Eine seiner 15 Adressen: In einer umfunktionierten Sportsbar an der Rosenheimer Straße 103 bietet Gerald Heigis  Corona Schnelltest an
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Eine seiner 15 Adressen: In einer umfunktionierten Sportsbar an der Rosenheimer Straße 103 bietet Gerald Heigis Corona Schnelltest an, das Fotot ist ein Archivbild, inzwischen sind alle Tests kostenfrei.

Arzt, Zahnarzt, Unternehmer

Der Schnelltest-Mogul: Arzt baut in und um München 15 Teststellen auf

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Gerald Heigis ist eigentlich Zahnarzt. Doch dann kam die Pandemie und der Mediziner wurde zum Unternehmer. In und um München hat er 15 Schnelltest-Stationen eingerichtet.

Landkreis – Behörden, Bürgermeister, Geschäftsleute wollen mit ihm zusammenarbeiten. Der Arzt und Zahnarzt Dr. Dr. Gerald Heigis ist mit seinen Schnelltest-Stationen in ein Vakuum gestoßen und plötzlich Unternehmer im großen Stil. Sein Metier sind neben Zahnbehandlungen und Kieferoperationen plötzlich Corona-Schnelltests. Heigis bietet in der Landeshauptstadt und im Landkreis kostenlose Schnelltests an.

15 Teststationen hat der 46-Jährige seit Weihnachten aufgebaut: im Gärtnerplatztheater, in Bars und Restaurants, elf befinden sich in der Landeshauptstadt, vier im Landkreis München. Geöffnet haben sie täglich von acht bis 18 Uhr. Die kostenlosen Bürgertests werden von geschulten Mitarbeitern ohne vorherige Terminvereinbarung angeboten, beispielsweise im Bürgerhaus Haar, im Businesscampus Garching, an der Äußeren Hauptstraße 28 in Neubiberg und am Pater-Rupert-Mayer-Weg 1 in Taufkirchen.

„Wir bekommen bis zu einer Million Antigen-Schnelltests pro Woche.“

Während die Testfreudigkeit bei Bürgern und Arbeitnehmern zunimmt, hemmt vielerorts noch die Schwierigkeit, Tests zu beschaffen, das Angebot. Dank seiner Zusammenarbeit mit einem Fachhandel kann Heigis expandieren: „Wir bekommen bis zu einer Million Antigen-Schnelltests pro Woche.“ Er habe „einen starken Partner“, der den Einkauf der Tests vorfinanzieren könne. Und hier besteht das Risiko: Seine Firma Biotech & Capital Consulting GmbH mit Sitz in Grünwald muss in Vorleistung gehen. Die Abrechnung erfolgt „hoffentlich schnell“ , so Heigis, über die Kassenärztliche Vereinigung. „Zwischen 12 und 15 Euro bekommen wir für die Durchführung eines Tests“, genau weiß er es nicht, das hänge davon ab, ob die Teststellen als „ärztlich geleitet“ eingestuft werden. Das Risiko sei überschaubar, „schlafen kann ich weiterhin gut. Die Behörden kamen ja auf mich zu.“ Schließlich geht es darum, eine flächendeckende Infrastruktur für das kostenlose Testen aufzubauen, wenn man bald schon mit einem negativen Schnelltest ein Restaurant, Fitnesscenter oder Theater besuchen dürfen sollte.

Erkannte den Bedarf: Gerald Heigis (46) baut Teststellen in Stadt und Landkreis auf.

Die Nachfrage ist groß. „Im Bürgerhaus Haar kommen täglich 150 bis 250 Menschen zum Schnelltest“, berichtet Heigis. Sein Telefon glüht. Gerade hat der sportbegeisterte Wahlmünchner mit Wurzeln in Stuttgart und Tübingen die nächste Anfrage erhalten: Ein Münchner Kommunalpolitiker bat ihn, in München-Hadern eine Teststelle in einem Pfarrsaal einzurichten.

In seiner Zahnarztpraxis im olympischen Dorf arbeitet Heigis nur noch halbtags, so viel ist zu organisieren. Was ihn ermutigt und freut: „Viele Bürger schreiben uns so nette Mails, weil sie dankbar sind, dass sie problemlos ein Testangebot finden.“

Hohe Nachfrage vor Weihnachten

Die Idee mit den Teststationen entstand zufällig: „Vor Weihnachten fragten mich Patienten, die ihre Familien besuchen wollten, Sie sind doch auch Arzt, hier leben so viele Studenten, können Sie nicht auch Corona-Tests anbieten?“ Daraufhin las er sich in die Richtlinien ein.

Die Anforderungen sind hoch: Man braucht einen eigenen Raum und eine Fachkraft samt Schutzausrüstung für die Tests. Kurz darauf eröffnete er eine Schnelltest-Station in abgetrennten Räumen seiner Praxis. Sobald die Information unter „corona-teststelle-muenchen.de“ im Internet auftauchte, standen die Leute Schlange. „Wir wurden überlaufen.“

Gewappnet für die Testpflicht in Unternehmen

Heigis erkannte den Bedarf, sein Unternehmergeist war geweckt. Schnell fand er befreundete Gastronomen, die Räume anboten und Personal vermittelten. Vier Teststellen bauten sie noch vor Weihnachten gemeinsam auf. „Es gibt so viele Leute in München, die in der Gastro-Branche tätig sind und in der Pandemie keine Beschäftigung mehr haben.“ Damals mussten die Bürger 30 Euro für einen Schnelltest zahlen, begehrt waren sie trotzdem.

Doch nach den Feiertagen brach die Nachfrage ein. „Da hatten wir eine Durststrecke.“ Dennoch hielt Heigis das Angebot aufrecht, die Teststellen blieben offen. „Ich wollte ja auch die Mitarbeiter behalten.“ Am 8. März änderte sich die Situation schlagartig: Das Gesundheitsministerium kündigte an, jedem Bürger einen Corona-Schnelltest mindestens einmal pro Woche zu zahlen. Seither haben Heigis und seine Mitarbeiter viel zu tun. Und falls die Testpflicht für Unternehmen kommt, ist er auch vorbereitet: Auf Anfragen fahren mobile Teams mit Schnelltests in Unternehmen.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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