Labore sind seit 1. Januar verpflichtet, die bundesweite Software „Demis“ zu nutzen. Hier kommt es bei der Datenübermittlung von Neuinfektionen allerdings zu Fehlern.
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Labore sind seit 1. Januar verpflichtet, die bundesweite Software „Demis“ zu nutzen. Hier kommt es bei der Datenübermittlung von Neuinfektionen allerdings zu Fehlern. (Symbolfoto)

Neue Software bringt Landratsamt in die Bredouille

Datenpanne verfälscht Corona-Statistik

  • Patricia Kania
    vonPatricia Kania
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Verwirrung um die Coronazahlen im Landkreis: Fallzahlen aus den Kommunen werden nicht mehr veröffentlicht. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen stimmt nicht mit den aktuell gemeldeten überein. Wie jetzt bekannt wurde, ist ein Softwarefehler die Ursache des Problems.

Landkreis – Seit die Corona-Pandemie im vergangenen Februar auch im Landkreis angekommen ist, sind die Infektionszahlen, die das Landratsamt täglich veröffentlicht, eine wichtige und verlässliche Informationsgrundlage. Vor allem, weil sich daraus auch die 7-Tage-Inzidenz ableitet und auf dieser Basis neue Regelungen in Kraft treten, wie etwa der 15-Kilometer-Bewegungsradius ab einem Wert von 200. Aufgesplittet nach Kommunen erfahren die Landkreis-Bürger hier auch, wie viele Neuinfektionen es in ihren Gemeinden und Städten gibt.

Doch Datenpannen sorgen jetzt für Verunsicherung, inwieweit man sich auf diese Zahlen noch verlassen kann. So war die Gesamtzahl aller Infektionen vor zwei Tagen trotz 19 Neuinfektionen niedriger als am Vortag. Am Dienstag stieg die Gesamtzahl nur um 53 Fälle trotz 90 gemeldeter Neuinfektionen. Wie kann das sein?

Umstellung auf neue Software: Probleme bei Datenübermittlung

Nach Angaben einer Sprecherin des Landratsamts sei der Grund für die widersprüchlichen Zahlen eine fehlerhafte Schnittstelle zu der neuen bundesweiten Software „Demis“. Die müsse seit 1. Januar von allen Gesundheitsämtern und Laboren verpflichtend genutzt werden. Zuvor hatten Labore positive Fälle per Mail und Fax an die Gesundheitsämter gemeldet. Jetzt erhalten die Gesundheitsämter nur noch die aus „Demis“ erfassten Datensätze. Das Landratsamt München allerdings nutzt die Meldesoftware „Äskulab“. Und hier liegt das Problem. Denn der Datenaustausch zwischen diesen beiden Systemen funktioniert nicht reibungslos. Es werden laut Landratsamt beim Importieren der Daten Dubletten produziert, die das System nicht erkennt, sondern als jeweils neue Infektionsmeldung registriert. Auch alte Fälle wurden als Neuinfektionen gezählt.

10 000 Datensätze bereinigen

Dagegen ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in den vergangenen Tagen auffallend gesunken. „Wir müssen davon ausgesehen, dass eine höhere Zahl an Neuinfektionen zu verzeichnen ist“, heißt es aus dem Landratsamt. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen sei daher momentan mutmaßlich nicht korrekt. Davon betroffen ist auch die 7-Tage-Inzidenz, die sich ja aus den Gesamtinfektionen berechnet.

Im Landratsamt herrscht jetzt natürlich helle Aufregung. Seit Tagen arbeiten Mitarbeiter daran, das Problem zu beheben. Die Behörde musste dafür eine neue Meldesoftware installieren, die mit „Demis“ kompatibel ist. „SurvNet“ wird bereits von anderen Landratsämtern erfolgreich genutzt. Darauf verlässt sich jetzt auch die Kreisbehörde in München. Am Dienstag wurden alle vorhandenen Daten in das neue System überführt. Mehrere Mitarbeiter sind jetzt damit beschäftigt, 10 000 Datensätze zu bereinigen. Man arbeite unter Hochdruck. Wie viel Zeit das Ganze in Anspruch nimmt, sei aber noch unklar.

Landratsamt übt Kritik am Bund

Auch für die zuständigen Mitarbeiter im Landratsamt ist die Situation mehr als ärgerlich, zumal es auch die Kontaktpersonen-Verfolgung beeinträchtigt. „Es ist sehr unerfreulich, dass eine solche Softwareumstellung des Bundes erfolgt, ohne dass die erforderlichen technischen Voraussetzungen für die Weiterverarbeitung der Daten sichergestellt ist“, heißt es aus dem Amt. Erst wenn alles bereinigt sei, können wieder verlässliche, aufgeschlüsselten Fallzahlen für die Kommunen veröffentlicht werden.

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