Das Coronajahr 2020 mit seinen Lockdowns hat auch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis deutliche Spuren hinterlassen. So meldeten sich viel mehr Menschen arbeitslos als noch 2019.
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Unter den Unternehmen im Landkreis gibt es in der Krise Gewinner, ein Mittelfeld und Verlierer. (Symbolbild)

Coronavirus

„Es lebt der Dilettantismus“: IHK-Vertreter fordern Öffnungsstrategie für Unternehmen

  • Marc Schreib
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Zehn bis 15 Prozent der Unternehmen im Landkreis München kämpfen laut der IHK ums Überlegen. Der Verband fordert daher nun eine nachvollziehbare Öffnungsstrategie.

Landkreis – Unter den Unternehmen im Landkreis gibt es in der Krise Gewinner, ein Mittelfeld und Verlierer. Etwa zehn bis 15 Prozent müssen ums Überleben kämpfen. Beim virtuellen Pressegespräch stellten Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landkreis München, und Robert Obermeier, Leiter der IHK-Geschäftsstelle München, die Lage der Betriebe und Unternehmen vor und in der Krise dar. Sie wollen unter anderem ihre Mitglieder dazu motivieren, an der Wahl der Mitglieder der IHK-Vollversammlung und der Regionalausschüsse im April und Mai teilzunehmen. Schließlich habe es vor fünf Jahren das erste Mal einen Regionalausschuss der IHK im Landkreis München gegeben mit dem Ziel, dass die Wirtschaft im Landkreis mehr Präsenz entwickelt. Mit Erfolg.

Die Omnipräsenz von Corona ist unbestreitbar, aber die IHK möchte das Virusgeschehen gerne in Relation zur übrigen Wirklichkeit setzen und eine sorgfältige Abwägung der Gesamtsituation vorzunehmen. Christoph Leicher: „Wir können nicht so tun, als wäre es die größte Katastrophe. Es lässt sich nicht durchhalten zu sagen, neben der Lebensrettung ist uns der Rest wurscht.“

„Warum soll ich nicht durch ein Museum so gehen können wie durch einen Baumarkt?“

Ob ein Unternehmen gut durch die Krise kommt, hängt laut IHK-Befund nicht von der Größe ab, sondern vom Geschäftsfeld. Und da gebe es selbst im Gaststättengewerbe nicht nur Verlierer. Manche seien zufrieden, hätten die Hilfen angenommen, das Personal reduziert. Leicher: „Sie kommen zurecht.“ Andere wiederum habe es kalt erwischt, vor allem die Kleinstunternehmen wie Cafés in den Fußgängerzonen. „Dort wo man sich trifft und sich bisweilen auch der Bürgermeister vorbeischaut und sich einen Espresso holt.“

Oder in der Kultur. Leicher hält es für unangemessen, sich mit pauschalen Argumenten gegen eine Öffnung zu stellen. „Warum soll ich nicht durch ein Museum so gehen können wie durch einen Baumarkt?“ Viele Politiker hätten inzwischen das Maß verloren und auch den Bezug zum Verfassungseid.

Auch bei der Ausbildung hakt es.

Panikmitteilungen verunsicherten die Menschen, und auch die Kinder könnten mit den Auswirkungen der Pandemie nicht gut umgehen. „Wir können ihnen nur sagen, es wird schon wieder.“ Es sei offensichtlich, dass die Lage der Politik entglitten sei. Christoph Leicher findet klare Worte: „Es leben der Dilettantismus, die Angst, die Planlosigkeit.“ Man trete das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft mit Füßen: „Dieser Wahnsinn, dass staatlicherseits eingegriffen wird.“ Er nennt ein Beispiel. Warum bekommen die Apotheken alle 25 000 Euro pauschal bezahlt – egal wie groß sie sind –, damit sie sich um die Tests und die Masken kümmern? Dieser Planpreis habe nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Daher sei es ein gutes Signal, dass einige Apotheker im Landkreis das für unanständig halten und das Geld nicht annehmen. Es sei richtig, dass die Unternehmen rufen: „Jetzt reicht’s, macht endlich auf und honoriert, was wir geschaffen haben. Man muss sie arbeiten lassen!“ Die Bereitschaft der Unternehmen zum Mittragen dieser Politik schwinde.

Auch bei der Ausbildung hakt es. Die ganze Welt schaut nach den Worten des IHK-Vorsitzenden neidvoll auf die Region München und ihr duales Ausbildungssystem. Aber in der jetzigen Krise stehe man vor einer schwierigen Aufgabe. Man könne dem Auszubildenden nicht erklären, er soll im September kommen und ihm dann wegen ausbleibender Aufträge absagen. In vielen Branchen, nicht nur in der Gastronomie, seien großen Abnehmer von heute auf morgen komplett ausgeblieben. Viele Unternehmen seien auf ihren vorfinanzierten Lagerbeständen sitzen geblieben. Ist die Ware nur begrenzt haltbar, muss sie verschrottet werden. Das war weder der Einkaufs- noch der Produktionszweck. Ein solches Unternehmen werde im Herbst nicht mit Begeisterung Azubis einstellen.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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