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Die Lebenswege sind nicht vorgezeichnet: Direktorin Brigitte Grams-Loibl seziert ein Gedicht von Hölderin, dem Philhellenen. Im Unterhachinger Amphitheater keine schlechte Idee.

Gymnasium Unterhaching

Aufbruch in eine Zukunft voller Hoffnung

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Unter freiem Himmel haben die 133 Abiturienten am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching am Freitagabend ihre Abiturzeugnisse entgegennehmen können

Unterhaching – Die Schulleitung hatte sich trotz einer immer dunkler werdenden Wolkendecke dazu entschlossen, im Freilufttheater zu feiern – und war für diese Risikobereitschaft belohnt worden. Zwar machte der Wind den Schülern und Lehrern, die für die musikalische Umrahmung des Festakts sorgten, etwas zu schaffen, ansonsten zeigte sich die Witterung aber gnädig.

Weniger gnädig zeigten sich zwei der drei Abiturienten-Sprecher bei ihren Reden. Mit viel Humor, zum Teil aber auch recht kritisch fasste Moritz Baller die Erlebnisse dieses Abiturientenjahrgangs zusammen. Er erinnerte gleich zu Beginn seiner Rede an den beliebten Hausmeister Rolando Garcia, der vor zwei Jahren – zum Unverständnis vieler Gymnasiasten – entlassen worden war, nachdem er einen Schüler auf einem Mähtraktor hatte fahren lassen. „Leider und noch immer schwer nachvollziehbar hat ihm an Ende eine Rasenmäher-Fahrstunde seinen Job gekostet“, formulierte es Baller unter dem Jubel seiner Mitschüler.

Die von Schulleiterin Brigitte Grams-Loibl zuvor eigens erwähnten Erinnerungstassen für die Abiturienten bezeichnete er spöttisch als „Bildungstrophäen“ und stellte im Anschluss süffisant die Frage: „Wer braucht da schon Zeugnisse?“ Er nahm den hohen Anteil an Lehrerinnen an der Schule („Wir Jungs wollen doch auch nur Chancengleichheit“) ebenso aufs Korn wie den Leistungsdruck und den seiner Ansicht nach restriktiven Umgang der Schulleitung mit dem Thema „Hitzefrei“. Angesichts der fortwährenden Baustellen am Gymnasium zog er einen Vergleich zum Berliner Flughafen und stellte am Ende auch noch frech den Erziehungsauftrag der Lehrer infrage. Denn eigentlich, so Ballers Fazit, hätten ja die Schüler die Lehrer geformt: „Auch wenn’s nicht immer einfach mit ihnen war, mit ein bisschen Ausdauer haben wird sie schon hinbekommen.“

Nachdenklich dürfte viele Anna Wesselnys Abirede gestimmt haben. Ihren Abi-Jahrgang bezeichnete sie als „Jugend ohne Worte“, „vollgefüllt mit Zahlen, Noten und Werten“, dem Meinungen auferlegt werden. Den Wert einer Person machten in diesem Schulsystem nur die Noten und Punkte aus. Dabei seien Freundschaft, Toleranz und Liebe so viel wichtigere Werte. Ihre schonungslose Bilanz: „Zufriedenheit bleibt ein Wunsch, Freiheit eine Sehnsucht.“ Denn auch sie selbst sei Teil „der zur Perfektion konditionierten Maschinerie“.

Positiv fiel dagegen der Rückblick von Abiturient Florian Melber aus. Die Schulzeit sei alles in allem ein „sehr schöner Teil meines Lebens gewesen“, meinte er. Dort habe man enge Freundschaften geschlossen, sich als Person, als Mensch entwickelt und Toleranz, Eigenständigkeit und einen respektvollen Umgang miteinander gelernt.

Die Rede von Schulleiterin Grams-Loibl mag viele Schüler an vergangene Deutschstunden erinnert haben. Sie sezierte das Gedicht „Die Linien des Lebens“ von Friedrich Hölderlin und stellte dabei Verbindungen zu den Schulabgängern her. „Lebenswege sollen, dürfen, müssen verschieden sein“, betonte die Schulleiterin. Deshalb müssten sich die Abiturienten auch nicht untereinander vergleichen. Gleichzeitig erinnerte die Direktorin daran, dass die Schüler in einer Gesellschaft und Zeit leben würden, in denen die Lebenswege nicht vorgezeichnet sind, sondern viele Wege offen stehen. „Sie können aufbrechen in Ihre Zukunft. Sie müssen niemandem genügen“, so Grams-Loibl.

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