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Auf den Philippinen wollte Lena Thurnes helfen, eine Schule aufzubauen.

Coronavirus

„Ein schlimmes Gefühl“: Unterhachingerin (24) muss Hilfseinsatz auf den Philippinen abbrechen

  • vonChristian Amberg
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Lena Thurnes (24) wollte auf den Philippinen mithelfen, eine Schule nach dem verheerenden Taifun von 2018 wieder aufzubauen. Jetzt ist sie früher als geplant wieder zu Hause.

Unterhaching – Sie wollte auf den Philippinen mithelfen, eine Schule nach dem verheerenden Taifun von 2018 wieder aufzubauen, jetzt ist sie früher als geplant wieder zu Hause. Stattdessen: Keller ausmisten und Puzzeln im Garten. Biochemie-Studentin Lena Thurnes (24) musste ihren Aufenthalt in der Provinz Cagayan im Nordosten des Inselstaates wegen der Coronakrise über Nacht abbrechen und hatte noch das Glück, einen umgebuchten Heimflug aus Manila zu erwischen, um zurück in die Heimat zu kommen. Da sitzt sie jetzt mit „einem sehr schlechten Gefühl. Weil man den Leuten mit dem Hilfseinsatz dort Hoffnung gemacht hat und dann von Jetzt auf Gleich die Zelte abbrechen musste ohne sichere Auskunft zu geben, wann man wiederkommt. Wir konnten uns nicht mal von allen verabschieden“.

Der ständige Austausch der Helfer war zu gefährlich

Die 24-jährige Unterhachingerin war für „All Hands and Hearts“ im freiwilligen Hilfseinsatz. Der internationalen Organisation geht es wie vielen anderen weltweit: Aufgrund der Ausbreitung desCoronavirus wurden die festen Mitarbeiter des Teams und alle temporären Helfer nach Hause geschickt und die Arbeiten eingestellt. Zu gefährlich wäre der ständige Austausch der Helfer, die aus aller Welt zur Unterstützung anreisen, für die Kollegen, aber auch die einheimische Bevölkerung gewesen. Auf den Philippinen, wo nach dem Bekanntwerden einer ersten Infektion die Hauptstadt des Landes innerhalb weniger Tage abgeriegelt wurde, ging alles besonders schnell. Alleine in der Taifun-Region der Insel waren noch vor zwei Wochen 16 Angestellte von „All Hands and Hearts“ im Einsatz, dazu rund 50 Freiwillige aus zehn Ländern der ganzen Welt. „Für die Mitarbeiter ist das Ganze noch schlimmer, weil sie ein paar Monate dagewesen wären und jetzt auch ihr Zuhause verlassen mussten“, sagt Lena, „das sind zum Teil Leute in meinem Alter.“

„Wir mussten die Menschen zurücklassen, denen wir helfen wollten“

Ihr Einsatz war für drei Wochen geplant, nach eineinhalb Wochen wurde bei einem Notfallmeeting die Notbremse gezogen. „Wir mussten über Nacht packen und sind am nächsten Morgen mit einem gecharterten Bus nach Manila aufgebrochen“, erzählt die Studentin. 18 Stunden Fahrt – und dann das Glück, dass in einem der letzten noch regulär durchgeführten Flüge nach Deutschland Platz war. „Wir haben Hals über Kopf alles stehen und liegen lassen“ – vor allem, und das ist für die 24-Jährige besonders bitter, „die Menschen, denen wir geholfen haben.“

Puzzeln im Garten: Jetzt kann Lena Thurnes daheim nur abwarten

Das Betonieren der Böden für die Schulgelände und das Vorbereiten der Wände von neuen Gebäuden wurde abrupt beendet, an der Situation, dass die Schüler wie seit über einem Jahr in Zelten auf der Straße unterrichtet werden und jedesmal Tische und Stühle wegtragen müssen, wenn ein Auto kommt, wird sich auf längere Zeit nichts ändern. „Eine schlimme Situation ist das dort eh schon“, berichtet Lena, „aber dass jetzt alle Helfer plötzlich weg sind, macht die Sache noch schlimmer. Jetzt ist es so, als wären wir nie dagewesen.“

Wann die Helfer zurückkehren können, ist ungewiss

Vorerst für zwei Monate ruht das Projekt, in vielen anderen Teilen der Erde geht es etlichen Hilfsorganisationen ähnlich. Dass es irgendwann weitergeht mit dem Wiederaufbau, ist in diesem Fall sicher. Ob und wann die Helfer zurückkehren – offen. Schließlich geht auch das Leben zu Hause in der Uni oder im Beruf weiter, in zwei oder drei Monaten kann nicht jeder einfach wieder antreten. Auch Lena hat sich darüber schon Gedanken gemacht: „Natürlich kommt das auch darauf an, wie es mit meinem Studium weitergeht. Da ist momentan alles in der Schwebe. Aber das Bedürfnis zurückzukehren und weiterzumachen, ist stark. Einfach, weil wir etwas angefangen und nicht zu Ende gebracht haben.“

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