Etwas surreal findet Peter Wolf die Leere im Hotel. Der Operations Manager schaut im ganzen Haus regelmäßig nach dem Rechten.
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Etwas surreal findet Peter Wolf die Leere im Hotel. Der Operations Manager schaut im ganzen Haus regelmäßig nach dem Rechten.

Das „Holiday Inn“ in Unterhaching im Dornröschenschlaf

Ganz allein im Hotel

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Normalerweise herrscht im „Holiday Inn“ in Unterhaching Hochbetrieb. Derzeit ist auf den Fluren nur ein Mann unterwegs.

Eines Tages, wenn neben dem sporadischen Besuch von Geschäftsreisenden auch wieder touristische Übernachtungen coronakonform sind, steht so manches Hotel vor der Frage: Wer beendet den Dornröschenschlaf? Im „Holiday Inn“ in Unterhaching, pandemiebedingt seit Monaten geschlossen, ist das Peter Wolf. Analog zum Kinofilm „Kevin allein zu Haus“ schmunzeln sie in Unterhaching: „Unser Kevin heißt Peter – und er ist immer wieder allein im Hotel“, sagt Geschäftsführer Uwe Schulze-Clewing. Ernst fügt er hinzu: „Bevor wir wieder öffnen, ist einiges zu erledigen – da geht es nicht nur um Staubwischen.“

Wie in dem Kinofilm von 1990 und im „Remake“ von 2020, als der kleine Kevin allein durchs Elternhaus in Chicago streift und es gegen Einbrecher verteidigt, fühlt sich bisweilen Peter Wolf. Der Operations Manager des Vier-Sterne-Hotels kommt sich in der Coronakrise eher wie ein Nachtwächter oder Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma vor, wenn er durch dunkle Gänge in leere, kühle Zimmer geht. Die Heizung: auf ein Minimum reduziert. Geräusche? Keine.

„Das ist surreal – und es tut auch weh“, sagt Peter Wolf. „Da das Haus nicht genutzt wird, fallen viele Schäden nur sehr schwer auf und einige Bereiche, die uns normalerweise keine Sorgen bereiten, stehen jetzt unter besonderer Beobachtung. Beispielsweise Wasserdurchlauf oder Heizung beispielsweise.“ So werden überall die Wasserhähne kurz aufgedreht, Toiletten gespült, Zimmer kurz gelüftet oder die Schließanlagen auf Funktionalität geprüft. „Da niemand im Haus ist, sind gerade auch die Feuermelder wichtig“, sagt Peter Wolf. Aber auch die Minibars müssen nach monatelangem Lockdown teils neu bestückt werden. „Einigen Soft-Getränken in Flaschen droht inzwischen das Ablaufdatum –wer hätte damit zu Beginn des Lockdowns im November gerechnet?“, sagt der Manager. Er heißt nicht Kevin, ist aber quasi der Frosch, der nach Corona-Dornröschenschlaf das Hotel wieder zum Leben erweckt.  

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