Ein Asylsozialarbeiter informiert Geflüchtete in einer Beratungsstelle.
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Asylsozialberatung ist im Landkreis München ein wichtiges Hilfsangebot bei der Integration.

Neue Richtlinie verringert den Anteil des Freistaats

Landkreis hält an 26 Stellen für Asylberater fest

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der Landkreis springt mit mehr Eigenmitteln ein, um die Asylsozialberatung auf dem bisherigen Niveau zu gewährleisten. Der Freistaat reduziert seinen Anteil an den Personalkosten.

Landkreis – Anlaufstellen zur Alltagsbewältigung sind für Geflüchtete wichtig. Doch der Landkreis muss bei der Finanzierung der Asyl- und Migrationsberatung mit mehr Eigenmitteln einspringen. Der Freistaat zahlt nach der neuen Beratungs- und Integrationsrichtlinie (BIR) nicht mehr 80 Prozent, sondern seit Januar nur 70 Prozent der Personalkosten. Für Büromieten, Fortbildung und Dolmetscher gibt er keine Unterstützung.

26 Vollzeitstellen in den Wohlfahrtsverbänden

Der Landkreis München bietet Geflüchteten Beratung im laufenden Asylverfahren und auch danach. Sozialpädagogen stehen in Unterkünften bereit, machen Hausbesuche und helfen in Krisen und Konflikten. Der Landkreis arbeitet in der Asylsozialberatung mit Caritas, Innerer Mission, AWO und dem Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ zusammen. Derzeit gibt es 26 Vollzeitstellen.

Personalschlüssel wird im Landkreis München nicht gekürzt

Um den Personalschlüssel von 1:150 aufrechtzuerhalten, schießt der Landkreis für die 26 Vollzeitstellen rund 750 000 bis 850 000 Euro im Jahr 2021 zu. Für den dreijährigen Förderzeitraum bis 2023 ist mit 2,3 bis 2,6 Millionen zu rechnen. Einstimmig hat der Kreisausschuss diese Haushaltsmittel beschlossen.

Nicola Gerhardt (CSU) erwartet praxisnahe Hilfe, auch in der Pandemie

Der Asylsozialarbeit komme bei der Integration „eine elementare Bedeutung“ zu, sagte Nicola Gerhardt (CSU), es sei wichtig, sie weiter zu bezuschussen. Jedoch sehe sie aufgrund der Pandemie auch „Lücken“. Sie wünscht sich Hilfe beim Homeschooling und bei der Registrierung zum Impfen.

„Die Impf-Anmeldung ist eine typische Aufgabe der Asylsozialberatung“, stellte Walter Schuster fest, der den zuständigen Geschäftsbereich leitet. Dem steht Gerhardts Erfahrung entgegen: „Dort wurde mir gesagt, wir sind nicht zuständig, das ist nicht im Tätigkeitskatalog enthalten.“ Sie wünscht sich, dass die Tätigkeiten der externen Asylsozialberatung und der Integrationskoordinatoren im Landratsamt geklärt werden und frei werdenden Kapazitäten „einen Mehrwert“ bringen, schließlich würden ja immer mehr Geflüchtete inzwischen anerkannt sein, so falle weniger Betreuung an. Gerhardt, die Sprecherin des Garchingner Helferkreises ist, erwartet eine praxisnahe Unterstützung vor Ort. Landrat Christoph Göbel (CSU) sieht „Luft nach oben, wir sind nicht ausreichend besetzt, viele Stellen sind offen.“ Schuster kündigte einen Tätigkeitsbericht der Integrationskoordinatoren im Sozialausschuss an.

SPD-Fraktionsvorsitzender Florian Schardt kritisiert die Kostenverteilung in Richtung der Kommunen und bat um einen Vorher-Nachher-Vergleich: „Der Freistaat zahlte vorher 80 Prozent, und jetzt nach der neuen BIR nur noch 70 Prozent.“ Grünen-Sprecher Christoph Nadler wünscht sich einen Sachstandsbericht zum Integrationskonzept, „damit wir sehen, was bisher erreicht worden ist.“

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