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Volle Wege: Radfahrer und Spaziergänger tummeln sich im Perlacher Forst. Den Mindestabstand einzuhalten war hier am Wochenende fast unmöglich.

Ausgangsbeschränkung missachtet

Coronavirus: Menschenmassen strömen in den Perlacher Forst

  • Stefan Weinzierl
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Im Perlacher Forst bei Unterhaching haben sich am Wochenende regelrecht Hotspots für sorglose Frischluftliebhaber gebildet, die eher lax mit den derzeitigen Verboten und Abstandsregeln umgehen. Besonders beliebt: die Flächen rund um den Hirschbrunnen und am Perlacher Mugl.

Unterhaching – „Im Wald, da sind die Räuber“, heißt es im gleichnamigen alten deutschen Volkslied. Nun trifft man Räuber heutzutage glücklicherweise kaum noch, wenn man durch den Wald spaziert, genauso wenig in der Regel aber auch die Polizei. Letzteres kommt genau denjenigen zugute, die momentan, in Zeiten der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, bei frühlingshaften Temperaturen nicht komplett auf das Verzichten wollen, was sie sonst gerne machen: ein Sonnenbad genießen, mit den Kindern picknicken, sich gemeinsam mit Gleichgesinnten treffen. Und so haben sich in den vergangenen Tagen, fernab der wachsamen Augen der Gesetzeshüter, im Perlacher Forst bei Unterhaching regelrecht Hotspots für sorglose Frischluftliebhaber gebildet, die eher lax mit den derzeitigen Verboten und Abstandsregeln umgehen. Besonders beliebt: die Flächen rund um den Hirschbrunnen und am Perlacher Mugl.

Coronavirus: Dutzende liegen dicht an dicht auf Decken

Besonders extrem muss es am vergangenen Freitagnachmittag zugegangen sein. Wie ein Unterhachinger, der gegen 14.30 Uhr im Forst joggen war, berichtet, hätten sich an den sonnigen Hängen des 26 Meter hohen Mugels Dutzende Erholungssuchende zum Entspannen versammelt. „Die sind dicht an dicht mit ihren Decken dagelegen“, erzählt der Unterhachinger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Berührungsängste zwischen den Familien habe es dabei keine gegeben: „Viele waren, glaube ich richtig froh, dass sie ihre Kinder zusammen spielen lassen konnten.“ Am Hirschbrunnen ein ähnliches Bild: „Gerade um den Weiher war es ähnlich voll.“

Der Staatsforst also voller Ignoranten, die sich um die Ausbreitung des Virus und die damit einhergehende Gefährdung der Reisikogruppen nicht scheren? Oder ein falscher, weil flüchtiger Eindruck eines Hobbysportlers beim schnellen Vorbeilaufen?

Isartalstraße gleicht einer Flaniermeile

Einen Tag später zu einer anderen Uhrzeit. Dass der Perlacher Forst bei milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein die Massen anzieht, merkt man schon, wenn man noch hunderte Meter vom Waldrand entfernt ist. Die Isartalstraße in Unterhaching, die direkt zum Wald-Parkplatz führt, gleicht am späten Samstagnachmittag einer Flaniermeile. Dutzende Fußgänger und Radfahrer sind im Forst unterwegs. Darunter Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Menschen mittleren Alters und Senioren.

Abstand halten ist fast unmöglich

Das gleiche Bild im Wald: Radfahrer und Spaziergänger tummeln sich auf den Wegen. Wer da im Begegnungsverkehr oder beim Überholen den Mindestabstand zum Mitmenschen einhalten will, müsste in der Regel eigentlich ins Unterholz ausweichen. Macht aber keiner. Viele Leute sind – also durchaus erlaubt – zu zweit oder mit den Kindern unterwegs. Doch bei manchen Gruppen kommen Zweifel auf: Sind die vier Jugendlichen, die auf der abgelegenen Bank sitzen, wirklich Geschwister? Am Hirschbrunnen eine überschaubare Menge an Menschen – die meisten mit genügend Abstand zum Nächsten. Aber einige stehen auch rund um den Weiher und sind ins Gespräch vertieft, während die Kinder einem Ball nachjagen oder den Uferbereich erforschen. Was die derzeitigen Verordnungen angeht, zumindest ein grenzwertiges Verhalten.

Und auch am Perlacher Mugl lässt sich erahnen, wie es dort zugeht, wenn die Sonne noch höher steht und mehr Wärme ausstrahlt. Selbst um 16.30 Uhr liegen noch vereinzelt Personen im Gras oder auf Decken und genießen die frische Waldluft, das Summen der Insekten und das Vogelgezwitscher. An die Allgemeinverfügung der bayerischen Staatsregierung, so hat man zumindest den Eindruck, denkt hier in diesem Moment keiner, denn das Verweilen ist nicht erlaubt.

Polizeichef: Der Perlacher Forst ist kein rechtsfreier Raum

Sollte man aber lieber, wie Stefan Schraut, Leiter der Unterhachinger Polizeidienststelle betont. Zwar sei der Perlacher Forst gemeindefreies Gebiet, aber kein rechtsfreier Raum. „Wir teilen uns die Zuständigkeit für den Forst mit unseren Kollegen aus Giesing. Sowohl für das Gelände rund um den Perlacher Mugl als auch um den Hirschbrunnen sei die Dienststelle in Unterhaching zuständig. Natürlich sei man nicht ständig dort vor Ort, sagt Schraut. Deshalb könne man auf den Staatsforst auch nicht so ein wachsames Auge haben wie zum Beispiel auf zentral gelegene Orte wie den Landschaftspark. „Dort sind wir am Samstag sogar mit unserem Lautsprecherwagen durchgefahren und haben die Massen dazu aufgefordert, nach Hause zu gehen.“ Von besorgten Bürgern werde man derzeit aber auch schnell alarmiert, betont der PI-Leiter. Sein Appell: „Wenn man etwas mitbekommt, bitte einfach bei uns anrufen. Wir kümmern uns dann darum.“

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