+
Zusperren kommt für Stefanie Leimböck, die Wirtin vom Landgasthof und Hotel Alter Wirt in U nterschleißheim, noch nicht in Frage.

Coronavirus

Trotz Lockerungen: Wirte bangen weiter um ihre Existenz

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
    schließen

Seit Wochen werden die Coronaeinschränkungen in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie in Bayern gelockert. Doch das bedeutet nicht gleichzeitig einen Besucheransturm – das spüren die Wirte und Hotelinhaber im Landkreis schmerzlich.

Landkreis – „Die letzten Wochen waren, wenn ich ehrlich sein soll, beschissen“, sagt Jürgen Hellgermann, der das Hotel Schrenkhof in Unterhaching betreibt. Normalerweise seinen die 75 Zimmer ständig gebucht. Zurzeit sind jedoch nur 13 davon belegt. „Es sind Gäste aus Hamburg und Berlin da“, sagt Hellgermann. „Und natürlich ein paar Handwerker.“

Mit der Lage vor Corona ist die derzeitige Situation jedoch nicht zu vergleichen. Vor allem das abgesagte Oktoberfest und die ausbleibenden Messen spürt Hellgermann. Geschäftsreisen finden nicht statt, Gäste bleiben aus. „Ich denke nicht, dass der Betrieb vor Januar wieder anläuft“, gibt er offen zu. Eine temporäre Schließung kommt für ihn aber nicht in Betracht. „Ich wohne hier, deshalb arbeite ich sowieso jeden Tag im Hotel“, sagt Hellgermann. Etwas Positives kann er jedoch aus der Coronakrise ziehen: Seit das Hotel wieder geöffnet hat, sitze er abends auch mal mit seinen Gästen am Tisch – zum Ratschen. „Das habe ich früher nicht gemacht, da hat mir die Zeit gefehlt“, sagt Hellgermann. Das sei aber der einzige Vorteil der Pandemie.

Dehoga-Präsidentin Inselkammer: „Die Gäste sind sehr verhalten“

„Die Gäste sind noch sehr verhalten“, sagt Angela Inselkammer aus Aying, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Im Landkreis München sei die Lage jedoch noch besser als in der Landeshauptstadt. „Da geht gar nichts“, sagt Inselkammer.

Umsatzeinbußen kaum reinzuholen

Doch auch Stefanie Leimböck, die Wirtin vom Landgasthof und Hotel Alter Wirt in Unterschleißheim, spürt die Auswirkungen des Lockdowns täglich. „Das Hauptgeschäft geht eigentlich erst im März richtig los“, sagt sie. Denn der Alte Wirt lebt von Veranstaltungen. Kommunionen, Firmungen, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern – alles abgesagt. „Das können wir auch nicht mehr reinholen, leider“, sagt Leimböck, die den Landgasthof seit 24 Jahren führt. Auch das Hotelgeschäft läuft eher mäßig. Der Großteil der zehn Zimmer, die normalerweise an Geschäftsreisende vermietet sind, steht leer. „Keine Messen, das bedeutet keine Buchungen“, sagt Leimböck. Trotzdem will sie, dass die vereinzelten Gäste sich wohlfühlen. „Man muss guter Dinge sein“, sagt sie. Zumachen, das kommt für die Wirtin derzeit nicht in Frage – weder das Hotel noch das Restaurant. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht, aber dafür ist es noch zu früh“, sagt Leimböck.

Wirtin: „Viele Menschen haben noch Angst“

Die meisten Arbeiten übernimmt die Wirtin gerade allein. Ihre fünf festangestellten Mitarbeiter sind nur für ein paar Stunden vor Ort. „Sonst könnte ich mir das nicht leisten“, sagt sie. Die Soforthilfe sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Obwohl der Biergarten schon seit fast vier Wochen wieder geöffnet ist, finden nur wenige Gäste den Weg zum Alten Wirt. „Ich denke, dass viele Menschen noch Angst haben“, sagt Leimböck. Aber auch das Wetter war in den letzten Tagen nicht auf der Seite der Wirte. Etwa 30 Prozent der Sitzplätze sind besetzt. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Leimböck.

Söder gibt weitere Lockerungen bekannt

Was ihr vor allem Sorgen bereitet, ist die Ungewissheit, wie es weiter geht. Die Nachfrage nach Veranstaltungen steigt. Ein Ehepaar möchte im August heiraten. „Doch mir sind die Hände gebunden“, sagt Leimböck. Auch Thomas Geppert, Dehoga-Landesgeschäftsführer, würde sich mehr Klarheit wünschen. „Tourismus benötigt Planbarkeit und Vorlaufzeiten“, schreibt er in einer Pressemitteilung. Es sei an der Zeit, Feiern und Veranstaltungen zuzulassen und Hochzeiten und Beerdigungen wieder einen würdigen Rahmen zu bieten. Dem Wunsch kam Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag nach. In einer Pressekonferenz gab er weitere Lockerungen bekannt. Unter anderem, dass Feiern, wie Hochzeiten oder Kommunion, wieder mit bis zu 50 Personen innen und mit bis zu 100 Personen im Freien stattfinden können. Ob die Leute allerdings die Möglichkeit nutzen oder weiter verunsichert sind, wird sich herausstellen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schule am Sportpark: Vor sechs Jahren eröffnet, jetzt schon zu klein
Anfang 2014 wurde die Grund- und Mittelschule am Sportpark in Unterhaching eröffnet. Jetzt platzt sie aus allen Nähten. Um die Raumnot zu beseitigen, hat sich der …
Schule am Sportpark: Vor sechs Jahren eröffnet, jetzt schon zu klein
Bootfahrverbot auf Isar - Landratsamt befürchtet „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“
Mit dem Boot auf der Isar fahren - das ist ab Samstag erstmal nicht mehr möglich. Das Landratsamt München hat ein Verbot erlassen. 
Bootfahrverbot auf Isar - Landratsamt befürchtet „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“
Dank Polizei: Training auf Profi-Niveau
Der nationale Top-Leichtathlet Yannick Wolf aus Baierbrunn hat seine Freiluft-Saison beim Springer- und Werfertag in Wasserburg erfolgreich eröffnet.
Dank Polizei: Training auf Profi-Niveau
Ein Krematorium am Friedhof Hochmutting? Das sagt der Gemeinderat
Eine Firma will am Friedhof Hochmutting ein Krematorium bauen und betreiben. Der Gemeinde macht sie das Vorhaben mit einigen Zugeständnissen schmackhaft.
Ein Krematorium am Friedhof Hochmutting? Das sagt der Gemeinderat

Kommentare