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„Schwoam mas obe“: Hachinger lud zu seiner eigenen Beerdigung ein

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Von: Martin Becker

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Klaus Schwed war von tiefer Religiosität geprägt.
Klaus Schwed war von tiefer Religiosität geprägt. © Privat

Klaus Schwed, in Unterhachinger Kirchenkreisen vielen durch sein jahrzehntelanges Engagement bekannt, hat sich in sehr berührender Weise seinem Schicksal ergeben.

Unterhaching – Irgendwann kam der Punkt, an dem die Hoffnung auf ein Wunder schwand. Und es galt, der Realität ins Auge zu sehen: dem nahenden Tod. Noch vor seinem Tod, in der Endphase einer unheilbaren Krebserkrankung, hat Klaus Schwed sich mit einer E-Mail und einem Brief von Familie und Freunden verabschiedet. An diesem Donnerstag wird der Unterhachinger, der 70 Jahre alt geworden ist, beigesetzt.

„Jetzt scheint es für mich an der Zeit, wirklich loszulassen, woran ich hänge, aber auch das, was an mir hängt“, schrieb Klaus Schwed aus der Klinik heraus in einem „Gruß an alle, denen ich mich verbunden fühle“. Damals konnte eine geplante Operation nicht mehr durchgeführt werden, es sei „ärztlicherseits nicht mehr mit Heilung zu rechnen“.

Todkranker schreibt Abschieds-Mail aus dem Krankenhaus

Ein Todesurteil also, mit dem Klaus Schwed offen umging und auf diese Weise reagierte: „Ich lebe jetzt in der Spannung, dieses medizinische ,Urteil‘ anzunehmen und die mir verbleibende Zeit im und als Willen Gottes zu gestalten oder zu kämpfen in der festen Überzeugung, dass der Glaube Berge versetzen und Gott Wunder bewirken kann.“

Diese Zitate stammen aus der Abschieds-Mail, die Klaus Schwed zu Jahresbeginn aus dem Krankenhaus verschickte. Und in der das Gründungsmitglied der Unterhachinger Agenda 21 andeutete, dass ihm bewusst war, wohin sein Weg ihn führen werde: zu Gott, „bis hinein in seine Herrlichkeit“.

Der Glaube hat Klaus Schwed 70 Lebensjahre lang ungemein viel Kraft gegeben. „Er war sehr kritisch religiös, aber tief religiös“, beschreibt der frühere Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Alto, Winfried Brunner, den Verstorbenen. Klaus Schwed sei – außer bei den Pfadfindern – in der Kirche „sehr aktiv“ gewesen, als Lektor und für die Kommunionshelfer, zuletzt insbesondere auch in der Ökumene. Zudem gehörte er innerhalb der katholischen Kirche der 1943 in Italien gegründeten Fokolarbewegung an, die eine „Spiritualität der Einheit“ pflegt; Ziel ist es, in allen Bereichen Respekt und Toleranz zu stärken und einen Beitrag für mehr Geschwisterlichkeit und Einheit in der Welt zu leisten.

Brief kurz vor Tod: „Abschied aus meiner irdischen Heimat“

Kurz vor seinem Tod an Familie, Verwandte und Freunde hat Klaus Schwed mit einem Brief „Abschied aus meiner irdischen Heimat“ genommen, gedankt „für ein reiches und erfülltes Leben“ und für die Liebe Gottes. Auch ein bisschen Selbstkritik schwang in diesen letzten Zeilen mit, weil er vielleicht seine „Vorstellungen zu verbissen verfolgen wollte“. Doch auch diese Erkenntnis gewann der Unterhachinger: „Manches hat meine Krankheit ge- und bereinigt.“ Vor allem aber schaue er „beglückt auf meine liebe Familie, die mir harmonischer und lebensfroher als je erscheint“.

Einladung zur Urnenbeisetzung

Seinen Abschiedsbrief hatte Klaus Schwed, im Angesicht des bevorstehenden Todes, explizit sogar als Einladung zu Urnenbeisetzung und Gottesdienst formuliert. Inklusive der Bitte um Verzeihung für Versäumnisse: „Da passt zu dieser Einladung nun der bayerische Trinkspruch ,Schwoam mas obe‘ (= spülen wir es hinunter)“, heißt es wörtlich. Darauf und in diesem Sinne werden viele auf Klaus Schwed anstoßen.

Urnenbeisetzung am Münchner Waldfriedhof

Am Donnerstag, 8. November, findet die Urnenbeisetzung um 10.30 Uhr in der Aussegnungshalle des Münchner Waldfriedhofs – Alter Teil statt. Um 13.30 Uhr folgt in St. Alto in Unterhaching ein Gedenkgottesdienst statt. Anschließend besteht im dortigen Pfarrheim die Möglichkeit zum Beisammensein.

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