Vor dem Bildschirm statt in der Schule hat am Montag der Unterricht wieder begonnen.
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Vor dem Bildschirm statt in der Schule hat am Montag der Unterricht wieder begonnen. (Symbolbild)

Eltern müssen oft helfen

Bilanz nach erstem Tag: Schulneustart ohne Bruchlandung

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Vor dem Bildschirm statt in der Schule hat gestern der Unterricht wieder begonnen. Die ersten Rückmeldungen am Montagmittag fielen reihum positiv aus. 

Landkreis – Der Online-Neustart nach den Ferien scheint an den meisten Schulen gut gelaufen zu sein. Die ersten Rückmeldungen am Montagmittag – positiv. Vielen hört man die Erleichterung an. Wie etwa Nikola Kurpas, Rektorin der Mittelschule in Taufkirchen. „Es klappt gut“, sagt sie. Nur von fünf der insgesamt 300 Schüler habe man nichts gehört. Alle andere hätten sich „sehr motiviert“ am Morgen zur ersten Online-Konferenz gemeldet. An der Mittelschule läuft fast alles über Microsoft Teams. „Jede Klasse war seit September mindestens einmal in unserem PC-Raum und hat den Umgang damit geübt“, erzählt Nikola Kurpas. „Auch viele Lehrer haben sich während der Ferien nochmals intensiv mit dem Thema Distanzunterricht beschäftigt.“ Im Gegensatz zum ersten Lockdown seien mittlerweile viele Familien mit Computer oder einem mobilen Gerät ausgestattet. Elf Leihgeräte wurden ausgegeben. „Und auch die Eltern lesen zuverlässiger alle Emails, die wir schicken.“ Jede Klasse habe einen Wochenstundenplan – eine Mischung aus Online-Konferenzen und Freiarbeit mit Arbeitsaufträgen, wobei die Lehrer immer erreichbar seien, um zu helfen. „Die Herausforderung wird jetzt, die Schüler auch die kommenden Wochen bei der Stange zu halten“, sagt Kurpas.

Videokonferenzen und Arbeitsaufträge

Pünktlich um 8 Uhr startete auch der Distanzunterricht am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching. Auch hier setzt man schon länger auf die Plattform Microsoft Teams. „Mit der Nutzung von mebis waren wir seit jeher zurückhaltend“, erklärt Schulleiter Armin Eifertinger. Jeder Schüler hatte frühzeitig einen Wochenplan bekommen. Der Schultag – eine Mischung aus Videokonferenzen und Arbeitsaufträgen. „Es ist ganz wichtig, dass sich die Schüler mindestens einmal pro Tag – wenn auch nur online – sehen“, sagt Eifertinger. Die Anwesenheit werde regelmäßig überprüft. Mittlerweile sei auch sichergestellt, dass jeder die technischen Möglichkeiten zuhause habe, um am Unterricht teilzunehmen. Insgesamt 50 Leihgeräte hat die Schule ausgegeben. „Und wir haben in er nächsten Zeit ein Augenmerk drauf, wer noch was braucht“, so Eifertinger.

Enger Kontakt zu den Elternvertretern

Mit dem Elternbeirat und den Klassenelternsprechern stehe man im engen Kontakt. Was läuft gut, wo muss man nachbessern? Im Lehrer-Kollegium hilft man sich gegenseitig bei technischen Problemen. „Ein heißes Thema ist derzeit die Arbeitszeit“, sagt Eifertinger. „Denn im Prinzip erwarten viele, dass die Lehrkraft rund um die Uhr erreichbar ist und immer gleich auf Emails reagiert.“ Ein Kernproblem, das er sieht: „Die soziale Ungerechtigkeit wird sich durch den Distanzunterricht verstärken.“ Gerade Schüler, die zuhause wenig Unterstützung erfahren, dürfe man in dieser Zeit nicht verlieren.

Das ist auch Antje Zeisler, Rektorin der Grundschule an der Camerloher Straße in Ismaning, ein großes Anliegen. „Gut angelaufen“ resümierte sie nach den ersten Schulstunden. Die Kinder bekämen Wochenpläne, auf denen die Schulinhalte nach Tagen gegliedert sind. Arbeitsmaterialien sind digital erhältlich. „Wenn jemand keinen Drucker hat, stellen wir sicher, dass er sie an der Schule kontaktlos abholen kann“, erklärt Antje Zeisler. Auch hier arbeiten viele Lehrer mit Teams. „Im Präsenzunterricht haben sie mit den Kindern geübt, wie man das benutzt.“ So hätten auch die Erstklässer schon Videounterricht und „alle waren pünktlich dabei“. Schüler, für die der Distanzunterricht zum Problem wird, will Zeisler auch mal in die Notbetreuung bestellen. Zwei Gruppen werden dort derzeit betreut. „Kein Kind soll auf der Strecke bleiben“, so Zeislers Ziel.

Bei jungen Schülern sind die Eltern gefragt

Die Meinungen der Eltern zum Online-Schulstart waren gemischt. Rückmeldungen aus dem Landkreis zeigten, wie unterschiedlich jede Schule den Distanzunterricht gestaltet. Auch wenn Teams und sogar auch mebis, die viel kritisierte Bildungsplattform des Kultusministeriums am Montag überwiegend gut funktionierten, gab es auf anderen Plattformen Ausfälle oder an mancher Schule auch Probleme, eine stabile Verbindung zu den Schülern zu bekommen.

Einige Eltern kritisierten, dass es an der Schule ihres Kindes zu wenig Online-Unterricht beziehungsweise Videokonferenzen gebe, sondern nur Arbeitsaufträge. Was besonders deutlich wurde: Gerade die jüngeren Schüler schaffen es noch nicht, den Online-Unterricht und die Arbeitsaufträge ganz eigenständig zu erledigen. Da sind in den meisten Fällen stark die Eltern gefragt, um alles in geregelte Bahnen zu lenken.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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