Panzer mit Zapf und Raiser
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Unterschwellige Kritik an seiner Stellvertreterin übt Unterhaching Bürgermeister Wolfgang Panzer. 

Negatives Echo auf Anträge und Anfragen

Bumerang im Unterhachinger Gemeinderat: Grüne bekommen Gegenwind

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Heftigen Gegenwind haben jetzt die Grünen im Unterhachinger Gemeinderat erlebt. Mehrere ihrer Äußerungen, Aktionen und Anträge wurden in der Sitzung harsch zurückgewiesen.

Unterhaching - Die Ex-Grüne Christine Helming, 2019 zu den Freien Wählern gewechselt, wirft den jetzigen Grünen und insbesondere deren Vize-Bürgermeisterin Johanna Zapf „mangelndes Demokratieverständnis“ vor. Der Anlass: die Reaktion der Grünen auf die Entscheidung, in Unterhaching keine Hybridsitzungen des Gemeinderats zuzulassen. Der von Grünen und CSU favorisierte Online-Präsenz-Mix war in der Juni-Sitzung des Gemeinderats abgelehnt worden (wir berichteten), und Christine Helming fand es „verständlich und normal“, dass dies „einigen nicht gefallen hat“.

Aber: „Nicht normal, sondern schlechter Stil“ sei gewesen, dass die grüne Vize-Bürgermeisterin Johanna Zapf im Schulterschluss mit dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Korbinian Rausch im Nachgang per Pressemitteilung und per Proklamation auf dem Rathausplatz „eine Mehrheit dieses Gemeinderats lächerlich gemacht und in eine altmodische Ecke gestellt hat“. Christine Helming zitierte zudem von der Homepage der Unterhachinger Grünen, auf der vom „Zeichen gegen den Fortschritt“ die Rede ist. „Wenn man eine Mehrheitsentscheidung einfach nicht respektieren will und dafür die Mehrheit des Gemeinderats in der Öffentlich verunglimpft, zeugt das von mangelndem Demokratieverständnis“, resümierte Christine Helming.

Diskussion um die Babysitterfrage

Die Unterhachinger Grünen wollten das nicht auf sich sitzen lassen. Armin Konetschny konterte prompt: „Ein Blick ins Protokoll erleichtert die Wahrheitsfindung.“ Das 14:13-Votum der Juni-Abstimmung (wegen einer nötigen Dreidrittelmehrheit reichten die 14 Ja-Stimmen von Grünen und CSU nicht aus) zeuge nicht „von einer Mehrheit“. Und als Pro-Onlinesitzungs-Praxisbeispiel führte er eben jene Vize-Bürgermeisterin Johanna Zapf an, die diesmal just im Gemeinderat fehlte, „weil sie keinen Babysitter gefunden hat“.

Eine Einlassung, über die wiederum Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) sich erkennbar echauffierte: „Laut Geschäftsordnung bezahlen wir sogar den Babysitter, um an Gemeinderatssitzungen teilnehmen zu können.“ Trotzdem blieb die junge Mutter und Vize-Bürgermeisterin, die dieses Ehrenamt immerhin mit 6000 Euro pro Jahr vergütet bekommt, daheim. Woraufhin eine Gemeinderätin der Freien Wähler genervt in den Raum raunte: „Wenn Frau Zapf wusste, dass sie es mit Baby nicht schafft, hätte sie gar nicht erst kandidieren sollen.“

Umstrittene Fortbildungsoffensive

Anschließend stellte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Eva Karbaumer, einen umfangreichen Antrag, in dem der „Start einer Fortbildungsoffensive in den Unterhachinger Kindertageseinrichtungen“ gefordert wird. Man müsse „die Erziehungskräfte dabei unterstützen, den negativen Folgen der Corona-Pandemie begegnen zu können“. Es brauche „fachlichen Input“, zudem müssten „Alltagstheorien überprüft und das Handlungsrepertoire erweitert werden“, sagte Eva Karbaumer, die sich von einer Fortbildungsoffensive „neuen Elan“ beim Kita-Personal verspricht.

Bürgermeister Wolfgang Panzer schüttelte daraufhin etwas fassungslos den Kopf: „Ich bin bestürzt und peinlich berührt, fühle mich wie mit dem Hammer auf den Kopf gehauen“, sagte der Rathauschef zum Grünen-Vorstoß. „Wir tun alles für unsere Mitarbeiter, wir schulen sie ständig – auch ohne Pandemie oder solch einen Antrag der Grünen.“

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