Unbeliebtes Vakzin: Viele Menschen vertrauen dem Impfstoff von AstraZeneca nicht.
+
Unbeliebtes Vakzin: Viele Menschen vertrauen dem Impfstoff von AstraZeneca nicht.

Reaktionen für Arzt „schwer verständlich“

Corona-Impfstoff AstraZeneca: Große Ablehnung in Impfzentrum - „20 bis 25 Prozent haben wieder abgesagt“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Viele der Impfberechtigten im Landkreis München lehnen den Corona-Impfstoff AstraZeneca ab. Unter medizinischem Personal ist die Skepsis besonders hoch. 

Landkreis – Noch vor wenigen Wochen diskutierte der Landkreis über zu wenige Impfdosen, jetzt beherrscht das Vakzin von AstraZeneca die Diskussion. Weniger wirksam, mehr Nebenwirkungen: Das sind die Argumente der Verweigerer. Sie wollen sich lieber das Vakzin von Biontech/Pfizer oder Moderna spritzen lassen, viele berechtigte Personen im Landkreis lehnen den Impfstoff von AstraZeneca ab. Bei Leitern der Impfzentren verursachen die Absagen Kopfschütteln.

Corona-Impfung in Bayern: Diskussion über AstraZeneca - viele lehnen Impfstoff ab

Einem Impfstoff-Wunschkonzert hat Landrat Christoph Göbel (CSU) bereits vergangene Woche eine Absage erteilt: „Diejenigen, die den Impftermin deswegen ablehnen, bekommen keinen anderen Impfstoff.“ Nun berichtet das Impfzentrum in Unterschleißheim von Menschen, die den Impfstoff ablehnen.

Viel Aufklärung nötig: Gerhard Bieber von den Johannitern, hier mit Stefan Füger (rechts). Sie betreiben das Impfzentrum in Oberhaching.

AstraZeneca-Impfung in Bayern: „20 bis 25 Prozent haben wieder abgesagt“

Vergangene Woche waren in Unterschleißheim Reihen-Impfungen mit medizinischem Personal geplant, rund 600 Menschen sollten gepiekst werden, sagt Arzt Friedrich Kiener, Leiter des Impfzentrums. „20 bis 25 Prozent haben wieder abgesagt.“ Die Ablehnung ist für den Arzt nur „schwer verständlich“.

Landkreisweit haben bisher zwischen 10 und 15 Prozent der Impfberechtigten den Stoff abgelehnt, teilt das Landratsamt auf Nachfrage des Münchner Merkur mit. Bislang wurden in den Landkreis 3000 Impfdosen von AstraZeneca geliefert, die Hälfte davon ist bereits verimpft. Gestern erwartete die Kreisverwaltung eine weitere Lieferung mit 1400 Dosen. Die Impfzentren verimpfen die vorliegenden Vakzine sukzessive. Bei Ablehnung werde sofort ein neuer Termin generiert, sagt eine Sprecherin des Landratsamts.

Impfstoff AstraZeneca: Stärkere Nebenwirkungen kommen nicht vom Vakzin

Die Argumente von Verweigerern zählen für Friedrich Kiener nicht. Dass Menschen nach einer AstraZeneca-Impfung mehr Nebenwirkungen spüren, etwa Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, liege nicht am Vakzin, sondern am Immunsystem der geimpften Personen. Diese sind viel jünger, nur Unter-65-Jährige bekommen den Stoff von AstraZeneca. „Das Immunsystem ist bei jüngeren Menschen deutlich stärker, deshalb gibt es nach einer Injektion stärkere Immunantworten“, sagt der Mediziner. „Nach ein, zwei Tagen ist mit den Nebenwirkungen wieder Schluss.“

Das Vakzin von AstraZeneca verhindert zudem zu 94 Prozent eine Einweisung ins Krankenhaus, sagt Gerhard Bieber von den Johannitern. Die Organisation betreibt das Impfzentrum in Oberhaching. „Viele Impfstoffe vor Corona hatten schlechtere Wirkungsgrade“, gibt er zu bedenken.

Der Skepsis der Betroffenen, also Rettungskräfte, medizinisches Personal und ambulante Pflegekräfte, versuchen die Mitarbeiter durch viel Aufklärung entgegenzutreten, sagt Claudia Hofberger, Ärztin im Oberhachinger Impfzentrum. „Der Tod durch Covid-19 ist auch nach einer AstraZeneca-Impfung praktisch ausgeschlossen“, versichert Kiener.

Impfzentrum-Leiter betont: Corona-Impfstoff spielt keine Rolle - viel Aufklärung nötig

Der Impfstoff spielt für den Arzt keine Rolle, Kiener drückt es so aus: Egal ob mit einem Toyota Yaris oder einer Mercedes-S-Klasse, das Ziel erreicht man mit beiden Autos. Verkehrsbehinderungen lauern dabei überall. Das Ziel ist klar: „Möglichst viele Menschen vor einer schweren Covid-19-Erkrankung schützen“. Er fordert nun Politiker auf, mehr Menschen zu Impfungen zuzulassen.

In Bayern sind Grundschulen und Abschlussklassen wieder zum Unterricht zurückgekehrt - trotz stagnierender Corona-Zahlen. Doch die Prognose von Schulleiter Torsten Bergmühl ist düster. Er glaubt:In zwei Wochen sperren wir wieder zu“. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.

(Von Max Wochinger)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare