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„Amazon ist nicht das Problem. Sondern, dass die Menschen heutzutage nicht mehr lesen“, sagt Christine Helming, Buchhändlerin in Unterhaching.

In direkter Konkurrenz mit dem Online-Geschäft

Die Tragödie des Buchhandels

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Landkreis - In der Vorweihnachtszeit läuft das Geschäft ziemlich gut. Aber im Rest des Jahres? Bücher an sich sind gefragt, werden aber immer öfter online bestellt. Örtliche Buchhändler leiden unter diesem Trend – Ronald Hanke aus Oberschleißheim schließt jetzt sogar schweren Herzens seinen Laden.

Nein, an pfiffigen Ideen mangelte es ihm nicht. Ronald Hanke hat seit der Eröffnung im Jahr 2004 vieles versucht, um „Bücher am Schloss“ in Oberschleißheim als Buchhandlung zu verankern. Mit den Erlösen aus Bücherbasaren unterstützte er beispielsweise das Spendenprojekt „Familien in Not“ oder örtliche Kindergärten, in seiner „Wurschkuchl“ veranstaltete er Lesungen und ließ dazu sogar ein eigenes Bier, das „Schleißheimer Booksbrew“, brauen. Und trotzdem: Im Frühjahr 2017 wird Hanke zusperren. Für immer.

Warum? „Der Einzelhandel ist im Wandel, immer mehr Einkäufe werden online erledigt“, sagt Hanke. „Die Umsätze sind rückläufig. Irgendwann muss man die Bremse ziehen.“ Die Bestürzung ist groß, seit Ronald Hanke die Schließung per Facebook-Mitteilung angekündigt hat – seine Kunden reagieren tieftraurig. „Oh nein! Das ist furchtbar“, schreibt Jutta Kauper und ergänzt: „Aber Amazon-Kunde werde ich trotzdem nicht.“ Die „gute Beratung und den persönlichen Service“ wird Irene Jott vermissen, Sarah Nägele fragt sich: „Was wären wir ohne Sie?“ Und Julia Reiner sagt in bedauernder Ironie: „Ich kann doch nicht jedes Mal an den Amazonas fahren, wenn ich ein Buch kaufen möchte.“

Amazon und Co., die Online-Buchbestellplattformen: Sind sie der Todesstoß für klassische Buchhandlungen?

„Nein, Amazon ist nicht das Problem. Sondern, dass die Menschen heutzutage nicht mehr lesen“, sagt Christine Helming, die in Unterhaching zusammen mit Bärbel Heuser seit 32 Jahren eine Buchhandlung vis-a-vis vom Bahnhof betreibt. Auch sie veranstaltet Lesenächte, Autorenpräsentationen, stellt Neuerscheinungen individuell vor. Dennoch sinken die Umsätze. Den Praktikanten, die in dieses Berufsfeld hineinschnuppern wollen, rät sie ab: „Wir sind Exoten. Der Buchhandel hat keine Zukunft.“ Allein schon einen Nachfolger zu finden sei schwierig: „Kein anderer würde das Geschäft weiterführen. Es rechnet sich noch, aber primär machen wir es aus reinem Idealismus.“ Mehr Unterstützung würde sich Helming von den Schulen wünschen: „Die Lehrer lassen Fontane rauf und runter lesen, statt Jugendlichen moderne Literatur näherzubringen. Schade, denn genau das wäre die Aufgabe der Lehrkräfte: Kinder auf diese Weise zum Lesen zu animieren.“

Irmgard Mannes betreibt zusammen mit ihrer Schwester Heidi Dudek-Mannes den „Buchladen am Korbinianplatz“ in Ismaning. „Die Welt verändert sich, viele Menschen verspüren offenbar gar keine Lust mehr, im Geschäft einzukaufen“, sagt sie. Jugendliche würden schon von klein auf lernen, im Internet zu bestellen. „Diejenigen, die ein Buch erstmal anfassen oder hineinblättern wollen, werden immer weniger.“ Natürlich hat auch sie ein Online-Angebot, aber wegen der Versandkosten (der Kunde soll ja nichts zusätzlich zahlen müssen) sei das „ein hartes Geschäft, da bleibt nicht viel übrig“.

Ganz anders sieht das Thomas Felber, dem unter anderem die „Buchhandlung Lentner“ in Neubiberg gehört. Der Internethandel von Amazon & Co. habe nämlich das Problem der Postzustellung: Ist man nicht zu Hause oder der Briefkasten zu klein, muss man extra zur Post-Filiale. „Bei uns bestellen Sie ebenfalls online abends ein Buch, können es schon am nächsten Tag in der Buchhandlung abholen und nebenbei noch einen Kaffee trinken.“ Wegen der Preisbindung für Neuware sei es „wurscht, wo der Kunde bestellt“. Gegenüber Postverversand und Anonymität punktet er lieber mit Individualität, persönlichem Flair: „Man muss aktiv sein, Kunden binden, die Namen der Kinder kennen. Dann läuft es jedes Jahr ein bisschen besser.“

Auch Sophie von Lenthe, die 2002 in Ebenhausen ihre „Buchhandlung im Isartal“ eröffnete und vor drei Jahren zusätzlich eine Filiale in Pullach, profitiert von ihrem starken Service-Angebot. Sie versendet einen Newsletter mit authentischen Buchtipps, führt Autorenlesungen durch, hat handverlesene Geschenkartikel im Sortiment und bietet eine telefonische Beratung an: Was taugt für den zwölf Jahre alten Neffen, was für die 70-jährige Schwiegermutter? „Ich versuche, Kunden neu zu binden – die mögen und wollen das sogar.“ Ein starkes Augenmerk legt die Ebenhausenerin auf ihr Online-Angebot: „Wir liefern kostenlos und sofort direkt nach Hause. Das macht wahnsinnig viel Arbeit, aber auch viel Spaß.“ Der Internethandel sei „bedrohlich“, mittels persönlicher Beratung könne sie aber konkurrieren: „Es ist nicht einfach und es läuft nicht von allein, doch der Buchhandel hat eine Chance.“

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