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Mit einem Meer von Blumen und Kerzen bekundeten viele Menschen am Olympiaeinkaufszentrum ihre Trauer über die Opfer, unter denen auch Can L. war.

Amoklauf 

Cans Tod geht noch immer nahe

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Can L. (14) war ein lebenslustiger, fröhlicher Junge. Am 22. Juli 2016 wurde er beim Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum gewaltsam aus dem Leben gerissen. Nun erinnert ein zweitägiges Gedächtnisturnier an der Grund- und Mittelschule in Unterhaching an den talentierten Fußballer, der dort in die Leistungssportklasse ging.

Berührend: So sieht der Gedächtnispokal für Can L. aus Unterhaching aus.

Unterhaching– Zuschauer sind erwünscht: Eltern, Geschwister, aber auch andere. „Wer möchte, kann sehr sehr gerne kommen“, sagt Bruno Matijevic (51), der Klassenlehrer in der 8c Leistungssportklasse (LSK) von Can L. war. Heute besuchen Cans Mitschüler die 9c LSK und wollen mit einem Gedächtnisturnier an ihren Freund erinnern.

Die Idee dazu reifte laut Matijevic sehr früh. Das gesamte Turnier hat die 9c LSK selbst organisiert. „Zum Ende hin überwiegt nun die Freude, dass es stattfinden wird“, sagt der Lehrer. Doch der Weg dorthin war für die Schulfamilie nicht leicht.

Die Nachricht, dass Can L. eines der neun Opfer des Attentats am McDonald’s Restaurant im Olympia-Einkaufszentrum ist, verbreitete sich schnell. „Wir sind alle sehr betroffen und können dieses Unglück nicht fassen“ schrieb Rektorin Christa Grasl auf der Webseite der Schule. Die Achtklässler, die am Freitagvormittag noch mit Can zusammen waren, wurden von einem Kriseninterventionsteam bayerischer Schulpsychologen betreut. Die Helfer blieben die ganze darauffolgende Woche, in einem abgelegeneren Flügel der Schule wurde ein Trauerraum eingerichtet.

„Mittlerweile sprechen die Schüler nicht mehr groß darüber“, sagt Klassenlehrer Matijevic. „Aber während der Vorbereitungen merkt man schon, dass es vielen noch nahe geht.“ Einige nutzen auf What’s App noch immer das Profilbild von Can.

Aufgebrochen sind die Erinnerungen auch während der Dreharbeiten eines Schülerteams aus Unterhaching und Taufkirchen. „Unvergessen“, heißt der Film von „MovieJam“, in dem sechs Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums über die überwiegend jungen Opfer der schrecklichen Tat erzählen – aus Sicht der betroffenen Familien, Mitschüler und Freunde. Um einzufangen, wer Can L. war, drehte das Team um Alex Spöri und Luca Zug einen Tag lang an der Mittelschule in Unterhaching. Am 29. Juli wird die Dokumentation erstmals im Mathäser-Kino in München gezeigt. Die ehemaligen Klassenkameraden von Can dienen als Statisten in Szenen, die den Alltag im Klassenzimmer und auf dem Sportplatz des damals 14-Jährigen zeigen.

„Ein überauslustiger Typ“

An eine Episode erinnert sich Lehrer Matijevic besonders gern. Er erzählt, wie Can, umringt von seinen Mitschülern, auf dem Pausenhof steht. Die Laune ist super, und spontan beginnt Can zu tanzen, „geht völlig aus sich raus“. Erst als er bemerkt, dass ihn die Klassenkameraden filmen, hört er auf und winkt lachend ab. „Er war ein überaus lustiger Typ, ein lebensfroher Mensch“, sagt Matijevic. „Deshalb habe ich immer zu ihm gesagt: Wenn du deinen Berufswunsch mal ändern willst – Komiker kannst du immer werden.“

Es sind diese – schönen – Erinnerungen, die deutlich machen, wie groß der Schock vor einem Jahr für alle war. Wie schwer es zudem ist, das Erlebte zu verarbeiten. Und wie viel Zeit es braucht. Bruno Matijevic war erst 2015 als Lehrer für Sport, Deutsch, Mathematik und Ethik von Bayreuth an die Grund- und Mittelschule nach Unterhaching gekommen. „Die 8c Leistungssportklasse, in der Can lernte und Fußball spielte, war meine erste als Klassenlehrer hier“, sagt er.

Erinnern, aber auch nach vorne sehen

Nun soll das zweitägige Gedächtnisturnier dabei helfen, sich an Can zu erinnern, aber auch nach vorne zu sehen, wie Matijevic sagt. Ausgelobt werden neben den Siegerpokalen (siehe Kasten) nämlich auch zwei Fairness-Pokale. „Weil der Anlass so traurig ist, und weil unfaires Verhalten von anderen eventuell dazu geführt hat, dass der Amok-Schütze das als Grund für seine unfassbare Tat genommen hat.“ Wer den Fairness-Pokal am Ende erhält, sollen die Mannschaften und das Publikum entscheiden.

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