Wirt Michael Sechehaye vor dem Flugwerk in Feldkirchen
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Lieferung per Skateboard? Natürlich nicht. Michael Sechehaye vom Flugwerk Feldkirchen liefert mit dem Auto. Pommes und Ente bleiben knusprig, verspricht er.

Abhol- und Lieferservice wegen Lockdown-Schließung

Das Wirtshaus für daheim: So läuft das To-go-Geschäft

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Während des Lockdowns bieten viele Gastronomen ihr Essen wieder „To go“ an. Wie das Geschäft mit dem Liefer- und Abholservice läuft, verraten sie hier.

Landkreis – Mit einem großen Schild am Ortseingang macht Holger Müller, der Wirt der Waldeslust in Unterhaching, auf sein neues Angebot aufmerksam. Das Essen gibt es bei ihm jetzt auch zum Mitnehmen. „To go“, wie das neudeutsch heißt. Und dieses Angebot nehmen die Gäste gut an. Zum Glück, möchte man sagen. Denn für viele Gastronomen im Landkreis München ist das Abholen oder Liefern die einzige Alternative, nachdem ihre Lokale nun schon seit einem Monat geschlossen sind. So bricht das Geschäft zumindest nicht ganz ein. Ein kleiner Trost.

„Ich habe mit To go schon im ersten Lockdown angefangen“, sagt Müller. Seine Speisen können die Kunden nicht nur per Telefon oder auf der Homepage bestellen, auch bekannte Lieferdienste haben die Waldeslust in ihre Auswahl an Restaurants aufgenommen. Per App können die Kunden die Gerichte schnell und einfach in den virtuellen Warenkorb legen – kurze Zeit später steht der Lieferant vor ihrer Haustür. Die Bezahlung erfolgt oft kontaktlos. Ein Vorteil in der jetzigen Zeit.

„Das Essen die Leute gerne“

„Ich habe mit To go schon im ersten Lockdown angefangen“: Holger Müller, der Wirt der Waldeslust in Unterhaching.

Das neue Geschäftsmodell „kommt gut an“, sagt Müller. Vor allem an den Wochenenden sind seine Fahrer – Familienangehörige oder Mitarbeiter – oft unterwegs und liefern Essen aus. Zwei bis vier Lieferanten sind täglich im Dienst. „Für die nähere Umgebung ist der Service kostenlos“, sagt Müller. Wenn sich ein Kunde das Essen in die Nachbargemeinden bringen lassen möchte, muss er mit einem Zuschlag von fünf bis zehn Euro rechnen.

Am meisten liefert das Waldeslust-Team Schnitzel oder Kaiserschmarrn aus. „Das Essen die Leute gerne“, weiß Müller. Die Gerichte packt er entweder in biologisch abbaubarem Einweggeschirr oder in nachhaltigem Mehrweggeschirr der Firma „Vytal“ ein. Das Mehrweggeschirr könne wieder bei der Waldeslust oder jeder anderen Wirtschaft abgegeben werden, die mit diesem System arbeitet. „Es ist sehr wichtig, dass man nicht so viel Plastik verwendet“, sagt Müller.

Obwohl der Wirt seinen Gästen für die zahlreichen Bestellungen dankbar ist, „ist das gerade ganz klar nur eine Notsituation“, sagt er. Mit Mehreinnahmen sei nicht zu rechnen.

Mittagsmenü oder a la carte

Ferdinand Zinner leitet das „Zinners“ in Taufkirchen mit seinem Bruder.

Ferdinand Zinner der mit seinem Bruder Sebastian das „Zinners“ in Taufkirchen führt, sieht das ähnlich. „Wir nehmen schon wesentlich weniger ein“, sagt er. Etwa 40 Prozent vom normalen Umsatz. Auch die Zinners setzen auf das To-go-Geschäft. Abholungen seien schon vor der Pandemie möglich gewesen, Essenslieferungen bieten sie erst seither an. Jeden Tag gibt es ein Mittagsmenü, „oder natürlich á la carte“, sagt Ferdinand Zinner. Ab 25 Euro Bestellwert liefern die Mitarbeiter das Essen nach Hause. Auch die beiden Brüder arbeiten mit Lieferservicen zusammen. „Wir haben Lieferando mit ins Boot geholt“, sagt der Gastronom. So können die Kunden unkompliziert per Handy ihr Essen bestellen.

Michael Sechehaye vom Flugwerk Feldkirchen bringt die Gerichte lieber selber zu seinen Kunden nach Hause. „Bei erstem Lockdown habe ich mich noch gegen To go gesträubt“, erzählt er. Nun liefert er das Essen in Feldkirchen, den Nachbargemeinden Aschheim, Vaterstetten und sogar nach München aus. Obwohl er die Gerichte mit dem Auto zu den Kunden bringt und die Gäste die Mahlzeiten auch abholen können, verdient Sechehaye gerade einmal fünf Prozent vom alltäglichen Umsatz. „Das ist fast nichts“, sagt er. Warum er sein Restaurant nicht zumacht? Für ihn sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben.

„Selbst die Pommes kommen kross“

Anfangs hatte er Bedenken, dass die Qualität auf dem Lieferweg leidet. „Doch selbst die Pommes kommen kross und die Ente knusprig an“, sagt Sechehaye. Letzteres gehört zu den Lieblingsgerichten seiner Kunden – vor allem in der Vorweihnachtszeit. „Der Höhepunkt ist, wenn ich vor dem Hauseingang der Kunden stehe und es noch aus der Lieferbox dampft.“

Schnitzel mit Pommes oder eine Viertel-Ente sind Gerichte, die das Flugwerk noch anbietet. „Aufgrund der derzeitgen Lage haben wir die Speisekarte verkleinert“, sagt Sechehaye. Und auch personell ist zurückgegangen. So arbeiten in der Abendschicht nicht mehr vier Köche, sondern nur noch ein Koch. Achtzig Prozent seiner Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. Sechehaye will sein Personal behalten und niemanden kündigen. Denn er weiß, „es ist schwer gute Leute zu bekommen“.

Bestellen, mit dem Auto abholen

Auch Traudl Schmidramsl, die Wirtin vom Neuwirt in Ismaning musste sieben ihrer 35 Angestellten in Kurzarbeit schicken. Da das Restaurant geschlossen ist, bedienen ihre restlichen Mitarbeiter die Kunden nicht in der Gaststube, sondern auf dem Parkplatz. Dort hat sich die Familie etwas Besonderes ausgedacht: einen Essens-Drive-In, mit Ein- und Ausfahrt. Die Kunden rufen vorher an und holen die Gerichte mit dem Auto ab. „Die fertigen Papiertüten bringt das Personal direkt zur Fahrertür“, sagt Schmidramsl. Für sie ist der Drive-In eine Übergangslösung bis die Wirtshäuser wieder öffnen dürfen. Und auch viele Restaurants werden ihren Lieferservice aus Zeit- und Kostengründen nach dem Lockdown wieder einstellen, da ist sie sich sicher.

Anders Holger Müller von der Unterhachinger Waldeslust. Er will das To-go-Geschäft aufrechterhalten. Das Schild am Ortseingang bleibt also stehen.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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