Mehr Stress für die Schüler durch zwei zusätzliche schulfreie Tage? Manche Eltern sehen den von der Staatsregierung verordneten vorzeitigen Beginn der Weihnachtsferien in Bayern kritisch..
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Mehr Stress für die Schüler durch zwei zusätzliche schulfreie Tage? Manche Eltern sehen den von der Staatsregierung verordneten vorzeitigen Beginn der Weihnachtsferien in Bayern kritisch. (Symbolfoto)

Entscheidung von Bund und Länder

„Es zählt doch jeder Unterrichtstag“: Eltern kritisieren vorgezogene Weihnachtsferien

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Bayerns Schüler starten heuer früher in die Weihnachtsferien. Bei den Eltern stößt die Entscheidung auf wenig Gegenliebe. Die Kritik: Die Klassen hinken mit dem Stoff eh hinterher.

Landkreis – Die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern treffen Eltern und Schüler nicht so hart, wie im Vorfeld des Lockdown-Gipfels befürchtet worden ist. Eine Verlängerung der Weihnachtsferien im Januar ist vom Tisch, der viel diskutierte Wechselunterricht soll nur bei einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 200 zum Tragen kommen – und zwar erst ab Jahrgangsstufe acht. Die vermutlich gravierendste Maßnahme hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits Anfang der Woche bekannt gegeben: das Vorziehen des Ferienbeginns in Bayern auf den 19. Dezember.

Letzteres stößt bei Eltern auf Kritik. „Derzeit zählt doch jeder Schultag“, sagt Sabine Theiner aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Der zwölfjährige Sohn der Diplom-Verwaltungswirtin besucht die Realschule in Neubiberg, Tochter Linda (15) geht auf ein Gymnasium in München. „Meine Tochter muss noch jede Menge Stoff aus dem vergangenen Schuljahr nachholen“, erzählt Theiner, „hat deshalb jede Woche Zusatzstunden in Latein und Mathe.“ Darum hat Theiner auch wenig Verständnis dafür, dass einfach Unterrichtstage gestrichen werden. „Man hätte in den zwei Tagen zumindest Digitalunterricht anbieten können“, sagt sie.

„Das bedeutet für uns immer mehr Stress“

Selbst Tochter Linda ist vom früheren Ferienbeginn gar nicht so begeistert. Ein Teil ihrer Klasse musste erst kürzlich in Quarantäne, weil ein Mädchen aus einer anderen Klasse, die mit ihr im gemeinsamen Religionsunterricht ist, positiv getestet wurde. Deshalb wurden geplante Schulaufgaben verlegt. Weil nun die Ferien früher beginnen, bleibe immer weniger Zeit für die Lehrer, um Schulaufgaben zu schreiben und andere Noten zu machen, sagt sie. Leidtragende seien die Schüler. „Das bedeutet für uns immer mehr Stress.“

Auch Peter Kindiger aus Unterhaching, Vater einer neunjährigen Tochter, hält nichts vom vorgezogenen Ferienbeginn. Zwar hat der Systemengineer ebenso wie Theiner kein Betreuungsproblem, weil er im Homeoffice arbeiten kann. Aber auch er sagt: „Die Kinder müssen noch so viel vom vergangenen Schuljahr nachholen.“ Schließlich sei der Distanz-unterricht beim ersten Lockdown im März nicht viel mehr gewesen als eine Hausaufgabenbetreuung durch die Eltern. „Mit Schulunterricht hatte das nicht viel zu tun“, kritisiert er. Zudem müsse man an die Eltern denken, die nicht von zu Hause arbeiten können und sich nun frei nehmen müssen. „Das trifft manche hart.“

Regierung „kann Kindern nicht vorschreiben, was sie in den freien Tagen machen“

Dass sich die zwei schulfreien Tage positiv auf das Infektionsgeschehen auswirken, bezweifelt Kindiger. Wenn die Kinder stattdessen in den Hort oder eine andere Betreuung gehen oder sich gar unbeaufsichtigt mit Freunden treffen, habe man nichts gewonnen. „Die Staatsregierung kann den Kindern ja nicht vorschreiben, was sie in den freien Tagen machen“, meint dazu Theiner.

Rosmarie Steininger, Elternbeiratsvorsitzende am Gymnasium Ismaning, kann sich dagegen schon vorstellen, dass der vorgezogene Ferienbeginn etwas bringt. Mit dem Ausblick, Weihnachten gemeinsam mit den Großeltern feiern zu können, könnte so mancher Jugendlicher die Kontaktbeschränkungen doch etwas ernster nehmen, hofft sie.

Kritischer sieht sie den geplanten Hybrid- oder Wechselunterricht. Hier wünscht sie sich, dass die Behörden bei einer Entscheidung auch die individuellen Umstände vor Ort berücksichtigen. Zum Beispiel, ob es Hotspots vor Ort gibt und welche Schutzmaßnahmen die Schule getroffen hat. „An unserer Schule gibt es bereits einen gestaffelten Unterrichtsbeginn und keine Klassenvermischungen mehr“, betont Steininger. Zwar hätten die Eltern mittlerweile Erfahrung mit Distanzunterricht und würden damit entspannter als noch im Frühjahr umgehen. „Aber gerade der Hybrid-Unterricht bringt die Lehrer doch an ihre Grenzen.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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