Arbeiter schneiden Gehölze am Straßenrand zurück.
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Wenn der Baumanteil zu dicht wird, dünnen die Arbeiter im Auftrag des Staatlichen Bauamts die Gehölze aus, sodass wieder Licht bis zum Boden durchdringt und Pflanzen und Tiere nicht verdrängt werden.

Pflegemaßnahmen an den Straßen im Landkreis

Staatliches Bauamt erklärt: Darum müssen manchmal auch scheinbar gesunde Bäume gefällt werden

Das Staatliche Bauamt Freising betreut ein Straßennetz von rund 1300 Kilometern an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. In deren Randbereich sind gut 11 000 Bäume an den Straßen kartiert. Außerdem wachsen dort nahezu flächendeckend Sträucher und Büsche. Diese werden turnusmäßig alle drei bis fünf Jahre gepflegt. Doch wann und warum muss ein Baum gefällt werden? Das Staatliche Bauamt gibt einen Überblick zu den wichtigsten Fragen

Warum müssen Bäume gefällt und Gehölze entfernt werden?

Etwa, wenn die Gefahr besteht, dass ein Baum abstirbt oder umfällt und so zur Gefahr für Menschen, Grundstücke und Häuser oder den Straßenverkehr wird. Denn das Staatliche Bauamt ist für die Standsicherheit der Bäume verantwortlich, die auf den Grundstücken der von ihm betreuten Straßen wachsen. Auch wenn eine Straße ausgebaut oder ein neues Gebäude errichtet wird, müssen mitunter Bäume oder Sträucher weichen. Manchmal müssen auch Bäume gefällt werden, wenn ihre Wurzeln unterirdische Leitungen oder Bauwerke beschädigen.

Warum werden Straßenbäume gefällt?

Es gibt Baumkrankheiten, bei denen die Bäume bis zuletzt gesund aussehen. Tatsächlich können sie innen jedoch hohl oder morsch sein, oder die Wurzeln sind soweit geschädigt, dass sie den Baum kaum noch halten können. Andererseits können Bäume, die rein äußerlich Vitalitätsmängel zeigen, noch standsicher sein. Erfahrene Baumkontrolleure erkennen diese Schäden, die der Laie nicht einordnen kann. Alle Straßenbäume werden deshalb regelmäßig auf ihre Standsicherheit überprüft.

Wer entscheidet, ob ein Baum gefällt wird?

In erster Linie entscheiden die Fachleute des Staatlichen Bauamts Freising, welcher Baum gefällt werden muss. In bestimmten Fällen müssen sie sich dazu die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde einholen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Bäume im Zuge einer Straßenbaumaßnahme weichen müssen. Solche Baum- oder Gehölzverluste werden in der Regel durch Ersatzpflanzungen ausgeglichen.

Wann darf gefällt werden?

Erlaubt ist das Fällen von Bäumen und das Abschneiden von Gehölzen zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar. Das Bundesnaturschutzgesetz schützt in dieser Zeit nistende Vögel. Dann werden Schutzvorkehrungen für die Tiere getroffen und beispielsweise nur die Äste entfernt. Maßnahmen, die die Verkehrssicherheit betreffen, sind vom Fäll- und Schnittverbot ausgenommen.

Darf jeder Baum gefällt werden?

Wir fällen Bäume nur, wenn ein triftiger Grund vorliegt. Sind einzelne Bäume besonders groß und alt, sind sie mitunter als Naturdenkmal deklariert. Über das Naturschutzgesetz unterliegen sie dann einem besonderen Schutz. Doch auch an diesen Bäumen nehmen wir ab und an Pflegeschnitte vor. Unter Umständen müssen aber auch diese Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Bevor es dazu kommt, versuchen wir jedoch, den Baum durch oftmals auch gutachterlich festgelegte Baumpflegemaßnahmen möglichst lange zu erhalten.

Warum werden Bäume und Sträucher komplett entfernt?

In geschlossenen Gehölzbeständen an Straßen, die meist aus Sträuchern und Bäumen bestehen, kommt es vor, dass der Baumanteil etwa durch Samenanflug zu hoch und zu dicht wird. Der Bestand schießt in die Höhe, im Untergrund herrscht jedoch Lichtmangel. Die Bäume können sich nicht richtig entwickeln, Sträucher und lichtliebende Arten in Untergrund werden unterdrückt, der Bestand verkahlt im Untergrund und wird artenarm. Zu dichte Bestände von baumartig wachsenden Gehölzen werden deshalb ausgedünnt. Einzelne Bäume werden freigestellt, damit sich diese besser entwickeln und ein stabiles Grundgerüst bilden können.

Wie häufig schneiden werden die Gehölze zurückgeschnitten?

Gehölzpflegemaßnahmen sollen etwa alle 15 Jahre vorgenommen werden. Auf diese Weise werden sie verjüngt und entwickeln sich wieder zu einem dichten und stufig aufgebauten Bestand mit vielfältigen Strukturen. Die zurückgeschnittenen Gehölze sind in der Lage, aus den im Boden verbleibenden Wurzelstöcken wieder auszutreiben. Dadurch wird in den Hecken der Anteil an Sträuchern stabilisiert und gefördert. Wenn diese Pflege ausbleibt, beginnt die Strauchschicht der Heckenstruktur etwa durch Beschattung, Standortkonkurrenz und Überalterung zu verkahlen. Dies führt mittel- bis langfristig zu einer Abnahme der Strukturvielfalt des Gehölzes, die jedoch für die Tierwelt sehr bedeutsam ist..

Was passiert mit dem Schnittgut?

Ein geringer Teil des Holzes bleibt dort, wo der Baum gefällt wurde, wo es als Totholz oder zu Reisighaufen gestapelt Pilzen, Pflanzen, Insekten und Vögeln einen neuen Lebensraum bietet. Der größere Teil des Schnittgutes wird jedoch entfernt, damit sich die Bestände von selbst verjüngen und die im Boden verbliebenen Wurzelstöcke von Sträuchern wieder austreiben können. Das Schnittgut wird weiterverwertet und als gehäckselte Biomasse energetisch genutzt oder kommt als Holzwerkstoff zum Einsatz, zum Beispiel für Spanplatten. Einzelne Stämme nutzen die Schreinereien unserer Straßenmeistereien, um etwa Holzgeländer herzustellen.

Kann man Gehölzschnitt nicht nachts erledigen?

Den Gehölzschnitt nachts zu erledigen, ist sehr gefährlich, die Verletzungsgefahr für die Mitarbeiter der Straßenmeistereien wäre zu groß. Außerdem ließe sich nachts bei den schlechten Sichtverhältnissen die fachgerechte Pflege nicht sicherstellen. Um die Auswirkungen auf die Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten, vermeiden wir die Arbeiten so gut es geht im Berufsverkehr.

Was passiert nach der Gehölzpflege?

Auch dort, wo Gehölze auf Stock gesetzt, also Zentimeter über dem Boden gekappt werden, ist die Natur nicht zerstört. Vor allem für Insekten findet sich schon im Frühjahr nach dem Pflegeeinsatz ein neues Nahrungsangebot, da auf den gelichteten Flächen Blumen und Kräuter wachsen können, die im dichten Unterholz nicht gedeihen. Die Sträucher treiben zudem wieder aus und bieten einen Lebensraum für Vögel und Kleintiere.

mm

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