Corona-Impfung beim Hausarzt: Das ist seit Anfang April auch im Landkreis möglich. In einigen Praxen gehen so viele telefonische Anfragen ein, dass die Leitungen blockiert sind.
+
Seit Mittwoch ist der Impfstoff von Astrazeneca in Bayern für alle Altersgruppen freigegeben

Coronavirus

Ansturm auf Anstrazeneca: Ärzte befürworten U60-Freigabe

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
    schließen

Seit Mittwoch ist der Impfstoff von Astrazeneca in Bayern für alle Altersgruppen freigegeben. Das sorgt für großen Andrang in den Hausarztpraxen.

Landkreis – Dass Astrazeneca seit Mittwoch in Bayern für alle Altersgruppen frei gegeben ist, begrüßen die Hausärzte im Landkreis. Jetzt kann sich ab sofort jeder bei ihnen mit Astrazeneca impfen lassen. Unter 60-Jährige werden ausführlich beraten.

Der Unterschleißheimer Hausarzt Dr. Friedrich Kiener hält die Freigabe für richtig. So kann er den Impfstoff auch bei interessierten jüngeren Leuten einsetzen. „Wir sind bei Astrazeneca raus aus der Priorisierung. Das ist ein Schritt hin zur schnelleren Herdenimmunisierung“, sagt Kiener. Die Leute hätten sofort reagiert. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten, wer telefonisch nicht durchkommt, schreibt Mails und schickt Faxe.“

„Das ist sehr kontraproduktiv“

Auch in der Internistischen Hausarztpraxis in Oberhaching stand gestern das Telefon nicht still. Das Problem ist aber, dass nicht genug Astrazeneca zur Verfügung steht. Keine einzige Dosis sei für diese Woche geliefert worden. „Das ist sehr kontraproduktiv, in Zeitung und Radio wird zum Impfen aufgefordert, und wir haben Anfragen ohne Ende“, sagt Arzthelferin Doris Fragner.

Auch beim Aschheimer Allgemeinarzt Dr. Daniel Pohl füllt sich die Warteliste. Gleichzeitig macht der Mangel an Nachschub die Verabreichung schwer planbar. Die Patienten werden von der Praxis informiert, wenn ein Impfangebot für sie verfügbar ist. Manche kommen spontan innerhalb einer Stunde.

Lesen Sie auch: Das Ottobrunner Ehepaar Barbara und Manfred Bock wartet auf einen Impftermin. Dann kommt ein Anruf. Die Erlösung? Nein, am anderen Ende der Leitung meldeten sich Betrüger.

Bisher ist Astrazeneca bundesweit nur in drei Bundesländern für unter 60-Jährige freigegeben. Dass die Entscheidung des Freistaats richtig ist, erklärt Dr. Friedrich Kiener mit dem Vertrauensverhältnis. „Die Hausärzte kennen ihre Patienten“, sie könnten einschätzen, wem sie ein Impfangebot mit Astrazeneca machen. „Wir klären die Patienten auf und lassen diejenigen außen vor, die beispielsweise schon eine Thrombose hatten, so kann man das Risiko umschiffen.“ Er hält es auch für richtig, dass Betriebsärzte schon bald mit dem Impfen beginnen.

Großhändler liefern kaum Astrazeneca

Doch auch diese Woche haben die Großhändler kaum Astrazeneca ausgeliefert. „Dafür gab es mehr Biontech“, sagt Kiener. Nur gilt für diesen Impfstoff ja nach wie vor die Priorisierung.

Wie es nächste Woche mit dem Nachschub aussieht, kann nur das Bundesgesundheitsministerium sagen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayern wird in Berlin vorgegeben, wie viele Impfdosen von welchem Hersteller für die Praxen zur Verfügung stehen. Demnach ist auch für die kommende Woche Astrazeneca nicht für die Praxen vorgesehen. Es sollen aber zwei Millionen Dosen Biontech geliefert werden.

In den Impfzentren spielt die Astrazeneca-Freigabe keine Rolle. „Wir bekommen kein Astrazeneca mehr“, sagt Gerhard Bieber von der Johanniter Unfallhilfe, die das Impfzentrum in Oberhaching betreibt. „Bei uns wird nur noch Biontech und Moderna verabreicht.“

Über alle Informationen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare