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Blackout: Landkreis München entwickelt Masterplan für den Katastrophenfall

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Von: Martin Becker

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Städte bereiten sich auf «Blackout» vor
Dunkel und kalt bleibt’s, wenn durch die Leitungen kein Strom mehr fließt. © Nicolas Armer/DPA

Der Landkreis München arbeitet an einem übergeordneten Konzept, um im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls handlungsfähig zu bleiben. Heute, am 5. Dezember, wird dazu ein Gutachten vorgestellt.

Landkreis – Dass mal kurz ein bisschen das Licht ausgeht und man sich mit Kerzenschein oder Taschenlampe behilft: Diese Vorstellung, wie sich im Zuge der Energiekrise ein großflächiger Stromausfall auswirken würde, ist gleichermaßen romantisch wie naiv. Die Realität ist weitaus ungemütlicher. Plötzlich stecken Menschen in Aufzügen fest oder in einem ICE, der auf offener Strecke stehen bleibt; Tiefkühltruhen tauen auf, im Privathaushalt genauso wie im Supermarkt; an Tankstellen gibt es ohne Strom keinen Sprit mehr, EC-Automaten spucken kein Bargeld mehr aus, Telefonnetze bleiben tot.

Landkreis München: Gutachten heute im Kreisausschuss

Auch der Landkreis München und seine 29 Kommunen rüsten sich für solch einen Katastrophenfall. Den „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) leitet im Landratsamt Jörg Spennemann, der schon die Coronakrise gemanagt hat. Am heutigen Montag, 5. Dezember, wird in öffentlicher Sitzung den Mitgliedern des Kreisausschusses ein Gutachten vorgestellt, das der Landkreis zwei Tage später „auf Arbeitsebene“, wie es heißt, auch all seinen Städten und Gemeinden vorgestellt.

Behörden geben Tipps, wie sich jeder selbst vorbereiten kann

Bei aller Vorausplanung: Einen umfassenden Blackout kann die öffentliche Hand allein nicht kompensieren – die Eigenverantwortung der Privathaushalte sei gefragt, von Lebensmitteln bis zu Wasser für die Toilettenspülung, verlautet aus dem Landratsamt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat etwa hat eine Broschüre zusammengestellt, wie man sich auf einen Stromausfall vorbereiten kann. So rät die Behörde, sich nach alternativen Heizquellen zu erkundigen, für den Fall, dass die Heizung ausfällt. Wer einen Ofen besitzt, soll sicherstellen, dass er genügend Holz oder Briketts auf Vorrat hat. Ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio ist bei einem Stromausfall von Vorteil.

Wenn das Licht ausfällt, sollte man ein Taschenlampe, Kerzen, Feuerzeug und Camping- oder Outdoor-Lampen sowie ausreichend Batterien vorrätig haben. Solarbetriebene Batterieladegeräte oder Powerbanks können bei Stromausfall eine Hilfe sein. Außerdem sei es ratsam, genügend Bargeld zur Verfügung zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren. Zum Lebensmittelnotvorrat gehören vor allem haltbare, möglichst verzehrfertige Nahrungsmittel. Dazu zählen beispielsweise Zwieback, Nudeln, Knäckebrot, Haferflocken, H-Milch, Nüsse, Kekse, eingekochtes Obst oder getrocknete Früchte, Dauerwurst oder Konserven. Hilfreich ist auch eine von der öffentlichen Versorgung unabhängige Kochgelegenheit. Kleinere Mahlzeiten und warme Getränke lassen sich mit einem Spiritus- oder Camping-Gaskocher zubereiten.

Eine Zusammenfassung und weiterführende Links, finden Interessierte auf der Homepage des Landratsamtes.

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Wie gut ist der Landkreis München für Katastrophensituation gewappnet?

