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Digitale Rundgänge in Immobilien-Objekten bietet Maklerin Isabella Schuster derzeit als Alternative an. 

Makler müssen improvisieren

Coronakrise legt Immobilienmarkt lahm

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Die Coronakrise hat auch den Immobilienmarkt im Landkreis München so gut wie lahm gelegt.  Maklerin Isabella Schuster wird in der Not erfinderisch und bietet virtuelle Wohnungs- und Hausbesichtigungen an. Und sie prophezeit auch eine Trend nach der Krise.

Unterhaching – Isabella Schuster ist gut beschäftigt. Wenn ihre beiden Söhne im Alter von zwei und sechs Jahren die 42-Jährige nicht auf Trab halten, sortiert und verschickt sie dieser Tage Preise an Dutzende Kinder. Die haben bei ihrem virtuellen Osterhasen-Suchspiel im Unterhachinger Sportpark mitgemacht. Möglich gemacht hat die Online-Hasensuche ein Computer-Programm, dass Schuster eigentlich für virtuelle Immobilienrundgänge nutzt. Denn die Unterhachingerin betreibt seit fünf Jahren auch ein eigenes Maklerbüro – und ist in Zeiten der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen über derartige technische Hilfsmittel mehr als dankbar.

Immobilienmarkt: Neue Abschlüsse gibt es nicht

Der Ausbruch der Pandemie hat selbst im Ballungsraum München die goldenen Zeiten für Immobilienmakler beendet. „Der Immobilienmarkt ruht fast völlig“, sagt Schuster. Zwar könnte sie Geschäfte, die bereits am Laufen waren, noch beenden. Doch was neue Abschlüsse angeht, schaut es derzeit düster aus.

Das liegt natürlich an der fehlenden Kundschaft. „Die Nachfrage ist deutlich abgeflaut“, erzählt Schuster. Nicht nur, weil sich der Fokus der meisten Menschen derzeit allein auf die Corona-Krise und deren Folgen richte. „Viele Leute, die vor Kurzem noch mit Gedanken gespielt haben, sich eine Immobilie zu kaufen, sind jetzt auch unsicher, ob sie es sich überhaupt noch leisten können“, erläutert die 42-Jährige. Die Menschen wüssten einfach nicht, wie es weiter geht, hätten Angst vor Kurzarbeit oder sogar dem Jobverlust.

Wohnungsbesichtigungen nicht möglich

„Hinzu kommt, dass ich die geringe Nachfrage, die noch da ist, nicht befriedigen kann“, sagt Schuster. Denn mit Interessenten Objekte zu besichtigen, war in den vergangenen Wochen so gut wie unmöglich – zumal die Unterhachinger Maklerin derzeit nur Objekte im Angebot hat, die noch bewohnt sind.

Zu Beginn der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sei die rechtliche Lage für Immobilienmakler, Sachverständige und Gutachter recht unklar gewesen, betont Schuster. Zwar sei Maklern die Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit nicht verboten worden, doch inwieweit Kunden aufgrund der Beschränkungen diese Tätigkeiten in Anspruch nehmen dürfen, habe man nicht gewusst. Hier habe es schließlich hilfreiche Hinweise seitens des Immobilienverbands gegeben.

Der Immobilienverband hat die vorgegebenen Richtlinien so interpretiert, dass der Makler zwar Haus- und Wohnungsbesichtigungen durchführen darf, der Kunde habe diese aber nur in Anspruch nehmen dürfen, wenn Dringlichkeit besteht. „Zum Beispiel, wenn die Wohnung des Kunden gekündigt oder verkauft wurde und er noch keine Ersatzwohnung hat. Oder wenn er aufgrund eines Arbeitsplatzwechsels in eine andere Stadt ziehen muss“, erklärt Schuster.

Alternative: Virtuelle Rundgänge

Erlaubt seien auch nur Einzelbesichtigungen gewesen. Das heißt, dass sich nicht mehrere Interessenten gleichzeitig ein Objekt anschauen konnten. Und die Besichtigung von Wohnungen, in denen noch jemand wohnt, sei besonders problematisch gewesen. „Zum Glück habe ich mir rechtzeitig die Software für die virtuellen Rundgänge angeschafft“, sagt Schuster. Sie habe schon länger mit dem Gedanken gespielt. Das Aufflammen der Corona-Krise habe letztlich den Anstoß gegeben, das Geld zu investieren. „Das Programm hilft mir jetzt. Ich kann die persönliche Besichtigung durch etwas möglichst Gleichwertiges ersetzen.“

Trotzdem befindet sich das Geschäft im Dornröschenschlaf. Zum Glück hat Schuster im Gegensatz zu vielen anderen Maklern keine Geldsorgen. Ihr Mann Markus arbeitet in der Versicherungsbranche und bringt weiterhin Geld nach Hause. „Außerdem haben wir immer solide gewirtschaftet und können von den Erträgen der Vergangenheit zehren“, sagt Schuster. Auch habe ihr familiengeführtes Unternehmen nur sehr geringe Fixkosten, weil sie zu Hause arbeitet und keine Mitarbeiter beschäftigt.

Maklerin prophezeit Trend nach der Krise

So wird Schuster die Krise einfach aussitzen und nutzt die Zeit, um beispielsweise ihre Internetseite auf Vordermann zu bringen. Sie ist sich sicher, dass das Immobiliengeschäft – zumindest was den Wohnungsmarkt in der Region betrifft – sich wieder erholen wird. „Die Menschen können ihr Eigenkapital in diesen Zeiten ja kaum rentabel anlegen“, meint ihr Mann Markus. „Die werden manche zwangsläufig wieder in Immobilien investieren.“ Und nach den Ausgangsbeschränkungen prophezeien die Schusters auch einen Trend: „Häuser und Wohnungen mit Garten werden künftig besonders gefragt sein.“

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