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Das ist der Fahrplan für die Energiewende im Landkreis München

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Von: Charlotte Borst

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In der Geothermie sehen Experten ein großes Potenzial für den Landkreis München.
In der Geothermie sehen Experten ein großes Potenzial für den Landkreis München. © dz

Der Landkreis München will 2040 klimaneutral sein. Doch der Weg dorthin ist noch weit. Großes Potenzial sehen Experten in der Geothermie.

Landkreis - Etwa 90 Windräder und 540 Megawatt aus Photovoltaik-Anlagen müssten gebaut werden, um allein den benötigten Strom zu erzeugen. Auch bei der Wärme ist viel zu tun: Die im Landkreis bereitgestellte Wärme basierte 2018 zu 70 Prozent auf Gas und Öl. Dabei könnte laut Experten in der Region München Tiefen-Geothermie den größten Teil des Wärmebedarfs decken.

Energiewende braucht Fachkompetenz

Um ins Tun zu kommen, muss jede Gemeinde eine eigene Perspektive und konkrete Projekte entwickeln. „Das Potenzial für Windkraftanlagen, PV-Freiflächen und Tiefengeothermie ist da. Auch die Akzeptanz ist jetzt da“, sagte Willie Striehler, der Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München: „Ob die Projekte kommen, liegt bei den Kommunen. Und wir sehen, was die Energiewende jetzt braucht: Fachkompetenz.“ Daher bietet die Energieagentur im Auftrag des Landkreises seit einem Jahr das Umsetzungsprogramm++ an. Sie berät zusammen mit der Firma Eniano Kommunen individuell, stellt digitale Datensätze zur Verfügung, identifiziert Energiepotenziale und konkrete Maßnahmen und unterstützt die Gemeinden bei der Beschlussfassung. So wird für die teilnehmenden Gemeinden ein detaillierter Umsetzungsplan erarbeitet.

Weitere Kommunen schließen sich an

Bisher haben fünf Kommunen den Energienutzungsplan abgeschlossen: Grasbrunn, Aschheim, Taufkirchen, Brunnthal und Neubiberg. „Es ist ein sehr gutes Instrument, die Energiewende voranzutreiben“, sagte Beraterin Sabine Hillbrand von der Energieagentur in der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags. Der Aufwand sei aber höher als gedacht: „Jede Kommune ist anders, und wir wollen nicht mit Schablonen arbeiten.“

Fünf weitere Kommunen werden im Sommer den Prozess abschließen. Dann will die Energieagentur mit einer weiteren Runde starten und weitere acht bis zehn Kommunen begleiten. „Wer zuerst kommt, wird zuerst berücksichtigt“, sagte Sabine Hillbrand.

Allerdings fehlen Mitarbeiter. „Seit dem Ukraine-Krieg gibt es eine ganz andere Nachfrage bei den Bürgern“, sagte Stiehler: „Wir haben lange Wartezeiten.“ Bisher beschäftigt die Energieagentur Ebersberg- München 30 Mitarbeiter beschäftigt. Geschäftsführer Stiehler hatte eine weitere Stelle beim Landkreis beantragt, die der Umweltausschuss jetzt einstimmig genehmigte. Die neue Beratungskraft soll den 29 Kommunen im Landkreis München zur Verfügung stehen.

Kritik, dass erst fünf Kommunen dabei sind

Die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) kritisierte, es sei „sehr unbefriedigend“, dass erst fünf von 29 Gemeinden am Umsetzungsprogramm teilnähmen. „Die Klimaneutralität 2040 ist unser Ziel. Wir wollen, dass alle 29 Kommunen dabei sind.“ Landrat Christoph Göbel (CSU) betonte dagegen: „Es läuft schon viel.“ Andere Gemeinden hätten schon früher Energiepotenziale analysiert und Ansätze entwickelt.

Der Garchinger Kreisrat Philipp Bauer von den Grünen regte an, man sollte die Ergebnisse der beteiligten Gemeinden bald publik machen, „damit andere Akteure für sich etwas ableiten können“. Auch Kilian Körner (Grüne) aus Neubiberg hofft, dass sich die Gemeinden „gegenseitig pushen“.

Landrat: „Gerade bei der Tiefen-Geothermie ist noch viel Musik drin.“

Im Sommer werden fünf weitere Kommunen den Prozess abschließen. Welche Kommunen es sind, verriet Sabine Hillbrand nicht. Auf Nachfrage erklärte sie: „Die Gemeinden suchen nicht nur ihre eigenen Potenziale, sondern gerade bei der Tiefen-Geothermie auch mögliche Partner, mit denen sie den Fernwärme-Ausbau umsetzen können.“ Und offenbar konkurrieren Gemeinden bei der Partnersuche. „Es geht jetzt darum, möglichst viele Projekte anzustoßen“, sagte Landrat Göbel. Das Interesse bei den Kommunen sei groß: „Das ist alles sehr sehr erfreulich. Gerade bei der Tiefen-Geothermie ist noch viel Musik drin.“

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