Kämpft für mobile Impfteams: Edith Michal, Vorsitzende des Fördervereins Soziale Dienste Unterföhring.
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Kämpft für mobile Impfteams: Edith Michal, Vorsitzende des Fördervereins Soziale Dienste Unterföhring.

Am Impfzentrum führt kein Weg vorbei – Druck auf Landrat wächst

Coronavirus: Forderung nach lokalen Impfteams für Senioren

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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In einem offenen Brief an Landrat Christoph Göbel werden mobile Impfteams gefordert, die Senioren daheim besuchen. So soll diesen der teils beschwerliche Weg in die Impfzentren erspart bleiben.

Landkreis – Es ist ein offener Brief mit Zündstoff: Edith Michal vom Förderverein Soziale Dienste Unterföhring (FSD) hat an Landrat Christoph Göbel (CSU) geschrieben. Ihre eindringliche Bitte: ein mobiles Impfteam für Senioren in Unterföhring. Denn viele ältere Risikopersonen könnten nicht aus eigenen Stücken ins Impfzentrum nach Haar fahren, das für sie zuständig ist (wir berichteten). Auch in anderen Kommunen stehen Senioren vor dem Problem.

Wenn die FSD-Vorsitzende Michal das Alter ihrer Mitglieder aufdröselt, ist schnell klar: Die meisten fallen in die Kategorie „Risikogruppe“. Allein 160 Mitglieder sind 80 Jahre oder älter. Wer davon nicht in einem Pflegeheim wohnt, der muss für eine Impfung zwangsläufig ins Impfzentrum. Das gilt freilich auch für viele andere Landkreis-Bürger. Das Problem: „Viele haben kein eigenes Auto, einige haben keine Angehörigen, die den Transport übernehmen könnten“, schreibt Michal an den Landrat. Öffentliche Verkehrsmittel und ehrenamtliche Fahrer kämen wegen der Ansteckungsgefahr nicht infrage. Die Bereitschaft ist da, das hat Michal in Gesprächen mit vielen älteren Mitmenschen erfahren: Fast alle wollen sich demnach impfen lassen. Sollte sich der Weg zum Impfzentrum allerdings als zu anstrengend herausstellen, würden viele Bürger unter Umständen von einer Impfung absehen. Das sei fatal. Was also nun? Die Lösung: Impfteams, die zu immobilen Bürgern nach Hause kommen, oder ein regionales Impfzentrum in Unterföhring.

Bürgermeister wirbt für lokale Impfzentren

Auch in anderen Kommunen macht man sich über diese Thematik Gedanken, etwa in Aying. Die Bevölkerung in der ländlichen Gemeinde muss für eine Impfung nach Oberhaching. „Es gab bereits Bürger, die nur mit Schwierigkeiten ins Impfzentrum gekommen sind“, erzählt Bürgermeister Peter Wagner (CSU). Auch er ist für ein lokales Impfzentrum, etwa im Bürgerhaus oder in der Turnhalle, das tageweise für Impfungen öffnen könnte.

Im Landkreis-Süden ist die Antwort auf die beschwerliche Anreise der Mobil-Mach-Bus, ein Transporter des Vereins „Kindernetz Schäftlarn“. Ehrenamtliche fahren Menschen aus Schäftlarn und Baierbrunn zum Impfen nach Oberhaching. „Maskenpflicht und Abstand im Bus müssen eingehalten werden“, berichtet Schäftlarns Bürgermeister Christian Fürst (CSU). Das Angebot sei rollstuhlgerecht und kostenlos.

„Hoffen, zeitnah eine praktikable Lösung anbieten zu können“

Und das Landratsamt? Dorthin war der Brief aus Unterföhring schließlich adressiert. Doch die Kreisbehörde hält sich bedeckt. Man prüfe derzeit mehrere Modelle, wie man „immobile Menschen“ impfen könne. „Wir hoffen, hier zeitnah eine praktikable Lösung anbieten zu können“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Die Johanniter betreiben das Impfzentrum in Oberhaching, ihre mobilen Impfteams könnten 350 Impfungen pro Woche verabreichen. Das Problem ist der Impfstoff. Wieder einmal. Ein Fläschchen des Herstellers Biontech/Pfizer enthält Impfstoff für mehrere Injektionen. Nach der Öffnung eines Fläschchens müsse der Impfstoff bisher aber zügig verimpft werden, sagt Gerhard Bieber von den Johannitern. Würde man nun von Haus zu Haus ziehen, um Senioren daheim zu impfen, müsse man wegen der Pausen schlimmstenfalls wertvolle Impfdosen wegschmeißen.

FDP erhöht Druck

Nach neuen Erkenntnissen des Herstellers könnte der Impfstoff nun doch länger haltbar sein. Mehr Möglichkeiten erhofft sich Bieber zudem vom Impfstoff von Moderna. Man warte auf Anweisungen vom Landratsamt.

Auch aus dem Kreistag erhöht sich der Druck auf Landrat Göbel: Die FDP will anlässlich des offenen Briefs wissen, ob und wann mit mobilen Impfteams zu rechnen ist.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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