In Auftrag gegeben hatte der Landkreis das Gutachten bei der KomRe AG aus Berlin schon heuer im Februar, kurz vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Die Firma, nach eigener Aussage „Deutschlands führender Anbieter im Bereich der mobilen Kraftstofflogistik für Notstrom und ausfallgeschützter Kommunikation bei Blackout“, erhielt den Auftrag, zu prüfen, wie gut der Landkreis für solch eine Katastrophensituation gewappnet ist. Befragt wurden dazu, Kommunen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, die Versorger (Strom, Wasser, Abfall) sowie Institutionen auf dem Gesundheitssektor und der kritischen Infrastruktur.

Nähe, Ortskenntnis, Erreichbarkeit für die Bürger

„Der Schwerpunkt der Gefahrenabwehr liegt aufgrund der gesetzlichen Zuständigkeit und von praktischen Erwägungen – Nähe, Ortskenntnis, Erreichbarkeit für die Bürger – bei den Städten und Gemeinden“, teilt die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage des Münchner Merkur mit. „Ziel ist es, die Gefahrenabwehr und Notfallversorgung auch bei einem flächendeckenden Stromausfall möglichst lange auf hohem Niveau zu halten.“

Diese Maßnahmen sind notwendig

Aus Sicht des Landratsamts sind bei den Kommunen mindestens folgende fünf Vorbereitungsmaßnahmen nötig:

■  Alle Städte/Gemeinden müssen sicherstellen, dass sie bei einem großflächigen und lang andauernden Stromausfall mindestens mit ihren Kernaufgaben arbeitsfähig bleiben und auf akute Gefahrenlagen reagieren können. Dazu gehören auch die Feuerwehren.

■  In jedem Ort ist ein kommunaler Krisenstab vorzuplanen.

■  Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft müssen sichergestellt bleiben.

■  Es muss Vorsorge hinsichtlich der Infrastruktur für vulnerable Personengruppen (insbesondere Bewohner von Alten- und Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen) getroffen werden.

■  Da bei einem Stromausfall damit zu rechnen ist, dass sowohl das Telefon-Festnetz als auch das Mobilfunknetz ausfallen, ist es erforderlich, in allen Kommunen Anlaufstellen (KAT-Leuchttürme) einzurichten, an die sich hilfesuchende Bürger wenden können, insbesondere bei medizinischen Notfällen, Verkehrsunfällen oder Bränden.

Blackout: Kommunen auf unterschiedlichem Stand

Inwieweit die Kommunen ihrer Verantwortung schon nachgekommen sind? „Wer wie weit ist, das ist sehr dynamisch“, heißt es aus dem Landratsamt. Die Stadt Garching oder die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn zum Beispiel haben ihre KAT-Leuchttürme schon eingerichtet, in Unterhaching wiederum läuft in puncto Technik noch die finale Prüfung: „Wir arbeiten an der Gangbarmachung – aber auch an der Frage, wie wir das erforderliche Fachpersonal zu den ,Leuchttürmen‘ bekommen, wenn der ÖPNV ausfällt“, sagt der Unterhachinger Rathaussprecher Simon Hötzl. Man plane ein Notfallkonzept „aus einem Guss“.

Sorge vor dem Blackout: So will Bayern Stromausfälle verhindern

Für den Fall eines Blackouts bereiten die Kommunen in Bayern aktuell Notfallkonzepte vor. Auch „Leuchttürme“ spielen dabei eine Rolle.

Landratsamt rüstet sich - Notstromaggregate zur Versorgung der Katastrophenschutzeinheiten

Der Landkreis selbst verfügt über Notstromaggregate zur Versorgung der Katastrophenschutzeinheiten sowie zur Aufrechterhaltung der Kernaufgaben der Verwaltung. Das Landratsamt hat zudem Satellitentelefone und Satellitenfunkgeräte beschafft. Diese sollen bei einem Ausfall des Telefonnetzes die Kommunikation mit den Kommunen und den Einsatzkräften sicherstellen. Ein weiteres satellitengestütztes Kommunikationssystem ist in Vorbereitung. „Auch sind Planungen im Gange, wie eine Treibstoffversorgung für lebensnotwendige Bereiche sichergestellt werden kann, wenn das Tankstellennetz ausfällt“, sagt die Sprecherin des Landratsamts.

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