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Schuldnerberater verschaffen sich erst einmal einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben.

Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Die Caritas schlägt Alarm: Immer mehr Menschen im Landkreis rutschen in die Schuldenfalle. Seit 2017 ist die Zahl der Hilfesuchenden in den Schuldnerberatungsstellen um zwölf Prozent auf 1425 gestiegen.

Landkreis– Besonders hart trifft  es oft Alleinerziehende, wie zum Beispiel die 30-jährige Nina B. (Name geändert). Die alleinerziehende Mutter droht in die Schuldenfalle zu rutschen. Für ihre 40-Quadratmeter-Wohnung zahlt sie fast 900 Euro – eine Kaltmiete von 16 Euro pro Quadratmeter. Da ihr kleiner Sohn nur einen zeitlich beschränkten Betreuungsplatz hat, kann die Mutter nur halbtags als Erzieherin arbeiten. Das Geld ist schon jetzt knapp, im kommenden Jahr soll zudem die Miete erhöht werden. Das macht die Situation für sie noch schwieriger. Um alle Ausgaben decken zu können, muss sie Schulden machen. Und die werden immer mehr.

Zu wenig Geld trotz Job

Es ist kein Einzelfall im eigentlich reichen Landkreis München. Nach Angaben der Caritas haben 1425 Menschen im vergangenen Jahr die Beratung in einer der vier Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Caritas im Landkreis in Anspruch genommen – zwölf Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Das Erschreckende: 653 Personen, also fast die Hälfte, haben einen festen Job, bekommen teilweise noch Zusatzleistungen wie Eltern- oder Kindergeld. Trotzdem reicht das Geld nicht, um alle Ausgaben des täglichen Lebens zu decken. Häufig summieren sich die laufenden Kosten wie etwa für die Miete, den Handyvertrag oder auch für das Fitnessstudio. Um sie zu decken, machen die Leute Schulden – und denken, sie schaffen es, sie irgendwie zurückzuzahlen. Bis zuletzt hoffen sie, das Schuldenproblem doch noch selbst lösen zu können – und stecken dabei schon mitten in der Schuldenfalle.

„Scham ist ein großes Thema. Die Leute kommen oft erst zu uns, wenn es zu spät ist“, sagt Antje Spilsbury, stellvertretende Kreisgeschäftsführerin der Caritas im Landkreis München. Die Dunkelziffer der Menschen, die von Überschuldung betroffen sind, dürfte also deutlich höher sein.

Mehr Tafel-Besucher

Das zeigt sich auch an der zunehmenden Zahl an Personen, die eine der Lebensmittel-Tafeln der Caritas besuchen. 11 000 Leute haben sich hier im vergangenen Jahr kostenlose Lebensmittel geholt, weil das Geld nicht reicht. „So sparen sie vielleicht 35 Euro in der Woche, aber das kann viel ausmachen“, sagt Spilsbury.

Da immer mehr Menschen mit Armut oder Schulden zu kämpfen haben, will die Caritas im Landkreis München ihr Angebot weiter ausbauen. „Wir arbeiten viel am Menschen, und das aber oft im Verborgenen“, sagt Kreisgeschäftsführer Matthias Hilzensauer. Der Kreisverband will künftig mehr in die Öffentlichkeit treten, um die Menschen noch besser über sein vielseitiges Angebot zu informieren. Damit sollen noch mehr Hilfesuchende erreicht werden. Ein Beispiel: Mitte dieses Jahres eröffnet die Caritas eine Suchtberatungsstelle im Landratsamt. Denn auch eine Sucht kann laut Hilzensauer Auslöser für das Anhäufen von Schulden sein.

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