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Promille-Grenze: An dieser „Bierschutzmauer“ kam kein Lehrer im Auto vorbei, ohne dass er sich einer Schüler-Kontrolle unterzog.

Lise-Meitner-Gymnasium

Abi-Streich in Unterhaching: „Bierschutzmauer“ stoppt Lehrer

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Ob’s ein origineller Abistreich war, sei dahingestellt. Fleißig waren die Abiturienten vom Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching auf jeden Fall. In der Nacht zum Mittwoch versperrten sie nicht nur die Hauptzugänge zur Schule mit Spanplatten-Wänden, sondern errichteten aus Mörtel und 170 Ziegeln auch noch eine Mauer, sodass die Einfahrt in die Lehrergarage nicht mehr möglich war.

Protest-Schrift: Die Bildungsanstalt wird zur Jugendstrafanstalt. Die Schüler kritisieren damit nach eigener Aussage den Kontrollwahn an der Schule. 

Unterhaching – Die Lehrkräfte mussten sich, bevor sie ins Schulgebäude durften, Kontrollen unterziehen. Ein dezenter Hinweis der Abiturienten darauf, dass sie sich von der Schulleitung überwacht und in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen, wie einer der Hauptorganisatoren erläuterte: „Mit dem vollständig verschlossenen Gebäude, der Mauer, den Absperrungen, wollen wir den Kontrollwahn an der Schule darstellen.“ Dass sich die Schüler am Unterhachinger Gymnasium manchmal wie in einer Jugendstrafanstalt gefühlt haben, zeigten sie mit einer entsprechenden Aufschrift auf der Bretterwand. Viele Lehrer nahmen den „Mauerbau“ mit Humor, wie ein Abiturient berichtet. Einige Lehrkräfte sollen sich aber darüber beschwert haben, dass Schüler mit Wasserspritzpistolen auf ihre Autos zielten. Später am Vormittag klang der Abistreich mit einer Feier aus.

Direktorin: „Immer der ärgste Tag des Schuljahres“

„Das war in Ordnung“, kommentiert Schulleiterin Brigitte Grams-Loibl gegenüber dem Merkur die Aktion ihrer Schüler. Für sie sei der Tag des Abistreichs allerdings immer der ärgste Tag des Schuljahres, verrät sie: „Ich habe die Sorge, dass es ausufert oder einem Schüler etwas passiert.“ Aus Sicherheitsgründen hat sie vor drei Jahren – damals gab es am Unterhachinger Gymnasium eine Großbaustelle – beim Schulzweckverband durchgesetzt, dass ein privater Sicherheitsdienst in der Nacht vor dem Abistreich auf dem Schulgelände aufpasst, dass sich beim Feiern keiner ihrer Schützlinge in Gefahr begibt.

Sicherheitsdienst hält Wache

Auch in der Nacht zum Mittwoch hielten Mitglieder des Sicherheitsdienstes die Augen offen – und verständigten die Polizei, als sie Schüler unerlaubterweise im Schulhaus entdeckten. Während sich die herbeigerufenen Polizisten mit den Übeltätern beschäftigen, platzierten andere Abiturienten einen Zementsack unter den Streifenwagen, der laut Polizei aber keinen Schaden anrichtete. Ein vorlauter Schüler wurde – allerdings nur kurzzeitig – mit zur Inspektion genommen.  

So verlief der Abi-Streich an anderen Gymnasien im Landkreis

Schülern und Lehrern im Rahmen des Abistreiches den Zugang zum Gymnasium zu erschweren ist eine Idee, die auch heuer vielerorts aufgegriffen wurde. Wie Mathias Müller, Schulleiter desGymnasiums Oberhaching, erzählt, haben sich seine Abiturienten auf einer von einem Sprayer kunstvoll verzierten Spanplatte verewigt und diese vor dem Haupteingang platziert. Wer ins Gebäude wollte, musste durch einen Seiteneingang, an dem die Abiturienten Spalier standen und jeden bejubelten. Später gab es für die gesamte Schulfamilie ein Fest mit Spielen und viel Musik. Müllers Fazit: „Der Abistreich war wirklich gelungen.“

Mit Tischen, Bänken und anderem Schulmibiliar, aber auch großen Folien haben die Abiturienten des Otfried-Preußler-Gymnasiums in Pullach den Weg zum Schulgebäude versperrt. „Man musste teilweise kriechen“, erzählt Schulleiter Benno Fischbach. Aufgrund des Abistreichs fing der normale Unterricht etwas verspätet an, Fischbach war aber vor allem daran gelegen, dass die Schüler die am Tag des Abistreiches noch eine Schulaufgabe schreiben mussten, auch nicht gestört wurden. Deshalb war mit den Abiturienten einige Abmachungen getroffen wurden, an den sich die Schüler laut Fischbach auch hielten. 

AmGymnasium Höhenkirchen verzichten die Abiturienten nach Absprache mit der Schulleitung auf Barrikaden, dekorierten den Innenhof lediglich mit alten Arbeitsblättern. Der Abistreich fiel scheinbar aus. Während der 5. Stunde dann die Überraschung: Die Schüler werden zum Abistreich auf den Sportplatz gebracht. Dort wurde dann laut Schulleiterin Claudia Gantke „kurz, knackig und kreativ“ gefeiert.

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