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Bierkisten stapeln sich auf dem Areal neben dem Friedhof.

Angehörige in Unterhaching entsetzt

"Partymeile" neben dem Friedhof

Unterhaching - Martha Walther ist entsetzt: Eine Partymeile neben dem Friedhof? Dort haben die Birker Burschen ihren Feststadl aufgestellt. Der passt nicht jedem.

Lose Bretter, Müllcontainer und zahllose Bierkisten: Der Anblick, der sich den Besuchern an der Südseite des Unterhachinger Friedhofs bietet, ist alles andere als schön.

Seit die Birker Burschen Unterhaching ihren „Feststadl“ zur Maibaumwache aufgestellt haben, häufen sich die Beschwerden. Die Hütte grenzt direkt an den Friedhof. Auch ein spärlicher Sichtschutz in Form von Bastmatten macht das Gesamtbild nicht besser.

Einige Friedhofsbesucher sind entsetzt. „Was sich hier abspielt, ist schlicht pietätlos“, sagte Martha Walther. Die 66-jährige Rentnerin kommt regelmäßig auf den Friedhof. Das Grab ihrer Mutter liegt in der ersten Reihe, direkt am Zaun, der die Gräber von der Fläche mit dem „Feststadl“ trennt. 

Nicht nur das „Gerümpel“ missfällt ihr. Auch der Lärm der Maibaumwachen störe die Totenruhe: „Eine Partymeile an diesem exponierten Platz ist empörend.“ Das Argument, dass auf der Glonner Wiese auch das Sonnwendfeuer im Juni stattfindet, lässt sie nicht gelten: „Dabei handelt es sich nur um eine Nacht, und dann ist wieder Ruhe.“ 

Mit ihrem Unmut stehe sie nicht allein, wie Walther erklärt. Auch viele andere Friedhofsbesucher hätten sich über den Standort der Hütte schon beschwert. 

Eine Aussage, die Franz Maier, Vorstand der Birker Burschen Unterhaching, nicht nachvollziehen kann: „Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Besucher des Friedhofs kämen sogar schon mal rüber auf einen kleinen Plausch. Eine Besucherin habe sie gebeten, mit einem Augenzwinkern, „ein Auge auf ihren leider bereits verstorbenen Ehemann zu werfen“, erzählt Maier. 

Simon Hötzl, Pressesprecher der Gemeinde Unterhaching, versucht zu beschwichtigen: „Die Hütte steht dort nur temporär bis zum 1. Mai.“ Was danach mit dem „Feststadl“ passiert, ist noch offen. Die planungsrechtliche Beurteilung durch den Gemeinderat steht aus. 

Martha Walther kann nur den Kopf schütteln, sollte die Hütte wirklich dort stehen bleiben; zumal die Glonner Wiese auch als Überschwemmungsgebiet für den Hachinger Bach ausgewiesen ist: „Im Prinzip gehört an diesen Platz keine Festhütte.“ 

Sollte der Fall der Fälle aber eintreten, wünscht sie sich zumindest eine Versetzung der Hütte in Richtung Oberweg: „Damit liegt sie nicht mehr direkt an den Gräbern.“ 

Die Burschen zeigten sich kompromissbereit. Zwar sei es nicht so leicht, die Hütte näher an die Straße zu setzen, aber man sei „nicht abgeneigt, nach dem 1. Mai etwas zu verändern“, sagt Maier. 

Vorwürfe will Martha Walther den Burschen nicht machen: „Sie brauchen einen Platz in der Gemeinde.“ Die Hütte selbst findet sie ansehnlich, lediglich das „Beiwerk“ sei unwürdig. Sie hätte sich einen anderen Ort für das neue Heim gewünscht, beispielsweise auf einem Grundstück der Gemeinde. „Mir sind keine öffentlichen Grundstücke bekannt, auf denen Platz für die Hütte gewesen wäre“, entgegnet Hötzl. „Wir haben fast ein dreiviertel Jahr geplant. Leider wurden sämtliche Vorschläge für einen anderen Standort von der Gemeinde abgelehnt oder waren nicht geeignet“, erklärt der Burschen-Vorstand. 

Franz Maier beruhigt aber die besorgten Besucher: „Bis auf die Hütte wird, wenn der Maibaum dann steht, alles wieder entfernt.“ Eine Möglichkeit wäre, einen natürlichen Sichtschutz zu errichten: „Das ist allerdings in den nächsten beiden Wochen nicht umsetzbar.“ Generell stimmen ihn solche Beschwerden traurig: „Wir wollen den Leuten keinen Ärger bereiten. Die Hütte soll ein Ort der Zusammenkunft sein.“ Man stehe besorgten Bürgern jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung, um einen Kompromiss zu finden.

Michael Hoffmann

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