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Sehen Sie’s? – Das Titelmotiv für ihren Heimatkrimi hat Gertraud Schubert direkt vor der Haustür entdeckt. 

Viel Lokalbezug auf 162 Seiten

Baum fällt! So ist der neue Unterhaching-Krimi

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Der fünfte Unterhaching-Krimi ist auf dem Markt. Der Titel: „Wenn die Fichte fällt“. Darin finden Leser vertraute Figuren, politische Skandale und bekannte Ecken.

Unterhaching – Irgendeine überregionale Pointe sollte eingebaut werden. Am Anfang waren es Uli Hoeneß und seine Zeit im Gefängnis, später die Panama-Papers. Nette Ideen, alle inzwischen überholt und deshalb verworfen: Die Ibiza-Videos bekamen den Zuschlag. Was daran lag, „dass ich drei Jahre lang an dem Buch geschrieben habe“. Jetzt ist der fünfte Unterhaching-Krimi von Gertraud Schubert (70) endlich auf dem Markt. Der Titel: „Wenn die Fichte fällt“.

Die im Mai 2019 aufgetauchten Ibiza-Videos, die Österreich in eine Regierungskrise stürzten, seien nun „irgendwo in Unterhaching versteckt“, verrät die Autorin. Natürlich rein fiktiv. Was aktuelle Bezüge angeht: Da Gertraud Schubert seit vielen Jahren für die Grünen im Gemeinderat sitzt, liegt die Assoziation nahe, der Buchtitel sei ein indirekter Affront gegen CSU-Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger. „Nein, nein“, lacht die Autorin und beteuert: „Der Titel stand längst fest, bevor Frau Fichtinger ins Rampenlicht trat.“

Völlig unpolitisch ist der neue Unterhaching-Krimi natürlich, wie schon die vier Bücher zuvor, nicht. Beim Blick ins Detail wird der ortsansässige Leser die ein oder andere Regionalthematik entdecken wie Denkmalpflege oder Lärmschutz. Auch sonst steckt viel Lokalbezug in den 162 Seiten. „Mich sprechen dauernd Leute an“, erzählt die 70-Jährige. „Frau Schubert, Sie müssen etwas übers Schwimmbad schreiben! Oder übers Bürgerfest!“

Wer sich in Unterhaching auskennt, dem werden sich beim Lesen spontan Bilder im Kopf aufbauen. Das Piratenschiff im Schwimmbad, wo der kleine Thomas sich versteckt; das „Holiday Inn“ am Grünwalder Weg, wo der ominöse Daniel logiert; das bierselige Schwanken beim Bürgerfest, bei dem der Unterschied zwischen Bayern und Russen verschwimmt.

Einiges, was Gertraud Schubert in den drei Jahren geschrieben hat, bekommt indes niemand zu lesen. „Ich musste mich von einigen sehr schönen Szenen trennen“, erläutert sie ihr Dilemma. Denn ihr Mann Klaus-Peter, „mein hervorragender und kritischer Lektor“, habe immer wieder Logik-Lücken entdeckt: „Da ist ein Gedankensprung, da fehlt ein Stück.“ Oder eins ist zuviel. Also raus damit, bei aller Liebe zum schon Verfassten.

Bei den Charakteren setzt Gertraud Schubert – neben ein paar Neuzugängen – auf bewährte Figuren. Natürlich auf Anja in der ewigen Hauptrolle, auf ihren Gspusi Peter, au die graue Stiftungs-Eminenz Regine Oberschall und auf Hermann, den verträumten Landstreicher. „In jeder Figur steckt auch ein bisschen etwas von mir drin“, sagt Gertraud Schubert. Ihr „grünes Gewissen“ hat sie der Anja einverleibt.

Dass von der ersten Idee bis zur Fertigstellung drei Jahren vergingen, begründet die Hobby-Autorin (eigentlich ist sie ja Mathematik-Lehrerin) mit ihrem Arbeitsstil: „Ich bin keine Schriftstellerin, die morgens um acht Uhr am Schreibtisch sitzt und bis mittags in die Tasten haut. Ein fixer Abgabetermin würde mich total blockieren – immer, wenn mir ein Gedanke kam, habe ich mich hingesetzt und losgeschrieben.“

Nach „Querpass ins Aus“ (2004), „Tief reicht der Kies“ (2006), „Am Fuß der Treppe“ (2008) und „B4U“ (2012) jetzt also der fünfte Unterhaching-Krimi; zwischenzeitlich hatte Gertraud Schubert einen Oberbayern-Krimi („Dies Irae“) und eine Dokumentation über den Hachinger Bach geschrieben, sich zudem im Unterhachinger Schreibkreis mit monatlichen Aufgaben engagiert. Bei der Vorstellung, sie habe als Autorin Reichtümer anhäufen können, bricht die Unterhachingerin in herzhaftes Lachen aus. „Ich bin froh, wenn ich am Ende auf Null komme“, rechnet sie vor. Von den 6,99 Euro Verkaufsgebühr pro Krimi erhalte sie nur 80 Cent, viele Bücher verschenke sie auch im Bekanntenkreis. Was ihr viel wichtiger ist als ein bisschen Verdienst: „Ich schreibe einfach gern – und habe etwas zum Vorweisen.“

Übrigens, beim Buchcover hat es sich Gertraud Schubert relativ einfach gemacht: Die Fichte, die auf Seite 108 fällt, gibt es wirklich – sie steht (unverändert fest verwurzelt) in der Grünau, die Autorin hat das Titelfoto von ihrer Haustür aus geschossen.

Der Krimi

„Wenn die Fichte fällt“ kostet 6,99 Euro (E-Book 1,49 Euro) und ist erhältlich in der Unterhachinger Buchhandlung „Helming & Heuser“ oder per Einzelbestellung als „Book on Demand“ (www.bod.de).

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