Passanten laufen mit Masken durch eine weihnachtlich geschmückte Straße.
+
Dem Einzelhandel brechen in der Vorweihnachtszeit die Einnahmen weg.(Symbolbild)

Teil 1

Irgendwie durchhalten: So geht der Einzelhandel mit dem Lockdown um

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
    schließen

Ab Mittwoch muss ein Großteil der Geschäfte im Landkreis München zusperren. Lockdown. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wir haben Einzelhändler gefragt, was das für sie bedeutet.

Landkreis – Den ersten Lockdown im Frühjahr haben die Einzelhändler im Landkreis München irgendwie überstanden – trotz deutlicher Umsatzrückgänge. Es dauerte zwar, bis die Kunden zurückkamen, der Sommer lief vielerorts aber richtig gut. Nun müssen all‘ die, die keine Lebensmittel verkaufen, wieder zusperren. Wir haben uns bei Geschäftsleuten umgehört, was der erneute Lockdown für sie bedeutet. Es gilt das Prinzip: irgendwie Durchhalten.

Angelika Schmidl von „11teamsports“ im REZ hofft auf den Rückrundenauftakt Ende Januar.

„Es hilft ja nichts. Was sollen wir denn sonst tun“, fragt Angelika Schmidl. Seit 26 Jahren dreht sich im „11teamsports “ alles um den Fußball. Ideale Lage im Räter-Einkaufs-Zentrum (REZ) Heimstetten. Schmidl und ihr Team statten Hobby- und Profikicker aus mit Stutzen, Schuhen und Trikots. „Das Geschäft lief super, wir haben viele Vereine, die wir komplett ausstatten“, erklärt Schmidl. Zahlreiche Vereins-Tafeln zieren als Beleg ihren Laden. Die vier Monate im Sommer haben ihrem Umsatz gut getan. Nach dem Lockdown im Frühjahr begannen die Vereine wieder mit dem Training und die Nachfrage nach Ausstattung zog an. Aber mit dem milden Lockdown im November war schlagartig Schluss. Zudem bricht die Hallensaison komplett weg und natürlich die Weihnachtsfeiern. „Samstagmittag und der Laden ist leer, das gab es um die Zeit sonst nie“, sagt Schmidl. Sie kann dem erneuten Lockdown allerdings etwas Positives abgewinnen, denn: „Dann geht es eventuell Ende Januar wieder los, dass zumindest draußen trainiert werden kann.“ Und dann würden auch wieder Fußballschuhe, Bälle und Trainingsanzüge über ihren Ladentisch gehen. „Wir werden das schon bis dahin schaffen“, gibt sich Schmidl kämpferisch.

Alexandra Wöllinger vom „Durchblick“ in Haar muss nicht zusperren: „Wir sind Notfallversorger.“

Anders als Trikots werden Brillen auch in den kommenden Wochen gebraucht. Die Optiker bleiben auf. „Wir waren vom Lockdown nicht betroffen“, sagt Alexandra Wöllinger vom Haarer „Durchblick. „Wir sind Notfallversorger.“ Das werde auch weiterhin so sein, die Optikerinnung sei da hinterher und unterstütze. Und trotzdem ist es an diesem Nachmittag ruhig im „Durchblick“. Das alleinige Öffnen-dürfen bringe trotzdem keinerlei Umsatz, denn vielen Kunden sei gar nicht bewusst gewesen, dass das Geschäft geöffnet hat. Die Konsequenz: Der Haarer Optiker hat die Zahl der Mitarbeiter auf zwei heruntergefahren, die das hauptsächlich auf Reparaturen beschränkte Geschäft abwickeln. Denn Neubrillen würden derzeit kaum verlangt. Auch das Weihnachtsgeschäft sei fast komplett weggebrochen. Wöllinger: „Einen einzigen Geschenkgutschein habe ich verkauft.“

