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Bürgerversammlung: Verkehr im Live-Chat ein heißes Thema

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Von: Martin Becker

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Kleines Fernsehstudio im Kubiz für den Live-Stream – erstmals wird eine Unterhachinger Bürgerversammlung im Internet übertragen.
Kleines Fernsehstudio im Kubiz für den Live-Stream – erstmals wird eine Unterhachinger Bürgerversammlung im Internet übertragen. © mbe

Die Bürgerversammlung der Gemeinde Unterhaching ist erstmals live im Internet übertragen worden. Auch per Chat konnten die Bürger mitdiskutieren - was rege genutzt wurde.

Unterhaching – Um 21.26 Uhr kam es am Mittwochabend zur Premiere. Erstmals übertrug die Gemeinde Unterhaching ihre Bürgerversammlung im Kubiz per Livestream im Internet, wofür sich rund 60 Interessierte angemeldet hatten. Sie konnten nicht nur bequem von daheim aus den Ausführungen von Bürgermeister Wolfgang Panzer, Polizeichef Siegfried Graf und Landrat Christoph Göbel lauschen, sondern sich per Chat auch an der finalen Fragerunde beteiligen.

Ein rege genutztes Novum – die erste Frage aus dem Chat lautete: „Wann beginnt die Sanierung des Hachinger-Bach-Ufers?“ Panzer verwies darauf, dass er wohl im Dezember das noch ausstehende Hochwasser-Gutachten erwarte und dass die Gemeinde in einer Anliegerversammlung demnächst die Planungen vorstelle – daraus ergebe sich der Zeitplan. Einem der knapp 50 real anwesenden Bürger im Kubiz war dies zu vage – mit Blick auf sich häufende Starkregenereignisse mahnte der Unterhachinger an, man solle die überfällige Bachufersanierung in puncto Zeitachse nicht als „Jahrhundertbauwerk“ angehen.

Ansonsten drehte sich das Gros der Anfragen, egal ob am Saalmikrofon oder aus dem Live-Chat, um lokale Verkehrsthemen. Ein Bürgerwunsch: mehr Geschwindigkeitskontrollen in verkehrsberuhigten Zonen, im Volksmund irrtümlich „Spielstraßen“ genannt – konkret ging es um die Lohestraße. „Flächendeckende Kontrollen sind dort nicht möglich, weil wir erst nach 200 Metern messen dürfen“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Unterhaching, Siegfried Graf.

Zebrastreifen an Kreisverkehren?

Ein anderer Bürger sorgte sich „um Missverständnisse an Kreisverkehren zwischen querenden Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern“. Seine Idee: Zebrastreifen an allen Ein- und Ausfahrten sowie Vorfahrt für Radfahrer. Dies sei „nicht zielführend“, entgegnete der Bürgermeister, es werde „eine Sicherheit suggeriert, die nicht vorhanden ist“.

Tempo 30 nicht flächendeckend möglich

Ebenfalls nicht umsetzbar ist die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in ganz Unterhaching, speziell auf den großen Kreisstraßen, wofür ein Bürger plädierte. „Laut Gesetzgebung bedarf jede Einzelanordnung einer tragenden rechtlichen Begründung“, sagte dazu Landrat Christoph Göbel. Pauschal überall Tempo 30? „Das wäre schlicht rechtswidrig, da fallen wir auf die Nase.“

Ein komplexes Thema, unter anderem wegen zwei Bushaltestellen, ist die seit Jahren diskutierte Anbindung des Kreisverkehrs in der Ottobrunner Straße an den Bozaunweg. Auf Details ging Wolfgang Panzer nicht ein: Das Thema wird nächste Woche (19. Oktober) im Bauausschuss behandelt.

Christoph Göbel, Landrat
Landrat Christoph Göbel beantwortet die Fragen der Unterhachinger. © mbe

Gleich drei Anfragen betrafen die Stumpfwiese: Bleibt die Einbahnstraßenregelung in der Walter-Paetzmann-Straße erhalten, kann man sie gar zur Anwohnerstraße deklarieren? Was ist mit dem angedachten Durchbruch in der Witneystraße? und welchen Sinn hatte die Bürgerbefragung zur „grünen Mitte“? Der Bürgermeister wollte sich nicht festlegen – aufgrund gegenteiliger Interessen der Anwohner soll ein Gesamtkonzept entwickelt werden. Die Walter-Paetzmann-Straße nur noch für Anlieger zuzulassen sei rechtlich nicht realisierbar, an der baustellenbedingten Einbahnstraßenregelung würde er festhalten, „aber das ist meine persönliche Meinung“. Letztlich entscheidet der Gemeinderat.

Ansonsten angerissen wurden Themen wie Bildungslandschaft, Erweiterung der Flüchtlingsunterkunft, Mobilität sowie Klimapolitik. Landrat Göbel wertete das ihm angetragene „Grußwort als Aufforderung, mich kurzzufassen, es ist ja kein Grußvortrag“. Deshalb: „Ich belasse es bei einigen Schlaglichtern, denn ich könnte über diese Themen ewig reden.“

Mülltrennung, Freiluftsport, Busverkehr, Friedhofsnutzung: Was sich in Unterhaching alles tut

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Im Zuge einer Aufklärungskampagne zu Bioabfall und Mülltrennung bringt die Gemeinde im November den Ratgeber „Haching packt‘s O(hne)“ heraus mit Tipps für einen ressourcenschonenden Alltag.

Zu Allerheiligen sollen die Brunnen am Friedhof mit seinen aktuell 3502 belegten Grabstätten wieder funktionieren – die Pumpe war kaputt, provisorisch sind Wasserbottiche aufgestellt. Saniert werden bis 2023 in zwei Bauabschnitten für 370 000 Euro die Sprungtürme im Freibad. Auf der BMX-Bahn am Burgmaierweg war der Starthügel „in die Knie gegangen“, so der Bürgermeister – nach der Sanierung ist die Anlage jetzt wieder regulär in Betrieb. Ebenfalls neu: die im September eröffnete Outdoor-Fitnessanlage am Rodelberg.

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