Ein Senior läuft durch den Flur eines Heimes
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Die Caritas warnt vor den Folgen eines erneuten Besuchsverbots in Altenheimen.

Besseres Konzept gefordert

Caritas warnt vor erneutem Besuchsverbot in Heimen: „Das macht die Menschen depressiv“

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Die Caritas im Landkreis warnt vor einem erneuten Besuchsverbot bei Senioren, für den Fall, dass eine zweite Infektionswelle strengere Maßnahmen erfordert.

Landkreis – „Der Zustand vieler alter und dementer Menschen hat sich durch das Besuchsverbot in der Corona-Hochphase dramatisch verschlechtert“, sagt Matthias Hilzensauer, Kreisgeschäftsführer der Caritas München-Land. Die Caritas fordert von der Politik differenzierte und flexiblere Konzepte in der ambulanten Pflege und in Altenheimen. „Die psychische Komponente ist genauso wichtig wie der Schutz vor einer Ansteckung.“

Selbst seelisch stabile Bewohner haben sehr gelitten

Wer allein ist, für den war die Zeit ohne Besuch und ohne Veranstaltungen besonders schlimm. Senioren seien vereinsamt und teilweise depressiv geworden, berichtet Elke Schauerte im Caritas-Pressegespräch. Sie leitet den ambulanten Pflegedienst im Hachinger Tal und Ottobrunn, der 136 Patienten versorgt, sechs von ihnen mit beginnender Demenz. „Wir müssen stärker die seelische Lage der alten Menschen im Blick haben und merken, was passiert, wenn Strukturen wegfallen und auch Ehrenamtliche plötzlich ihre Angebote alle auf einmal einstellen.“

Selbst Menschen, die eigentlich mit einer stabilen Zuversicht ausgestattet seien, hätten unter dem monatelange Besuchsverbot stark gelitten. „Ich bin so traurig“, habe einer ihrer Patienten gesagt, ein früherer Manager, der stets über eine positive Lebenseinstellung verfügt habe, berichtet Schauerte. Nach einigen Monaten mit wenig Kontakten klagte der über 90 Jahre alte Herr: „Ich weiß nicht, wie ich aus diesem Tief wieder herauskommen soll, so ohne Lichtblicke.“

Besonders schlimm war die Situation für demente Patienten

Besonders hart sei die Situation für die dementen Patienten gewesen, als Betreuungsgruppen und Besuche gleichzeitig eingestellt wurden. „Sie sind auf feste Tagesabläufe angewiesen“, sagt Elke Schauerte, „man kann sie nicht nahezu 24 Stunden am Tag allein lassen.“ Gerade demente Patienten hätten mehr Fürsorge von den Pflegemitarbeitern verlangt, die den Kontakt hielten, „oft bis an die Belastungsgrenze“.

Caritas-Chef: „Klatschen allein reicht nicht“

Doch es gab auch positive Erfahrungen: „Der Zusammenhalt im Team war sehr stark, selbst als einige wenige Mitarbeiter in Quarantäne ausfielen“, sagt Marianne Böhme, Fachbereichsleiterin der sieben Sozialstationen in München und im Landkreis.Dennoch: „Klatschen allein reicht nicht“, Matthias Hilzensauer fordert: „Auf Dauer braucht es in der Pflege eine bessere Bezahlung.“ – „Und der Corona-Bonus muss fair verteilt werden“, betont Böhme, einige Mitarbeiter hätten die 500 Euro vom Freistaat bekommen, andere nicht.

Der Caritas entstanden durch die Corona-Krise Mindereinnahmen, weil gerade in ländlicheren Regionen Senioren zurück in ihre Familien geholt wurden. Allein die Sozialstation für das Hachinger Tal und Ottobrunn verlor vorübergehend 35 Patienten.Zugleich stiegen zu Beginn der Krise die Ausgaben, weil vor allem für Masken und Einmal-Handschuhe überteuerte Preise verlangt wurden. Noch stehe zur Debatte, wie lange die Kassen die Sozialverbände hier finanziell unterstützten. „Die Pandemie wird uns ja voraussichtlich noch bis ins Frühjahr begleiten“, sagt Matthias Hilzensauer. Er fordert ein langfristiges Engagement der Kassen.

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