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Weltenbummlerin: Eva Schreiber umgeben von Andenken aus den Ländern, die sie bereist bereits hat.

 Linken-Bundestagskandidatin Eva Schreiber

Mit viel Idealismus zur sozialen Gerechtigkeit

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Vor der Bundestagswahl am 24. September porträtieren wir die Direktkandidaten aus dem Landkreis München. Heute: Eva Schreiber (59), die für die Linken München-Land kandidiert. Die Ethnologin und Mutter von vier Kindern setzt sich vor allem für soziale Gerechtigkeit und gegen Fremdenfeindlichkeit ein.

Landkreis – Eva Schreiber, die Bundestagskandidatin der Linken für den Wahlkreis München-Land hat in ihre Wohnung in München-Allach eingeladen. Sie hat es sich in einem Lesesessel gemütlich gemacht, im Wohnzimmer mit den vielen antiken Möbeln. In den Schränken reiht sich Buch an Buch, manches ist verdeckt von Gegenständen und Figuren – alles Andenken an diverse Länder, die die viel belesene Ethnologin bereits bereist hat.

Die 59-Jährige philosophiert über die Biergartenkultur, die sie als gebürtige Kölnerin so sehr zu schätzen gelernt hat, seitdem sie der Liebe wegen vor 27 Jahren in die Landeshauptstadt gezogen ist. „Man sitzt gemütlich in der Natur zusammen, jeder kann sein Essen mitbringen, das er mag“, zählt Schreiber mit ihrer leicht rauchigen Stimme die Vorzüge auf.

Von der Toleranz der Biergarten-Betreiber, was die Essensgewohnheiten ihrer Gäste betrifft, ist es nicht weit zur grundlegenden politischen Einstellung der Völkerkundlerin, die derzeit Menschen unterrichtet, die sich beruflich neu orientieren wollen. „Jeder sollte so leben, wie er möchte, solange er keinem anderen dadurch schadet“, sagt sie. Der Leitspruch „Leben und leben lassen“ passt geradezu perfekt auf Eva Schreiber.

Und damit komme man zwangsläufig auf das Programm ihrer Partei, fügt sie hinzu. Denn: „Durch die soziale Gerechtigkeit, für die wir kämpfen, durch die Veränderungen, die wir anstreben, wird ein Schaden für den Großteil der Bevölkerung abgewendet.“

Mit Schaden meint Schreiber, die Mutter von vier erwachsenen Kinder ist, in erster Linie, dass vielen Menschen immer weniger Geld zur Verfügung steht, und ein paar wenigen immer mehr. Dabei stellt sie klar: „Ich habe nichts dagegen, dass es den Leuten gut geht. Ich möchte aber, dass es allen gut geht.“

Aus diesem Grund ist Eva Schreiber 2010 letztlich auch zu den Linken gestoßen. Ein Bekannter wollte die Landesgemeinschaft „Christen und Christinnen bei den Linken“ gründen und suchte noch Mitstreiter. Eva Schreiber, die zuvor zwar „politisch interessiert“, aber nicht selbst aktiv war, macht mit und findet Gefallen an der politischen Arbeit. Seit 2014 ist sie nun Kreissprecherin der Linken in München, seit vergangenem Jahr zudem Mitglied im Landesvorstand.

Daneben engagiert sich Schreiber ehrenamtlich für Flüchtlinge, für Sterbende und Demenzkranke. Bei der Arbeit mit diesen Menschen hilft ihr eine Eigenschaft ganz besonders: sich problemlos in deren Lage versetzen zu können. „Man braucht viel Empathie“, sagt Schreiber. Man müsse sein eigenes Weltbild zurückzustellen und sich auf den anderen – sein Leben, sein Schicksal und seine Anschauungen – einlassen können. „Das lernt man eben auch als Ethnologin.“

Dass sie das kann, zeigt Schreiber auch bei der Bündnisarbeit, sprich: der Zusammenarbeit mit anderen Parteien und politischen Gruppierungen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. „Ich kann viele Positionen und Argumente von politischen Gegnern nachvollziehen“, sagt die überzeugte Pazifistin. Das bedeute aber nicht, dass sie auch Verständnis dafür habe.

Kein Verständnis hat sie beispielsweise für fremdenfeindliche Äußerungen aus der AfD, aber auch aus anderen Parteien. Die oft vorgebrachte Argumentation, dass durch die Flüchtlinge die Werte hierzulande kaputt gemacht werden, hält sie für völlig absurd. „Es ist nicht möglich, dass andere meine Werte zerstören. Das kann ich nur selbst, indem ich diese Werte nicht lebe.“ Eine Obergrenze für Flüchtlinge, wie sie die CSU fordert, lehnt sie als „absolut unchristlich“ ab. Und alles andere als christlich findet sie auch, wie mit den Flüchtlingen umgegangen wird. Das fange bei den Gemeinschaftsunterkünften an und höre beim qualitativ schlechten Essen, den großen Hürden bei der Arbeitssuche und dem viel zu spät einsetzenden Deutsch-Unterricht auf.

Auch der Ballungsraum München ist für die 59-Jährige ein gutes Beispiel dafür, dass im Lande einiges schief läuft. Sie könne jedenfalls keinem guten Gewissens empfehlen, hierher zu ziehen: „Es ist lebenswert in München, aber finanziell gesehen äußerst schwierig.“ Viele Menschen hätten nur kleine Renten, die Mietpreise würden regelrecht explodieren. Und selbst wer studiere, könne nicht sicher sein, langfristig einen gut bezahlten Job zu bekommen.

Deshalb ist vieles, was im Wahlprogramm der Linken steht, für Schreiber eine Herzensangelegenheit. Zum Beispiel die Schaffung von günstigem Wohnraum. Rund 250 000 Wohnungen sollen, wenn es nach ihrer Partei geht, pro Jahr bundesweit entstehen. Auch für eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1050 Euro, die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro sowie des BAföGs will sich Eva Schreiber einsetzen, falls es mit dem Einzug in den Bundestag tatsächlich klappen sollte. Das könnte allerdings schwierig werden. Bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2013 haben nur vier Kandidaten der Linken aus Bayern nach Berlin geschafft. Schreibers Name ist auf der Liste auf Platz sieben zu finden.

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