Eine Altenpflegerin führt im Seniorenheim Pauline-Krone-Heim der Altenhilfe Tübingen einen Antigen-Corona-Schnelltest durch.(zu dpa: "Das große Testen")
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Die Alten- und Pflegeheime sind in Bezug auf das Coronavirus besonders gefährdet.

Landkreis will Menschen in Pflegeheimen vor Isolation zu bewahren

Pflegeheim-Bewohner droht Isolation: Schnelltests gegen die Einsamkeit

  • vonAndreas Sachse
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Die Bewohner von Pflegeheimen sollen trotz Lockdown und verschärften Besuchsregeln nicht einsam sein. Der Landkreis prüft daher, wie er diese Menschen vor der Isolation bewahren kann. 

Landkreis – Der drohenden Isolation von alten Menschen und Behinderten in Pflegeheimen im Zuge der Coronakrise will der Landkreis entgegenwirken. Wie das geschehen soll, bleibt allerdings zunächst offen. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten will das Landratsamt sein Bestes geben, heißt es aus dem Kreistag.

Wie Landrat Christoph Göbel (CSU) in der letzten Sitzung des Jahres in Ismaning durchblicken ließ, ist es mit den eigenen Möglichkeiten nicht weit her. Das gilt zumindest für den Dringlichkeitsantrag, mit dem die FDP auf das Thema im Zuge des beschlossenen Lockdowns aufmerksam gemacht hat.

Kosten? Täglich 26 000 Euro !

Die neuen Regularien gestatten Besuche in Pflegeheimen nur nach negativem Schnelltest. Das gilt selbst für nächste Angehörige. Die Sorge, dass der zusätzliche Aufwand an Zeit und Geld den ein oder anderen Besuch vereitelt, veranlasste die FDP zu fordern, Schnelltests im kreiseigenen Testzentrum in Haar gratis anzubieten. In den Pflegeheimen selbst sollten zudem ausreichend FFP2-Masken für Besucher kostenfrei angeboten werden.

Die Kosten über täglich 26 000 Euro allein für Schnelltests und den personellen Aufwand sieht sich der Kreis kaum zu tragen in der Lage. Zumal die Angelegenheit bereits vom Staat geregelt ist. Tatsächlich können Pflegeheime bereits seit einiger Zeit Schnelltests über die Gesundheitsamt anfordern. FFP2-Masken werden seit Dienstag in Apotheken verteilt; zunächst an Risikogruppen wie Vorerkrankte und Senioren. Die FDP zog ihren Antrag daher zurück.

Einrichtungen müssen Tests selbst organisieren

Dass die Maßnahme Sinn macht, zeigen die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr. Gerade für Hochbetagte war die Zeit der Isolation kaum zu ertragen, erinnerte CSU-Sprecher Stephan Schelle. Die Sterblichkeitsrate in Seniorenheimen explodierte. Dass nun ausgerechnet die „Schutzbedürftigsten unserer Gesellschaft“ erneut von Isolation bedroht seien, nannte Manfred Riederle (FDP) eine menschliche Tragödie.

Von 81 Pflegeheimen im Landkreis dürfen 76 Schnelltests beziehen. Fünf Anträge sind noch in Bearbeitung, sollten aber ebenfalls positiv beschieden werden. Die Einrichtungen müssen die Tests selbst vor Ort organisieren. Jedem Besucher steht wöchentlich ein Gratis-Test zu.

„Die werden Rabatz bekommen, wenn...“

Abgesehen davon, dass Schnelltests von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden sollten – Landrat Göbel warnte vor unabsehbaren Folgen eines falschen Negativ-Ergebnisses –, sieht sich womöglich nicht jede Einrichtung in der Lage, die Tests durchzuführen. Kreisrätin Nicola Gerhardt (CSU) warnte vor dem sich ankündigenden Dilemma, weniger gut organisierter Pflegeheime. „Die werden Rabatz bekommen, wenn Angehörige Weihnachten nicht zu ihren Verwandten können.“

Diesem Dilemma entgegenzusteuern, will der Landkreis im Rahmen seiner Möglichkeiten behilflich sein. So kündigte Landrat Göbel an, zu prüfen, inwieweit Testzentren ihren Anteil an der Aufgabe übernehmen können.

Trotz der auf den ersten Blick vielfältigen Möglichkeiten drohen für die Festtage Engpässe. Nach Angaben des Landratsamts gibt es etwa 4000 Bewohner in Pflegeheimen. Wenn 4000 Verwandte am Weihnachtstag in die Testzentren drängen, droht der Kollaps. Der Kreis verweist deshalb auf Alternativen, wie Corona-Tests beim Hausarzt.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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