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Der Lärm der A 995 belastet vor allem die Unterhachinger Bürger, aber auch die Taufkirchner und Oberhachinger. Die Gemeinde Unt erhaching erwägt nun eine Machbarkeitsstudie für eine eigene Lärmschutzwand. 

A 995

Streit um den Lärmschutz

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Ein Anwohner hat in Unterhaching die Gemeinde nachdrücklich aufgefordert, bis zu 15 Millionen Euro in eine Lärmschutzwand zu investieren.

Unterhaching– Die Ohren hat er voll (vom Autobahnlärm), die Nase auch (von angeblicher Untätigkeit der Kommune): Der Unterhachinger Andreas Ammersbach nutzte die Bürgerfrage-Viertelstunde im Gemeinderat, um vehement und teils am Rande der Sachlichkeit für eine Lärmschutzwand zu kämpfen.

Er könne nachts nicht mehr schlafen, der Autobahnlärm sei unerträglich: Das hatte Ammersbach schon im September moniert. Dass er vier Monate später immer noch keine Initiative seitens der Gemeinde erkennen könne, regte ihn jetzt hörbar auf.

Zumal ja alles, wie der Unterhachinger darlegte, ziemlich einfach sei. Das habe er mit 15 Minuten Zeitaufwand für eine E-Mail an die Autobahndirektion Südbayern herausgefunden. Die habe ihm prompt technische Daten, Lärmschutzwerte und sogar die voraussichtlichen Kosten für eine effektive Lärmschutzwand geliefert: zehn bis 15 Millionen Euro. „Dafür wird“, lautete des Anwohners simple Rechnung, „eine extrem große Gemeinde wie Unterhaching ja wohl ein Budget übrig haben.“

Die erste Reaktion: schallendes Gelächter der Kommunalpolitiker. Danach wurde der Ton ernster. Und deutlich schärfer.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) versuchte klarzumachen, dass für den Lärmschutz eigentlich die Autobahndirektion zuständig ist (laut deren Gutachten wiederum die Grenzwerte nicht überschritten sind). „Aus Gemeindesicht wäre eine Lärmschutzwand eine freiwillige Aufgabe“, sagte Panzer, „aber unsere Pflichtaufgaben haben Vorrang.“ Christine Helming (Grüne) sah es genauso: „Zehn bis 15 Millionen Euro sind illusorisch.“ Zum Vergleich: 2016 betrugen sämtliche Unterhachinger Ausgaben für Kinderbetreuung, Sporthallensanierung, sozialen Wohnungsbau oder Straßenunterhalt summiert 14,9 Millionen Euro. „Es gibt Investitionen, die sind wichtiger“, resümierte Helming. „Eine Lärmschutzwand steht nicht an Position eins.“

Als Ammersbach daraufhin erwiderte, all diese sozialen Belange seien ihm „relativ egal“ und er stehe zu einem „gewissen Egoismus“, da platzte manch einem im Rathaus der Kragen. Peter Wöstenbrink (SPD) schnaubte verächtlich: „Schnödes Partikularinteresse!“

Ungeachtet dieser Verbalscharmützel: Was passiert nun tatsächlich in puncto Lärmschutz? „Wir sind da dran“, sagte die neue SPD-Fraktionsvorsitzende Karin Radl unter Verweis auf die Haushaltsdebatte im Februar, in der es auch um Lärmschutz gehen werde. Schon im März 2016 hatte die SPD übrigens Lärmschutzmaßnahmen beantragt: unter anderem, ob eine Lärmschutzwand mit Solarpanelen realisierbar sei.

Diesen Antrag wiederholte jetzt sinngemäß Peter Hupfauer (FDP): Er forderte eine „Machbarkeitsstudie“. Die solle Aufschluss über die Kosten geben, dann sei alles „eine politische Frage“: Was will und kann Unterhaching freiwillig leisten? Auch CSU-Fraktionschef Richard Raiser sagte Unterstützung zu, schränkte aber zugleich ein: „Die Finanzierbarkeit muss gegeben sein.“

Eine Kleinigkeit am Rande streute Bürgermeister Panzer ein. Das Landratsamt habe mitgeteilt, dass es auf der A 995 tagsüber in Fahrtrichtung München bei 120 km/h als Tempolimit bleibe – in Fahrtrichtung Salzburg gilt diese Beschränkung aber nicht. „Warum das so ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen.“

Nun also soll ein Gutachten die Kosten verifizieren, die der Anwohner mit bis zu 15 Millionen Euro schon in den Raum gestellt, dabei aber die Finanzkraft der Gemeinde offenbar überschätzt hat. Ob wann was passiert? Es bleibt anzunehmen, dass der kritische Anwohner ein drittes Mal nachhaken wird.

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