Das traditionsreiche Tabakgeschäft in der Unterschleißheimer Bezirksstraße besteht seit 96 Jahren und wird in dritter Generation geführt. Trotz DHL-Paketshop musste es im März schließen, der Inhaber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat aber keine Existenzsorgen: „Die Immobilie gehört mir und ich habe keine Angestellten.“ Trotzdem merkt er, dass die Kunden daheim bleiben. Normalerweise seien die zehn Tage vor Weihnachten entscheidend für den Jahresumsatz, und da stehen „die Zeichen in diesem Jahr schlecht“. Auf eines kann sich der Inhaber des Tabakgeschäfts allerdings auch derzeit verlassen: „Meine Stammkundschaft ist mir treu.“ Und er tue alles, diese Freundschaft zu erhalten. Das Erfolgsrezept? „Kundennähe und Service machen sich bezahlt.“

Peter Graf vom „Weingraf“ in Unterschleißheim kann derzeit keine Verkostungen anbieten. Auf hat er aber.

Auch im Weinhandel von Peter Graf nebenan läuft das Geschäft und wird es auch noch während des Lockdowns. Dennoch kann sich der „Weingraf“ nicht uneingeschränkt freuen., „Weniger Kunden sind es auch bei mir.“ Hinzu kommen fehlende Veranstaltungen wie das Unterschleißheimer Straßenfest und die Weinproben, die er schon länger nicht mehr organisiert. Auch bei ihm sind es die Stammkunden, die ihm die Stange halten, die die Qualität seiner Weine und die Beratung schätzen. Graf ist froh, dass die Kunden bei der Qualität und beim Preis keine Abstriche machen.

Christina Boretzky vom gleichnamigen Juweliergeschäft in Unterschleißheim macht sich keine Sorgen.

Bei Christina Boretzk birgt auch der zweite totale Lockdown keine Geschäftsgefahr. Gestern hätte in ihrem Juwelier- und Goldschmied-Geschäft eigentlich das Weihnachtsgeschäft beginnen sollen. In diesem Jahr bleiben zwei Tage“, sagt sie. Aber ihr Familienbetrieb mit sieben Mitarbeitern in drei Filialen würde auf jeden Fall überleben. „Wir haben das Knowhow im Handwerk. Wir sind alle gelernte Uhrmacher und Goldschmiede und haben eine große Werkstatt, wo ein Großteil der Schmuckstücke selbst gefertigt wird.“ Der Betrieb hat eine eigene Gießerei. Geschäfte oder Schmuck-Ketten, die nur auf Handelsware setzen, würden sich natürlich schwertun. Aber Boretzky ist ein Traditions-Familienbetrieb, der zum einen „gut gewirtschaftet“ habe und auch, als sich ein weiterer Lockdown andeutete, „sehr gut und vorsichtig gehaushaltet“ habe. „Für uns wird es auf jeden Fall weiter gehen.“

Sylvia Schreiner von der „Ringelblume“ in Garching lässt sich nicht unterkriegen. Sie liefert Gestecke auf Bestellung.

Keinesfalls unterkriegen lässt sich auch Sylvia Schreiner von der „Ringelblume“ in Garching. Obwohl sie in zwei Tagen wieder ihren Laden schließen muss, ist für Schreiner das Glas stets halb voll und nie halb leer. Sie wird im Lockdown weiterhin Blumengrüße liefern, Stammkunden und Firmen kaufen weiterhin, denn „Blumen passen zum Glück immer“, sagt Schreiner. Aus ihrer Sicht müssten die Hotels endlich wieder öffnen, denn diese Branche sei für sie ein sehr starkes Standbein, „die Dekorationen fehlen uns sehr“. Dafür habe gerade über das Internet der Verkauf von Zusatzartikeln, wie Dufttüten, Seifen oder auch Cremes zugenommen. Bei der Ringelblume gibt es keinen Mindestbestellwert, „das honorieren die Kunden“. Und werden sich, so die Hoffnung, auch nach dem Lockdown daran erinnern.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare