass der Standort alles andere als ideal ist, bestand dennoch kein Zweifel.

Bundeswehr-Areal wäre der Gemeinde lieber

Lieber würden Gemeinde und Landkreis auf dem Bundeswehr-Areal an der Biberger Straße bauen, wo schon die Traglufthallen standen. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) habe man intensiv verhandelt, verriet Sabine Kohler, „aber die haben uns zum 31. März einfach vom Gelände geschmissen“. Jetzt heißt es, die Bundeswehr wolle dort ihre Sportfördergruppe etablieren.

„Die BImA ist überhaupt nicht einsichtig, wir bekommen da keinen Fuß mehr rein“, sagte Sabine Kohler. Also bleibt’s bei der Hachinger Haid. Peter Wöstenbrink (SPD) erachtete die Gebäudelage dort „für einen Notfall und Feuerwehr-Einsatz als weiterhin ungünstig“. Korbinian Rausch (CSU) nannte den Ort „nicht perfekt, aber die eierlegende Wollmilchsau werden wir nicht finden“.

Über die Informationspolitik, „auch gegenüber dem Gemeinderat“, echauffierte sich Alfons Hofstetter (FWU): „Das finde ich nicht ganz korrekt. Und noch weniger, dass man die Anwohner überhaupt nicht informiert.“ Sabine Kohler entschuldigte dies „mit der Henne-Ei-Problematik“, es habe vorab keine Informationen geben können, „weil nichts klar war“. Nun ist das Projekt auf den Weg gebracht, die Flüchtlingschefin vom Landratsamt verspricht eine Info-Offensive: „Jetzt ist Feuer unterm Dach.“

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